Sieben Festgäste und eine Tafel: Julia Brockmann, Martin Roscher, Iris Bohnacker, Roland Tralmer, Larissa Söll von der Wirtschaftsförderungsgesellscháft des Kreises, Günther-Martin Pauli und Onstmettingens Ortsvorsteher Jürgen Kurz (von links) Foto: Martin Kistner

Der Hangende Stein am Traufgang „Zollernburg Panorama“ ist seit Mittwoch „Geopoint“ des Unesco-Geoparks Schwäbische Alb. Kaum irgendwo wird Erdgeschichte so anschaulich wie hier.

Vor vier Jahren war Iris Bohnacker, hauptamtliche Mitarbeiterin des Unesco-Geoparks Schwäbische Alb, auf dem Hangenden Stein gestanden und hatte von der Traufkante aus ins Hohenzollerische geblickt.

 

Nicht zum ersten Mal – sie war als Kind schon einmal in Onstmettingen gewesen, aber diesmal sah sie das landschaftliche Szenario mit etwas anderen Augen, und zwar berufsbedingt: „Warum ist das hier nicht schon längst ein Geopoint?“, fragte sie sich, und beantwortete sich die Frage selber so: Na warte, das soll sich ändern.

Die Auszeichnung ist längst überfällig

Seit dem 6. August ist der Hangende Stein ganz offiziell Geopoint des Geoparks Schwäbische Alb – eine überfällige Auszeichnung, denn er erfüllt alle Voraussetzungen dafür: Die Aussicht ist spektakulär, die Einblicke, die das von Felsspalten und Schluchten zerfurchte Gelände an der Traufkante dem Geologen und dem Geomorphologen gewährt, extrem wertvoll und die Qualität des Geländes als Lernort für Interessenten jedes Alters über jeden Zweifel erhaben.

Was kann man hier alles lernen? Vielerlei: Am Hangenden Stein, so Iris Bohnacker, könne man förmlich sehen, wie der Boden arbeitet und wie der Albtrauf der Erosion Tribut zollt und immer weiter nach Süden zurückweicht. Bäume wachsen hier nicht gerade, sondern sichelförmig, weil sie alle Jahre wieder den Boden unter den Wurzeln zu verlieren drohen und sich neu nach der Sonne ausrichten müssen.

Iris Bohnacker und Roland Tralmer mit Urkunde Foto: Martin Kistner

Zudem ist der Hangende Stein Teil einer beliebten geologischen „Drohkulisse“, des legendären Zollerngrabens, dessen Name oft und gerne durch Medienberichte über die prekäre Albstädter Seismik geistert. Völlig unverdient wohlgemerkt, denn der Zollerngraben hat mit den Erdbeben, welche die Region immer wieder heimsuchen, nur ganz am Rande zu tun – für die ist vielmehr die sogenannte Albstadt-Scherzone verantwortlich, die wesentlich tiefer liegt und wesentlich größer ist als der Zollerngraben.

Der Zollerngraben ist gar kein Graben

Der übrigens auch kein Graben ist, sondern im Gegenteil eine Bodenerhebung. Graben, das war er mal, vor 15 Millionen Jahren, als er entstand, aber seither hat die Erosion die Grabenschultern aus Mergel abgetragen und die härtere Kalksohle in einen Höhenzug verwandelt. Die Fachleute sprechen von einer „Reliefumkehr“ – und laut Iris Bohnacker kann man kaum irgendwo so schön demonstrieren, was das ist, wie in Onstmettingen.

Landrat Pauli erweitert seinen geologischen Horizont. Foto: Martin Kistner

Dies alles wird – Stichwort Lernort – sehr verständlich und mit Schaubildern des Geologieprofessors Martin Meschede illustriert auf einer zweisprachigen Informationstafel erläutert, die Iris Bohnacker am Mittwochmorgen zusammen mit Vertretern des Landkreises, seiner Wirtschaftsförderung und der Stadt Albstadt enthüllt hat. Oberbürgermeister Roland Tralmer verwies in seiner Kurzansprache auf die historische Bedeutung der Traufkante – noch trenne sie Altwürttemberg und die Hohenzollerischen Lande; allerdings ändere sich das allmählich, da sie ja stetig weiter auf württembergisches Territorium zurückweiche.

Pauli: Ein Klassenzimmer im Grünen

Günther-Martin Pauli, der Landrat, sprach von einem „Klassenzimmer im Grünen“ und würdigte die Pionierrolle der Albstädter in Sachen Wandertourismus im Zollernalbkreis. Albstadts Kulturamtsleiter Martin Rosch nahm den Faden auf und zitierte eine Fachpublikation, die die Südwestalb als „Penthouse der Schwaben“ bezeichnet hatte. Danach fielen die Hüllen – sie bestanden, wie Museumsleiterin Julia Brockmann einwarf, aus schwarzem Samt aus dem Tailfinger Maschenmuseum.

Unesco-Geopark Schwäbische Alb

Der Geopark
 Schwäbische Alb ist eine von derzeit 213 außergewöhnlichen Landschaften in aller Welt, die aufgrund ihrer Geologie und Erdgeschichte von besonderer Bedeutung für die Wissenschaft sind. In Deutschland gibt es acht Geoparks; was die Alb vor anderen auszeichnet, ist die Vielfalt ihrer Themen: Erdbeben in Albstadt, Vulkanismus am Randecker Maar, Karsthöhlen in Blaubeuren, Fossilien in Nusplingen, dazu die älteste Kunst der Menschheit im Lonetal auf der Ostalb und in Schelklingen, wo sich nebenbei das Hauptquartier des Geoparks Schwäbische Alb befindet.

39 Geopoints,
 sogenannte Geotope von besonderem wissenschaftlichem und touristischem Nährwert, kann der Geopark Schwäbsiche Alb vorweisen, der jüngste dieser 39 ist der Onstmettinger Geopoint Hangender Stein. Drei weitere gibt es noch im Zollernalbkreis, als ältesten den Nusplinger Plattenkalk, sodann den Zillhauser Wasserfall und den Balinger Schwefelbrunnen. Der Dormettinger Geopoint wurde mittlerweile in einen Erinnerungspfad umgewidmet.

24 Geopark-Infostellen
 gibt es, einen davon im Ebinger Kräuterkasten. Interessierte Besucher erhalten dort Informationsmaterial, Karten und nicht zuletzt GPS-Daten und QR-Codes.