Hermann Steinhart, 17 Jahre lang Erster Bürgermeister von Albstadt, ist 84-jährig gestorben. Beigesetzt wird er in Mengen – doch die Trauerfeier fand am Freitag in Ebingen statt.
Hermann Steinhart war Oberschwabe, geboren in Sigmaringen, aufgewachsen in Mengen, und wusste Aufschlussreiches über die unterschiedlichen Charaktere seiner katholischen Landsleute und der pietistischen Altwürttemberger zu sagen, unter denen er die längste Zeit seines Lebens zubrachte. Er war auf seine ganz spezielle Weise Exulant und hat am Ende mit der Trauerfeier in Ebingen, seiner wichtigsten Wirkungsstätte, und der Urnenbestattung im Elterngrab in Mengen beiden Seiten Gerechtigkeit widerfahren lassen.
Wo ist so einer zu Hause? Auf Erden nirgendwo, wie jeder andere auch, lautete die Antwort, die Hans-Joachim Fogl, Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit Talgang, in seiner Trauerrede gab. „Wir haben unsere Heimat im Himmel“ heiße es im paulinischen Brief an die Philipper. Fogl wollte diese Aussage allerdings nicht als wohlfeile Vertröstung aufs Jenseits verstanden wissen. Auch und gerade für den Himmel gelte, dass er schon auf Erden anfange und der Weg das Ziel sei – nicht von ungefähr sei Hermann Steinhart in seiner Jugend ein katholischer „Pfad-Finder“ gewesen.
Aber wie soll man sich diesen Himmel auf Erden vorstellen? Der christliche Glauben, erklärte Fogl, sei kein Privatvergnügen; vielmehr binde er den Gläubigen in die „Communio“, die Gemeinschaft aller anderen Gläubigen, ein, in der er schon auf Erden eine Heimat finde. Hermann Steinhart sei ein sozialer Mensch gewesen; er habe sich von Berufs wegen für Schul- und Kindergartenkinder, für die Klientel der Ausbildungs- und Berufsförderungsstätte Albstadt (ABA) und nicht zuletzt für die Asylbewerber, die Anfang der 1990er Jahre ins Land kamen, engagiert, aber auch als Ruheständler Kontakte zu Menschen in ganz anderen Weltgegenden wie Sri Lanka und Südostasien geknüpft und unterhalten. Wer im Himmel seine Heimat habe, sei auf Erden nirgendwo zuhause – und könne es zugleich auf der ganzen Welt sein.
Das Markenzeichen: der Bibelvers am Ende der Rede
Für die Stadt sprach Roland Schmidt, der amtierende Erste Bürgermeister; unter den Trauergästen saßen zwei ehemalige, Axel Pflanz und Anton Reger. Auch Hans-Martin Haller, Hermann Steinharts einstiger Vorgesetzter, war, zusammen mit etlichen weiteren Weggefährten und -gefährtinnen, erschienen, um Hermann Steinhart die letzte Ehre zu erweisen. Schmidt erinnerte wie Fogl an Steinharts Einsatz für Flüchtlinge – „ damit sollte er uns gerade heute ein Vorbild sein“ – und bescheinigte ihm Fleiß, Zielsicherheit, Durchsetzungsvermögen und einen „subtilen Humor“.
Der wird in der Tat so manchem Trauergast in guter Erinnerung bleiben – das knitze Lächeln, der Schalk im Nacken und nicht zuletzt das Markenzeichen des Finanzbürgermeisters Steinhart, der oftmals ironisch tingierte Bibelvers am Ende der Haushaltsrede. Nur selten zitierte er aus dem düsteren Buch Prediger, das seinem oberschwäbischen Naturell wenig entsprach, eher schon aus den Sprüchen Salomons und, mit besonderer Vorliebe, aus dem pragmatischen und diesseitigen Buch Jesus Sirach. Hermann Steinhart war eben ein „Pfadfinder“, der den Himmel zuerst einmal auf Erden suchte.