Wärme statt Pathos hat die Trauerfeier für den ersten Oberbürgermeister Albstadts geprägt. Hans Pfarr war am 17. Mai im Alter von 87 gestorben, und alle, die sprachen, vermissen ihn jetzt schon.
Um die Stadt, die neu entsteht, geht es im zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther – der Text der Lesung zur Trauerfeier für Hans Pfarr, Albstadts ersten gewählten Oberbürgermeister, der von 1975 bis 1991 im Amt war, war gut gewählt.
Befremdlich sei es, auch wenn er 87 Jahre alt war, dass Hans Pfarr sein Lebenszelt nun abgebrochen habe, sagte Dekan Anton Bock, der längst in Freudenstadt wirkt, den mit Pfarr aber lange gemeinsame Jahre im Arbeitskreis Chambéry und im Rotary Club Ebingen-Zollernalb verbinden. „Er war derjenige, der durch sein Tun bewirkt hat, dass wir hoffen dürfen auf eine bessere Stadt, eine bessere Welt.“
Vieles zusammenzuführen, das sei ihm gelungen, sagte Bock mit Blick auf die Stadtteile Albstadts, seine Menschen, und das habe ihn gefreut. Dasselbe gelte für die „einstigen Erzfeinde, die zu Freunden wurden“: Die Städtepartnerschaft mit Chambéry wäre ohne Hans Pfarr „nicht auszudenken“ gewesen. Nicht zuletzt habe er viel dazu beigetragen, dass die Zeit der schlimmen Krankheit Kinderlähmung zu Ende gehe.
Fröhlich klingt die Orgel – das entsprach dem Wesen des Verstorbenen
Bei all dem sei ihm eines klar gewesen: „Wo Menschen leben, müssen sie so leben, dass Arbeit nicht alles ist.“ Kunst und Kultur lagen Hans Pfarr stets besonders am Herzen, und natürlich spielte das Ebinger Kammerorchester, das ihn wegen seiner großen Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt hatte, für ihn: den zweiten Satz aus Mozarts erster Salzburger Sinfonie KV 155 und aus dem „Königsrichterle“ von Franz Xaver Richter, seiner Sinfonie B-Dur, sowie den ersten Satz aus Georg Friedrich Händels Oboenkonzert g-moll, für den Dirigent Martin Künstner selbst zum Solo-Instrument griff und wunderschön spielte.
Fröhlich pfeifend erklang hingegen „Geh aus mein Herz und suche Freud“ mit Paul Gerhards Text über die Schönheit der Schöpfung – Pfarrs rotarischer Freund, Kantor Steffen Mark Schwarz, hatte die Orgel so registriert, dass ihre Klänge ganz dem knitzen, optimistischen und zupackenden Wesen des Alt-Oberbürgermeisters entsprachen. Er begleitete zudem die Sopranistin Carla Frick beim ergreifenden „Amazing Grace“. Die Musik der Trauerfeier hätte Hans Pfarr gefallen.
„Er hat Albstadt geprägt wie niemand sonst“
Nicht minder trifft das zu auf die Rede, die Oberbürgermeister Roland Tralmer mit sichtbarem Schmerz, aber vor allem mit großer Hochachtung vortrug. Hans Pfarr habe die „neue große Stadt auf der Südwestalb geprägt wie niemand sonst“, sagte Tralmer. Er habe zusammengefügt, „was zunächst nicht aus Jedermanns Sicht zusammenpasste“, und zwar mir „beispiellosem Einsatz rund um die Uhr“. Vom ersten Tag an sei der gebürtige Stuttgarter „überzeugter Albstädter mit Leib und Seele“ gewesen, allen Gesprächspartnern auf Augenhöhe begegnet, habe hohe Maßstäbe an sich, aber auch an andere angelegt: „Gefürchtet waren die Montage im Rathaus, weil der Chef am Wochenende neue Ideen oder Kritik von Bürgern erhalten hatte, und das umgehend zu Arbeitsaufträgen führte“, so Tralmer augenzwinkernd.
„Wir haben einen unserer Besten verloren“
„Der Fülle wegen“ konnte Tralmer nur die wesentlichsten Herausforderungen nennen, die Pfarr als OB gemeistert hatte, darunter das schlimmste Erdbeben der deutschen Nachkriegsgeschichte, die Gründung des Kunstmuseums, der Städtepartnerschaft und der Hochschule, zusammen mit dem damaligen Landrat Heinrich Haasis – er hatte einen Vortrag in Südtirol abgesagt, um Pfarr die letzte Ehre zu erweisen, anders als zahlreiche Mandatsträger und Personen des öffentlichen Lebens, die einen innerstädtischen Weg gehabt hätten.
Tralmer erinnerte daran, wie Pfarr ihn als Schüler für Kommunalpolitik begeistert hatte, wie viele Ideen er noch hatte, auch für das Jubiläum „50 Jahre Albstadt“ 2025, und an sein „zweites Lebenswerk“, seinen Einsatz für eine Welt ohne Kinderlähmung.
„Ein großes Herz hat aufgehört zu schlagen“
Diesen stellten auch Britta Bienstein, Präsidentin des Rotary Clubs Ebingen-Zollernalb, und Hans-Hinrich Kruse, Governor des Bezirks 1830, in den Mittelpunkt ihrer Reden – und diese unter die Überschrift, die in Pfarrs Todesanzeige stand: „Ein großes Herz hat aufgehört zu schlagen.“
„Wir haben nicht nur einen der Unseren verloren, sondern einen unserer Besten“, sagte Bienstein. „Mit seiner großen Erfahrung war er eine enorme Bereicherung“, für seine Überzeugungen sei er stets eingestanden, vorausschauend, kreativ, inspirierend gewesen.
Keine zehn Fälle mehr – das ist auch sein Verdienst
300 000 Menschen seien jährlich an Polio erkrankt, als Rotary 1987 beschlossen habe, den Kampf dagegen zu unterstützen, so Kruse. „In diesem Jahr wurden keine zehn Ansteckungen gemeldet.“ Daran habe Pfarr 22 Jahre lang als „Polio plus Task Force Coordinator“ für den deutschsprachigen Raum mitgewirkt.
Beide dankten vor allem Hedda Pfarr, der ihre Töchter Susanne und Ulrike zur Seite standen. Sie habe durch ihre Unterstützung den Einsatz ihres Mannes in diesem Umfang erst möglich gemacht.