Dass St. Peter und Paul in Nusplingen heute ein schön sanierter Besuchermagnet ist, ist maßgeblich Herbert Schäfer zu verdanken, der dafür mit der Staufermedaille geehrt wurde. Foto: Benjamin Schicker

Herbert Schäfer, Gründungsvorsitzender des Fördervereins Alte Friedhofskirche Nusplingen und Rektor a. D., ist mit 85 Jahren gestorben.

„So ein bissle über 50“ sei Herbert Schäfer, hatte Landrat Günther-Martin Pauli am 73. Geburtstag des Wahl-Unterdigisheimers gesagt, als er ihn mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ehrte. Und damit den Nagel auf den Kopf getroffen, denn der pensionierte Rektor war auch in seinem Ruhestand ein Aktivposten – vor allem wenn es um Heimatgeschichte ging.

 

Als im vergangenen Jahr das Jubiläum „300 Jahre Barockkirche St. Maria“ in Unterdigisheim gefeiert wurde, war Herbert Schäfer noch mit dabei. Nun hat ihn seine Kraft verlassen: Am Mittwoch ist Herbert Schäfer im Alter von 85 Jahren gestorben.

Als Schüler im bayerischen Exil

Geboren in Rottweil und aufgewachsen in Ratshausen, hatte Schäfer im bayerischen Nördlingen in einem Internat den Weg zum Abitur beschritten und schon als Schüler beschlossen, Lehrer zu werden. Mit einem Studium der Altphilologie begann seine Universitätsausbildung 1960 in Tübingen, ehe er 1962 an die Pädagogische Hochschule nach Weingarten wechselte und schon 1964 die Erste Dienstprüfung für das Lehramt an Volksschulen ablegte.

Im selben Jahr kam Schäfer als Hauptlehrer zur Anstellung an die katholische Volksschule nach Nusplingen, wo eine wechselhafte Zeit für ihn begann: 1965 hieß sein Einsatzort Stockenhausen, drei Monate später Dautmergen und dann erneut Nusplingen.

Als Gemeinderat und Schulleiter ein Aufbauer

Noch vor der Zweiten Dienstprüfung 1968 heiratete Herbert Schäfer seine Frau Roselore und gründete eine Familie, kehrte als Hauptlehrer nach Nusplingen zurück und übernahm schon 1969 die kommissarische Leitung der dortigen Grund- und Hauptschule, an deren Neubau und Einrichtung Schäfer auch als Gemeinderat – acht Jahre hatte er das Amt inne, davon drei als Bürgermeister-Stellvertreter – seinen Anteil hatte. Obmann der Ortsgruppe im Schwäbischen Albverein war er überdies: über 20 Jahre lang.

1971 bekam Schäfer, inzwischen Oberlehrer, die Rektorenstelle offiziell und fungierte zusätzlich als Berater für das Staatliche Schulamt im Bereich vorschulische Erziehung sowie als Mentor für Lehreranwärter, war Kontaktlehrer „Hauptschule und Berufliche Schulen“ und betreute Praktikanten der Hochschule.

Die Hohenbergschule hat ihm viel zu verdanken

Von 1987 bis 1995 brachte Schäfer seine Erfahrung als Rektor der Ebinger Hohenbergschule ein, einer reinen Hauptschule, die 1989 als Modellprojekt das freiwillige zehnte Schuljahr einführte. Die Folge: Ab 1991 stieg die Schülerzahl kontinuierlich. Nicht zuletzt hatte Schäfer mitgeholfen, ab 1992 Schulsozialarbeit aufzubauen und – auch vor Ort – sächsische Schulleiter nach der Wiedervereinigung Deutschlands betreut. „Menschlichkeit, Freundlichkeit, Loyalität“ und maßgeblichen Anteil an der Umsetzung neuer pädagogischer Konzepte hatte ihm der damalige Schulamtsleiter Jochen Lottermoser bei seinem Abschied bescheinigt.

33 Jahre lang war Herbert Schäfer im Schuldienst gewesen, ehe er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging – oder vielmehr in den Unruhestand, denn seit dem 17. September 1996 war Herbert Schäfer Vorsitzender des damals gegründeten Fördervereins Alte Friedhofskirche St. Peter und Paul.

Seine zweite Berufung war die Heimatgeschichte

Unter seiner Ägide trug der Verein, der seine Existenz Schäfers Initiative zu verdanken hat, 164 264 Euro und unzählige Stunden Eigenleistung zur Renovierung des Bauwerks bei, das heute für Trauungen, kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt wird. Bis 2014 führte Herbert Schäfer den Förderverein und hat in dieser Zeit Spenden eingeworben, Veranstaltungen organisiert, um Geld für Renovierung und Erhalt zu sammeln sowie Menschen für den Förderverein zu gewinnen – rund 170 Mitglieder hatte dieser, als Schäfer sein Amt an Udo Klaiber weitergab.

Seine Triebfeder: „Jede Generation muss wissen, woher sie kommt, wo ihre Wurzeln liegen, um in der Gegenwart bestehen und erfolgreich die Zukunft meistern zu können“, schrieb Schäfer in der Festschrift zum Abschluss der Renovierung des ältesten Gebäudes auf dem Großen Heuberg 2003, dessen Glockenturm inzwischen ebenfalls saniert ist.

Sein Wissen wird nicht mit ihm zu Grabe getragen

Der Trauergottesdienst für Herbert Schäfer indes findet am Dienstag, 28. Mai, in der Kirche St. Maria in Unterdigisheim statt – er beginnt um 13.30 Uhr. Die Chronik der 301 Jahre alten Barockkirche hatte Schäfer zusammen mit Roland Steidle, Werner Sauter und weiteren Mitwirkenden verfasst, und sie zeugt auf 300 reich bebilderten Seiten von Schäfers Fähigkeit, Menschen für Heimatgeschichte zu begeistern, Informationen akribisch aufzubereiten und verständlich zu servieren.

Das Wissen, das mit Herbert Schäfer zu Grabe getragen wird, ist dank seines Wirkens als Autor nicht verloren gegangen. Die Lücke, die er als Mensch und Heimathistoriker hinterlässt, wird freilich nicht zu schließen sein.