Ein kleiner Sarg steht in der Pauluskirche der Tierbestattung Schönhalde. Foto: dpa/Silas Stein

In der frisch renovierten Pauluskirche in Albstadt-Pfeffingen können bei der Schönhalde Tierbestattung Tierbesitzer bald Abschied von ihren verstorbenen Vierbeinern nehmen.

Die frisch renovierte Pauluskirche in Albstadt-Pfeffingen wird am 2. Dezember um 14 Uhr erstmalig ihre Türen öffnen. Die Tierbestattungskirche wird von der Schönhalde Tierbestattung Albstadt betrieben und soll laut Pressemitteilung „nicht nur Bestattungshaus für unsere geliebten Tiere, sondern auch ein Ort der Begegnung und Erinnerung sein“.

Das Sakralgebäude bietet – laut dem Tierbestatter einmalig in Deutschland –unter anderem die Möglichkeit eine Tiertrauerfeier abzuhalten. „Wir sind selbst Tierhalter, Hund, Katze, Pferd und mehr gehören zu unserer Familie. Den geliebten Familienmitgliedern eine würdevolle letzte Reise zu ermöglichen ist für uns Berufung, und nur nebenbei auch Beruf“, heißt es in der Mitteilung.

Immer mehr Tierhalter wünschen sich einen würdigen Abschied

Der emotionale Stellenwert, den die Tiere in Familien haben, mache nicht nur ein gutes Leben, sondern auch einen würdevollen letzten Weg unverzichtbar.

Immer mehr Tierhalter wünschen sich einen würdigen Abschied von ihren Lieblingen. Um der stetig steigenden Zahl an Bestattungen gerecht zu werden, benötigt die Schönhalde Tierbestattung mehr Platz. „Das just in diesem Augenblick als wir einen Anbau planen wollten die kleine Kirche in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Verkauf stand ist eine außerordentlich schöne Fügung des Schicksals.“ Die Pauluskirche Pfeffingen ist ein von Geschichte aufgeladener, spiritueller Ort, der einen schon beim Betreten in seinen Bann zieht. Als einzigartige Location mit einer „unbeschreiblichen Atmosphäre um seinen Liebling auf dem Weg in den Tierhimmel zu begleiten“ beschreiben der Bestatter die Kirche.

Haltung der Kirchen hat sich gewandelt

Die evangelisch-methodistische Kirche (EMK) hat die Pauluskirche Pfeffingen im Jahr 1955 erbaut. Bereits vor Jahren wurde die Nutzung für Gottesdienste eingestellt, und die schwindende Mitgliederzahl der kleinen Gemeinden feiert ihre Gottesdienste nun zentral in einer moderneren Kirche in der Nähe. Die EMK hat das Gebäude dennoch zunächst weiter erhalten, da die Mesnerin seit mehr als 40 Jahren in der Wohnung im Obergeschoss lebte und ihr im Alter kein Umzug zugemutet werden sollte. Erst jetzt, nachdem die Dienstwohnung leer stand, wurde die Kirche endgültig aufgegeben und mit einem feierlichen Gottesdienst am an die Tierbestattung Schönhalde übergeben.

Das rund 70 Jahre alte Gebäude benötigte dem Bestatter zufolge noch etwas Zuwendung, „und nach Abschluss der Renovierungsarbeiten wird die erste Tierbestattungskirche am 2. Dezember eröffnet.

Die Haltung der großen Kirchen zum Thema Tiere befindet sich im letzten Jahrzehnt in einem Wandel. Im Jahr 2012 war die Antwort der evangelischen und katholischen Kirche ein einstimmiges und deutliches „Nein“ zu Gottesdiensten für Tiere. In neueren Publikationen aus dem Jahr 2022 hat sich dieses kategorische „Nein“ mehr zu einem „Ja, aber“ oder „Ja, vielleicht“ weiterentwickelt.

Die Bedürfnisse der Hinterbliebenen sind für den Bestatter das Maß der Dinge

Einzelne Theologen beider Kirchen setzen sich laut Mitteilung mit Nachdruck für eine Neupositionierung des Christentums ein, die mehr Wertschätzung für die Tiere zeigt. „Der Stellenwert der Tiere als eigenständiges, beseeltes, Wesen innerhalb der Schöpfung rückt mehr und mehr in den Fokus. In diesem Kontext wird unserer Meinung nach eines Tages auch die kirchliche Bestattung und die kirchliche Trauerfeier für Tiere möglich sein. Die Tierbestattungskirche Pauluskirche geht einen großen Schritt voraus und bietet den geliebten Haustieren sowie den Familienmitgliedern, einen besonderen Ort des Gedenkens an.“

Die individuellen Bedürfnisse der Hinterbliebenen sind für den Bestatter das Maß der Dinge. „Jedes Tier bekommt von uns eine Rose mit auf die letzte Reise.“ Trotz einiger Bedenken habe es bis heute kein negatives Feedback gegeben. „Der positive Zuspruch aus allen Richtungen ist einfach überwältigend, sowohl von weit her als auch hier ganz nah.“ Auch die Gemeindemitglieder vor Ort „haben uns mit gutem Gefühl und vielen lieben Worten ihr ‚Kirchle‘ zu treuen Händen übergeben. Das bedeutet uns sehr viel“.