Das Gasthaus Rothenburg in Nieder-Tegernau Foto: Wolfgang Grether

Erika Weber, Wirtin, Köchin und Gastgeberin im Gasthaus Rothenburg, Nieder-Tegernau, verstarb unerwartet am 6. April.

Wie geht es dir? Auf diese Frage antwortete sie noch wenige Tage vor ihrem Tod mit einem lächelnden Hinweis auf kleine Zipperlein, aber ansonsten zufrieden. Typisch für die Frau, die sich nie in den Vordergrund drängte, aber im Gasthaus immer dort war, wo Arbeit anstand.

 

Bescheiden, gut gelaunt, zufrieden und mit viel Empathie für ihre Gäste verkörperte sie seit Jahrzehnten die gute Seele des renommierten Hauses im Kleinen Wiesental.

Geboren am 30. Oktober 1942, blieb sie dem Elternhaus und damit dem Gasthaus treu. Die Rothenburg, früher geprägt durch den Vater als Jäger und Wirt mit einer daneben sorgenden Mutter, hat Erika Weber, geborene Asal, erstmals in der Lehrzeit verlassen. Die Ausbildung zur Köchin führte sie in den Waidhof bei Inzlingen. Dort lernte sie gemeinsam mit Fernsehkoch Vincent Kling.

Erika Weber Foto: privat/Repro: Wolfgang Grether

Vor 52 Jahren heiratete sie Gustav Weber. Damit stand ihr Wohnhaus in Wies, ihre Herzensheimat blieb Rothenburg.

Während die ältere Schwester Heidi nach dem Tod der Eltern den Part des Vaters übernahm und als generöse Wirtin in Erscheinung trat, ging Erika in der Rolle ihrer Mutter als Sorgende auf, die den Betrieb am Laufen hielt. Das bis ins Alter von über 82 Jahren.

Mit viel Herzblut organisierte sie die Abläufe, oder wenn es an Küchenpersonal ging, ging sie selbst zum Herd. Badisch aus heimischen Produkten, so war die Menükarte zu lesen. Köstlich der Genuss der servierten Speisen. Begriffe wie Werbung und Marketing gehörten nicht zum Sprachgebrauch von Erika.

t Unter den Überschriften Jägerstammtisch, Lätzleverein (eine Frauengruppe aus dem Kleinen Wiesental), Stubete (gemeinsames Singen) oder Tanzabend trafen sich Menschen zu einer gemeinsamen und guten Geselligkeit. Bekannt bleibt das Gasthaus als Ausrichter vieler Familienfeierlichkeiten. Außergewöhnliche Kochinspirationen brachte die Rothenburgküche ins Gespräch. Unvergessen die Idee, Filets in Zopfform zu offerieren. Ein Genuss zum Schauen und Genießen: die Flambierkünste am Tisch. Über einen Lehrgang ließ sich die Wirtin diese Kunst beibringen.

Erika Weber, ein Kind der Region, hat die Fremde nie vermisst. Im Wiesental fand sie Freundschaft und Anerkennung, das war ihr genug. Große Reden gehörten nicht zu ihr, dafür ein kleiner Scherz mit aufmunternden Gesten und Worten, die Menschen lachen ließen und trösten konnten, wenn es Schmerz gab. Die Wirtin fühlte sich nie als Königin der Rothenburg, diesen Part überließ sie den Gästen.

Erika fehlt, ihr Platz an Theke und Küche bleibt leer. Viele Menschen werden beim Betreten des Gasthauses an sie denken und zu der Stelle blicken, von der aus die Wirtin mit ihrer Herzlichkeit grüßte und ihnen zum Abschied ein gutes Wort mitgab.