Die Mesnerin der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth ist unerwartet im Alter von 75 Jahren gestorben – sie war das Herz der Gemeinde.
„Du hoscht aber a nette Sekretärin!“ hatte Anton Bock oft von jenen gehört, die mit Anita Söhn zu tun hatten: Sie war die „gute Seele“ im Pfarrbüro der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth gewesen und hat fünf Pfarrer dort erlebt – den sechsten dann als Mesnerin der Bauhaus-Kirche am Lammerberg, die für sie ein zweites Zuhause war.
1948 geboren und aufgewachsen ist Anita Fecker, so ihr Mädchenname, in Bisingen, und hat dort nach der Schule eine kaufmännische Ausbildung absolviert, ehe sie „den schönen großen Mann mit der Pfeife“, Wolfgang Söhn, in Balingen beim Tanzen kennenlernte – im Frühjahr 1970 läuteten die Hochzeitsglocken, und von da an war Anita Söhn in Tailfingen zuhause, wo sie auch ihre Söhne Jens, Lars und Marc zur Welt brachte.
Zunächst bei der Firma Merz, war Anita Söhn in den Jahren, da ihre Kinder klein waren, in Heimarbeit tätig, arbeitete dann eine Weile für die Stadtbücherei und wechselte 1988 ins Pfarrbüro der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth, aus dem sie fortan nicht mehr wegzudenken war.
In ihrer Gemeinde hat sie weit mehr getan als ihre Pflicht
Denn mit kaufmännischer Gründlichkeit kümmerte sie sich nicht nur um die administrativen Belange der Kirchengemeinde, sondern mit ihrem großen Herzen auch um deren Mitglieder, war Seelsorgerin ohne Weihe – nicht selten auch für ihre Chefs, die Pfarrer, und vor allem für die Kinder und Jugendlichen. Sie engagierte sich in deren Vorbereitung auf Kommunion und Firmung, kümmerte sich um Ministranten und Sternsinger, war immer da und hatte für jeden ein offenes Ohr. Beim großen Kirchenbazar in der Zollernalbhalle packte sie ebenso tatkräftig mit an wie beim gemütlichen Seniorennachmittag im Pfarrsaal.
Sie hat mit ihrem Chef Karriere gemacht
Weil Pfarrer Anton Bock auch Dekan des katholischen Dekanats Balingen war, machte Anita Söhn quasi mit ihm Karriere, übernahm zusätzlich die Aufgaben der Dekanatssekretärin – und dachte nicht im Traum daran, sich zur Ruhe zusetzen, als sie 2019 den Stab im Pfarrbüro an Anna Hajok übergab. Zumal viele sie noch immer direkt anriefen, wenn sie eigentlich das Pfarrbüro brauchten.
Fortan übernahm Anita Söhn die Rolle der Mesnerin in St. Elisabeth – ein Amt, das ihr Mann Wolfgang 46 Jahre lang inne hatte und in dem sie ihn vertrat, seit er gesundheitlich angeschlagen war. Nach seinem Tod an Silvester 2021 trug Anita Söhn diese Verantwortung alleine und kümmerte sich überdies liebevoll um den Schmuck der Kirche, wobei sie gerne ihre gesamte Familie einspannte: Erst wenn der Weihnachtsbaum stand und von oben bis unten geschmückt war, durften Kinder und Enkel Feierabend machen.
Fünf Enkelkinder waren ihr ganzer Stolz – und Singen ihre große Freude
Für drei Enkelinnen und zwei Enkel war Anita Söhn eine liebevolle, kreative und kluge Oma – und besonders stolz, dass beide Enkel Ministranten wurden. „Außerdem hat sie ihr Leben lang gerne gesungen – schon als junges Mädchen im Kirchenchor“, erinnert sich ihr Sohn Marc, der – ebenso wie seine Brüder – in der Stadtkapelle Tailfingen musizierte: 38 Jahre lang war Anita Söhn dort Mitglied und wollte am Samstag deren Kirchenkonzert in der Pauluskirche besuchen, auf das sie sich so gefreut hatte. Es war ihr nicht mehr vergönnt: Eine Lungenembolie hat sie mitten aus dem Leben gerissen, nur knapp zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes. Dass sie mit ihm nun wieder vereint ist, ist für die Familie und die vielen Freunde von Anita Söhn der einzige Trost – die Nachricht von ihrem unerwarteten Tod hat viele förmlich geschockt.
Den Gottesdienst zur Beisetzung von Anita Söhn wird Anton Bock, inzwischen Dekan im Kreis Freudenstadt, zelebrieren. Er beginnt am Freitag, 24. November, um 13 Uhr in der Kirche St. Elisabeth. Anschließend wird Anita Söhn in Lautlingen, wo ihr Sohn Marc mit seiner Familie lebt, beigesetzt – an der Seite des „schönen großen Mannes“, den sie so liebte.