Veronika Kugele hat Schömberg über Jahrzehnte geprägt – in der Kommunalpolitik, im Ehrenamt und als Pionierin des Frauenfußballs. Nun ist sie im Alter von 78 Jahren gestorben.
Als ein Juwel des Ehrenamts, eine unglaublich engagierte und hilfsbereite Frau, die immer für ihre Überzeugungen eingestanden ist, bleibt ihm Veronika Kugele in Erinnerung. „Und gesellig war sie“, erinnert sich Schömbergs Bürgermeister Karl-Josef Sprenger an seine politische Wegbegleiterin. Eine unschätzbare Ratgeberin sei sie gewesen. Veronika Kugele wurde 78 Jahre alt. Sie starb Anfang April zu Hause, bei ihrer Familie.
Während ihrer 25-jährigen Tätigkeit im Gemeinderat prägte sie die Kommunalpolitik in Schömberg in besonderer Weise. In den Jahren 2009 bis 2014 war sie zudem als stellvertretende Bürgermeisterin tätig und übernahm in dieser Funktion Verantwortung für die Stadt.
Den Ausgleich gesucht
Kennengelernt hat der Rathauschef sie im Jahr 2005. Über viele Jahre hinweg setzte sich die Wahl-Schömbergerin für ein engeres Zusammenwachsen von Schömberg und Schörzingen ein. Ihr Engagement wurde in beiden Stadtteilen mit großer Anerkennung und Respekt wahrgenommen. Besonders am Herzen lagen ihr die Stärkung des Ehrenamts sowie soziale Themen auf kommunaler Ebene. „Kindergärten, Schulen, die Ausstattung der Sporthallen, alles im sozialen Bereich“, zählt Sprenger auf.
Sie sei auch eine Vorreiterin gewesen. Ihre Spuren hinterlässt sie auch im Sport. Nachdem der Deutsche Fußballbund 1970 das Verbot für Frauen im aktiven Spielbetrieb aufgehoben hatte, gehörte Veronika Kugele zu den ersten, die in der Region neue Wege gingen: Bereits 1971 gründete sie in Schörzingen die erste Frauenfußballmannschaft im damaligen Bezirk Rottweil/Schwarzwald. Damit gehörte sie zu den Pionierinnen des Frauenfußballs vor Ort.
Überdies übernahm sie Verantwortung im Verband und wurde die erste Bezirksjugendleiterin im Bezirk Zollern des Württembergischen Fußballverbands. Auch als Schiedsrichterin betrat sie Neuland: Als erste und über lange Zeit einzige Frau in dieser Funktion im Landkreis habe sie damit den Weg für Frauen geebnet, so Sprenger. Über ihre politischen und sportlichen Tätigkeiten hinaus war Veronika Kugele in vielfältiger Weise ehrenamtlich engagiert. So wirkte sie viele Jahre als ehrenamtliche Schöffin am Landgericht Hechingen und brachte sich zugleich über Jahrzehnte in das kirchliche und soziale Leben ihrer Gemeinde ein. Ihre christlich geprägten Überzeugungen seien dabei stets eine bedeutende Grundlage ihres Handelns gewesen, betont Sprenger.
Mehr als 36 Jahre im Kirchenchor
Besonders verbunden war sie der Kirchengemeinde, in der sie mehr als 36 Jahre im Kirchenchor sang und von 2014 bis 2017 auch dessen Vorsitz übernahm. Eine Herzensangelegenheit war für sie zudem die Seniorenarbeit, die sie von 1978 bis 2018 über vier Jahrzehnte hinweg leitete. Auch im sportlichen Bereich blieb sie aktiv und vielfältig eingebunden – sowohl organisatorisch als auch selbst sportlich, unter anderem im Tennis, und im Fußball sowie mit insgesamt 35 abgelegten Sportabzeichen.
Veronika Kugele habe für das Ehrenamt gelebt. In Abwandlung des Zitats von John F. Kennedy war ihr Leitspruch: „Frage nicht, was Deine Stadt für Dich tun kann, sondern frage, was Du für Deine Stadt tun kannst.“ Diesem Anspruch an sich selbst sei sie immer gerecht geworden, sagt der Bürgermeister. Ja, mehr als das. Mit Veronika Kugele verliert Schömberg ein Vorbild.
Dem Bürgermeister sind zahlreiche gemeinsame Erlebnisse mit Veronika Kugele in Erinnerung geblieben: etwa die Verleihung des Schömberger Bürgertalers im vergangenen Jahr sowie die Auszeichnung mit der Landesehrennadel. Das seien bewegende Momente mit ihr gewesen, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt bereits gesundheitlich angeschlagen war. Seit seinem Amtsantritt habe er sie in vielen Vereinen und Gremien erlebt, später auch im Gemeinderat und im Kreistag, wo beide über Jahre hinweg zusammengewirkt und häufig gemeinsam nach Balingen gefahren sind.
Prägend sei vor allem ihre Art gewesen, betont Sprenger: „Frau Kugele hat immer den Ausgleich und den Kompromiss gesucht.“ Diese Haltung habe ihre langjährige politische Arbeit ebenso bestimmt wie ihr Engagement in zahlreichen Vereinen. Für Sprenger bleibt vor allem die große Bandbreite ihres Engagements in Erinnerung – „das sind unzählige Dinge, die ich mit ihr verbinde“.