Ein weitsichtiger Vordenker und Vorbild für die jungen Lehrer ist Manfred Hohnerlein gewesen. Nun ist er im Alter von 85 Jahren gestorben.
1972 hatte er die Rossbergschule gegründet und war 32 Jahre deren Schulleiter. Am 14. Mai ist er nach langer schwerer Krankheit gestorben. Zusammen mit seiner Witwe Angelika erinnern sich seine früheren Kollegen an ihn.
„Für ihn war nicht nur Schule sondern immer auch ein gutes Klima wichtig“ erinnerte sich Kurt Zumbach, der seinen Chef sehr schätzte. Elisabeth Schmid rief die Gründerzeit wach, als Hohnerlein die umliegenden Schulen besuchte, und daraus die für ihn best Geeigneten rekrutierte. Unter seiner vorausschauenden Leitung erkannte er mit Eckehart Fabarius, Elisabeth Schmid, Udo und Margit Kinsler ein damals noch vernachlässigtes System der Sonderpädagogik. Vor allem in der Frühförderung gewährte er große Freiräume. Nach mühseligen Anfängen fand dieses Konzept seine Heimat auf dem Hohenberg, beschlossen vom Horber Gemeinderat. Eine solche Schule sei viel zu teuer für die Stadt, befand Hohnerlein und lenkte behutsam die Trägerschaft auf den Landkreis.
Ehemalige Pädagogen schwärmen vom Klima
„In der Schule müssen sich nicht nur die Kinder wohlfühlen, sondern auch die Lehrer und Eltern“ gab er als Maxime aus. Ehemalige Pädagogen schwärmen von dem wohligen Klima, derzeitige verweisen auf die Bewahrung seines Erbes. Niemand habe sich jemals wegbeworben, hob der jetzige Schulleiter Joachim Straub hervor, sein Bruder Peter Straub bringe mit morgendlichem Singen die typische Rossberschul-Stimmung in den Unterricht.
In die Trauerstimmung beim Pressegespräch mischten sich erheiternde Anekdoten um die legendäre Hilfsbereitschaft des Chefs, der bereitstand, anzupacken oder beruflich fördernd einzugreifen. Noch so ausgefallene Wünsche zur Stundengestaltung habe Hohnerlein ihnen erfüllt, auf pragmatischem Weg mit zwei gebrauchten Computern die neue Technologie zeitnah in seine Schule geholt.
„Er hatte einen Riecher für das optimal Machbare“ bewunderte ihn Peter Straub. Verständigungen während der Pause ersetzten Lehrerkonferenzen, wichtig blieb ihm der Respekt. „Auch nach schwierigen Sitzungen müssen wir uns alle noch gut in die Augen blicken können.“
Seine persönlichen Verbindungen reichten weit in die Familien des Kollegiums hinein, die den Ravioli-Anwender zum nicht nur kulinarischen Genießer ausbildeten. Die Beziehungen müssten zueinander passen, um Schule und Leben gelingen zu lassen. Bis heute hat sich sein Kriterium bewahrt, Frauen sollten guten Käsekuchen und Kartoffelsalat machen können, um als perfekt zu gelten.
Kaum verwunderlich, dass in diesem angenehmen Betriebsklima auch heute noch lange Beschäftigungen üblich sind. Joachim Straub weist bereits die Hälfte der 32 Jahre Rektorat des Gründers nach. Die Schulfeiern besuchen selbst im Ruhestand noch viele, die sich nach der „tollen Zeit“ noch eng verbunden fühlen. Schmid kommt gar noch jede Woche, um einige Kinder gezielt zu fördern. Sie denkt noch liebevoll an den Flug, mit dem ihr Chef ihre Tochter vom Keuchhusten heilte. Fliegen, Fischen, Jagen und Imkern gehörten zu den leidenschaftlich betriebenen Freizeitbeschäftigungen Hohnerleins.
Ohne Klage seine schwere Erkrankung ertragen
Acht Jahre habe ihr Mann ohne jegliche Klage seine schwere Erkrankung ertragen, gedachte Angelika Hohnerlein ihrem tapferen Mann. Selbst in seiner letzten Zeit habe er seine Familie geschont, harte Entscheidungen, wie ins Hospiz zu gehen, selber getroffen. Seine große Toleranz werde an der Rossbergschule Horb weiterleben.