Walter Daiber ist nach kurzer Krankheit im Alter von 83 Jahren gestorben. Mit ihm verliert seine Heimatstadt Albstadt einen umtriebigen Kulturmäzen, einen Unternehmer im Wortsinn, Vereinsmeier im besten Sinn – und einen ihrer charmantesten Bürger, der stets lieber geben als nehmen wollte.
Nach seinen Anrufen in der Redaktion konnte man die Uhr stellen: „Der Jahrgang 1941 – Ebingen! – trifft sich zum Stammtisch“, hat Walter Daiber allmonatlich vermeldet.
Er hätte auch eine E-Mail schicken können, aber so war er: Er wollte ein paar Worte wechseln, hören wie’s geht, ein Lob für den jüngsten Artikel loswerden – Walter Daiber war ein Gentleman alter Schule und einer der charmantesten Ebinger der jüngeren Geschichte.
Sein Lebensmotto:„Wer Liebe sät, wird Liebe ernten“
Dass er im Alter von 83 Jahren – nach einer Bauchoperation im Spätherbst hat er sich nicht mehr recht erholt – gestorben ist, trifft deshalb nicht nur seine Frau Margreth, seine Tochter Birgit und seine Enkelin Felicie ins Mark, sondern alle, die ihn kannten. Und darunter dürfte niemand sein, der Walter Daiber nicht mochte. Kein Wunder, bei solch einem Lebensmotto: „Wer Liebe sät, wird Liebe ernten“, pflegte er zu sagen – und handelte danach.
Zum Beispiel in seiner Versicherungsagentur in der Gartenstraße, die sein Urgroßvater 1912 gegründet hatte und in die Walter Daiber nach seiner kaufmännischen Lehre in den Jahren 1955 bis ’58 und einem zweijährigen Volontariat bei der Württembergischen Versicherung in Stuttgart 1960 eingestiegen war. 1971 wurde er als Nachfolger seines Vaters Chef, war aber auch seit der Übergabe an seine Tochter Birgit Daiber 2005 fast täglich dort als guter Geist des Hauses und des Teams – ein Foto der Mitarbeiter stand sogar an seinem Bett im Krankenhaus Sigmaringen, wo er am Montag verstorben ist.
Brunnenbauer und Retter der kleinen Kapelle
Sein Leben lang Ebinger, mit einem Bruder und den Eltern in der Schütte und später in der Gartenstraße aufgewachsen, war Walter Daiber in unzähligen Vereinen Mitglied, spielte Tennis und war Gründungsvorsitzender des Fördervereins Ebinger Heimatmuseum. Mit dessen Kurator Ernst Koch und der Autorin Notburg Geibel zusammen brachte er das „Brunnenbuch“ heraus und engagierte sich federführend im Arbeitskreis Stadtbrunnen, der ab 1985 aktiv war, 180 000 D-Mark gesammelt und sowohl den großen Stadtbrunnen unweit des Café Intermezzo als auch den etwas kleineren vor dem einstigen Gasthaus Traube errichtet hat.
Zusammen mit Ebinger Handwerkern habe er außerdem die kleine Friedhofskapelle am östlichen Ende des Gottesackers gerettet, erinnert sich seine Tochter – und auch daran, dass er buchstäblich die Dinge selbst in die Hand nahm, wenn es galt, Spenden zu sammeln: Bei einem Stadtfest habe ihr Vater Drehorgel gespielt.
Am wichtigsten aber war ihm seine Familie: Seine Frau Margreth hatte Walter Daiber im Café Müller kennengelernt, als er ihr – charmant wie er war – zu Hilfe eilte, nachdem jemand ein Getränk auf ihren Rock verschüttet hatte. Geheiratet hat er sie an seinem Geburtstag 1964: „Damit ich nie meinen Hochzeitstag vergesse und meine Frau immer den ersten Blumenstrauß des Tages bekommt“, wie er sagte.
Geben war ihm wichtiger als Nehmen
Wie ihm Geben überhaupt stets viel wichtiger war als etwas zu bekommen, und wenn es nur ein Lächeln, ein nettes Wort, eine herzliche Umarmung war: Walter Daiber hat jeden, den er traf, mit einem guten Gefühl zurückgelassen.
Das gilt nun für seine Familie und seine Firma, auf die er so stolz war, für seine vielen Freunde und für seinen Zwerg-Rauhaardackel Paulinchen, dessen Foto ihn – auf ein Kissen gedruckt – sogar ins Krankenhaus begleitete. Bis zuletzt wollte er dort außerdem bunte Farben um sich haben, berichtet seine Tochter. Bunt waren immer auch seine Pullover, so farbig wie seine Persönlichkeit. Einen wie Walter Daiber gibt es einfach kein zweites Mal.
Beigesetzt wird Walter Daiber am Samstag, 8. Februar, auf dem Friedhof Ebingen. Die Trauerfeier beginnt um 11 Uhr.