Else Schwenk-Anger hat sich für Waisenkinder in Rumänien eingesetzt. Nun ist sie kurz vor ihrem 90. Geburtstag verstorben.
Einen großen Schock hat Else Schwenk-Anger damals erlitten, 1991 beim Besuch eines Waisenhauses in einer rumänischen Kleinstadt.
Die Kinder lebten dort verwahrlost, ohne menschliche Zuwendung und unter unvorstellbaren Bedingungen. Sie setzte alles daran, diese Kinder dort herauszuholen.
Mit eigenen Finanzmitteln und Spenden kaufte sie zehn Familienhäuser für mehr als 100 Waisenkinder und übergab sie in die Obhut von Pflegeeltern. Als 1999 das Waisenhaus geschlossen wurde, hat sie weitere Projekte realisiert: Eine Schule, Arzt- und Zahnarztpraxen, ein Haus für aidskranke Kinder, eine Lernwerkstatt, Wasserpumpen oder ein Altenheim, um einige Beispiele zu nennen.
Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz
Schwenk-Anger ist Gründerin und Vorsitzende des Hilfsverein Kinderreigen, der sich für Waisenkinder in Rumänien engagiert. Als Vorsitzende des Gesamtprojekts „Kinder-Reigen/Hora Copiilor“ hat sie viel bewirkt, ist mit gutem Beispiel vorangegangen.
Für ihr Lebenswerk ist Schwenk-Anger 2016, im Alter von 80 Jahren, mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Landesminister Peter Friedrich hob damals in seiner Laudatio hervor: „Für Else Schwenk-Anger sind christliche Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Mitgefühl niemals bloße Lippenbekenntnisse, sondern eine Aufforderung zum Handeln.“
Dieser Nächstenliebe sei sie in ehrenamtlicher und liebevoller Weise gefolgt. Für ihr ehrenamtliches Wirken wurde ihr zudem 1995 die Verdienstmedaille des Landes Baden-Wüttermberg verliehen, ein Jahr später wurde sie zur Ehrenbürgerin der Stadt Lipova (Rumänien) ernannt.
Auch ein Herz für die Tierwelt
Es hätte nicht zu Else Schwenk-Anger gepasst, wenn sie im hohen Alter die Hände in den Schoß gelegt hätte. Dafür sah sie viel zu viel Elend und Ungerechtigkeiten auf der Welt. Auch das Wohl der Tiere war ihr enorm wichtig. Massentierhaltung und Tiertransporte setzten ihr besonders zu. Nicht ertragen konnte sie die Zerstörung der Natur. „Das kann man doch einfach nicht zulassen“, lautete ihre Devise.
Im Alter von 84 Jahren gründete sie 2020, beseelt vom Geist Albert Schweizers, den Verein „Respekt vor allem Leben – Menschen, Tiere, Natur“, mit dem sie für diese Themen wachrütteln wollte.
Hierfür eröffnete sie den Umwelt-Treffpunkt in Alpirsbach. Mit einer großen Mitmach-Aktion regte sie an Schulen und Kindergärten dazu an, aktiv etwas für Mitmenschen, Tier- und Naturschutz zu tun.
Mit ihren Büchern wollte sie Kinder glücklich machen
In den letzten Jahren bedauerte sie manchmal, dass sie durch ihre jahrzehntelangen ehrenamtlichen Aktivitäten für rumänische Waisenkinder keine weitere Kinderbücher mehr machen konnte, denn Ideen dazu hatte sie noch viele gehabt.
Ihr Herz drängte sie, selbst im Alter von 89 Jahren mit „Gari, der frohgemute Hirte“ noch einmal ein Bilderbuch zu machen. In die Fortsetzung ihrer Weihnachtsgeschichte „Eine wundersame Nacht“ war sie jeden Tag vertieft. Sie vollendete noch die Illustration und den Text.
Lebenswerk wurde verfilmt
Leider war es ihr nicht mehr vergönnt, ein druckfrisches Exemplar in Händen zu halten. Im Eigenverlag brachte sie zwölf Kinderbücher heraus, unter anderem „Der Rabe Tao“, der auf der Suche nach seinem Glück ist, „Eulalia“ und „Ulla“. Auch die Geschichte ihres eigenen Lebens hat sie zu Papier gebracht. Mit einem passenden Titel: „Muss sei“. Ihr Lebenswerk wurde verfilmt und ist im Deutschen Historischen Museum in Berlin dokumentiert.
Waisenkinder-Mutter und Kinderbuchautorin Else Schwenk-Anger wurde fast 90 Jahre alt.
Ein bewegtes Leben
Else Schwenk-Anger
wuchs mit fünf Geschwistern in Alpirsbach auf. Dort war ihr Vater, ein Obst- und Gemüsehändler, als ein „Alpirsbacher Original“ bekannt. 1964 heiratete sie mit Werner Schwenk einen Bauunternehmer und den späteren Bürgermeister von Ehlenbogen. Besonders wichtig in ihrem Leben waren ihr auch ihre Kinder Eva, Axel und Steffi, sowie die sechs Enkel Jascha, Sebastian, Lia, Mascha, Tim und Milo.