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Trauer Abschied von SPD-Vordenker Erhard Eppler

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In Schwäbisch Hall verabschiedeten sich auch zahlreiche politische Weggefährten von Erhard Eppler. Foto: dpa

Urgestein, Umweltschützer, Vordenker, Visionär - Erhard Eppler hat die SPD über Jahrzehnte geprägt und ist lange Zeit auch ihr Gewissen gewesen. Zum Abschied sind sich SPD-Größen einig: Er wird fehleZu Beginn würdigt die Dekanin nicht den Sozialdemokraten, nicht den Entwicklungsminister, nicht den Friedensaktivistin Erhard Eppler, sondern erstmal den Kirchgänger. Eppler sei fast jeden Sonntag gekommen, lobt Anne-Kathrin Kruse in der Stadtpfarrkirche St. Michael in Schwäbisch Hall am Donnerstag bei der Trauerfeier für den SPD-Politiker. Zuletzt habe Eppler immer an der Kanzel in der dritten Reihe gesessen, um besser zu hören. Auch dort habe er aber kaum was verstanden. "Gekommen ist er dennoch."

Es ist die Kirche, in der Eppler konfirmiert wurde und heiratete, damals im Jahr 1951. Nun steht sein hellbrauner Sarg vor dem Altar, drumherum sind weiße Kerzen angerichtet und bunt geschmückte Blumen und Kränze. Am Altar hängt ein Bild von Eppler mit Sonnenblumen im Vordergrund. Altkanzler Gerhard Schröder sitzt neben der kommissarischen SPD-Parteivorsitzenden Malu Dreyer ganz vorne auf der Kirchenbank, gegenüber die Familie Eppler. Nachdenkliche Blicke.

Eppler war ein Querkopf

Eppler starb am 19. Oktober im Alter von 92 Jahren in seiner Wahlheimat Schwäbisch Hall. Der in Ulm geborene Gymnasiallehrer kam 1956 zur SPD und übernahm dort im Laufe der Jahrzehnte eine Vielzahl an Ämtern und Funktionen. Er war Mitglied im Bundesvorstand und Landesvorsitzender in Baden-Württemberg, saß im Bundestag und später im Stuttgarter Landtag. Unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) wurde er 1968 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und blieb dies auch unter Kanzler Willy Brandt (SPD). Knapp sechs Jahre später legte er den Posten im Streit mit Brandts Nachfolger Helmut Schmidt (SPD) nieder. Eppler war Vorsitzender der SPD-Grundwertekommission, zweimal Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages und in der Friedensbewegung aktiv.

Und Eppler war ein Querkopf. Schon früh vertrat er Positionen im Bereich Umweltschutz und Ökologisierung oder in der Friedensbewegung, die heute eher von den Grünen eingenommen werden - und stand damit nicht selten im Widerspruch zur Parteilinie. Sein Verhältnis zu den Sozialdemokraten war lange Zeit von Spannungen geprägt.

Am Donnerstag drücken prominente SPD-Politiker in Schwäbisch Hall ihre Trauer aus, würdigen Epplers Lebensleistung. SPD-Parteichefin Dreyer sagt in ihrer Trauerrede, sie vermisse solche Persönlichkeiten mit einem klaren Kompass. Seine Weitsicht fehle bitterlich, etwa wenn es um die Verbindung von ökologischer und sozialer Frage gehe. Altkanzler Gerhard Schröder spricht von einem unverzichtbaren Ratgeber während seiner eigenen Kanzlerschaft, etwa beim Nein zum Irakkrieg. SPD-Landeschef Andreas Stoch sagt, Eppler habe Leitplanken gegeben, die weiter von Bedeutung seien, etwa das Wahrheiten nicht in Abstimmungen festgestellt werden.

Dekanin: "Politik war nicht nur seine Ämter – sie war sein Leben."

"Politik war nicht nur seine Ämter – sie war sein Leben", sagt Dekanin Kruse. Eppler habe einen siebten Sinn gehabt für anstehende Herausforderungen, sei ein Vordenker gewesen, ein Prophet. So habe er in den 70er Jahren schon gewarnt, wenn man nicht mehr für Afrika tue, gerate man unter einen Einwanderungsdruck, der Deutschland zu einem Polizeistaat machen könne. Eppler habe nicht selten Hohn und Spott geerntet - nicht nur vom politischen Gegner. "Wer zu früh kommt, den bestrafen die Parteifreunde", habe Eppler selbst gesagt.

Die Dekanin nimmt aber auch den Menschen Eppler in den Blick. Wie er mit einem Schlitten die 52 Kirchenstufen zum Marktplatz hinuntersauste. Wie Eppler sich durchsetzte, dass der Galgenberg, wo sein Elternhaus steht, zum Friedensberg umbenannt wird. Wie Helmut Schmidts Essenswunsch nach einem Steak den Vegetarier-Haushalt der Epplers in Bedrängnis brachte. Wie er sich noch in seinen letzten Tagen am dunkelgrün leuchtenden Brokkoli in seinem Garten erfreute. Eppler soll in den nächsten Tagen im Familienkreis beerdigt werden.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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