Der SC Freiburg hat die Europa League erreicht. Foto: Christian Charisius/dpa

Es ist fix. Nico Schlotterbeck und Janik Haberer verlassen den SC Freiburg, Matthias Ginter kommt hingegen zurück. Unabhängig von den Abgängen stellt sich die Frage, auf welchen Positionen die Breisgauer für das europäische Geschäft noch nachrüsten müssen. Ein Gedankenspiel. 

Das Saisonfinale in der Fußball-Bundesliga ist gespielt. Der SC Freiburg kommt auf dem sechsten Tabellenplatz ins Ziel und ist für die Europa League direkt qualifiziert. Auch wenn am Ende das Quäntchen Glück für die Champions League gefehlt hat, ist klar, dass der SC Freiburg eine herausragende Saison gespielt hat. Diese könnte nun mit dem Sieg im DFB-Pokalfinale am kommenden Samstag, 21. Mai gekrönt werden. Berlin mach dich bereit, die Fans des SC Freiburg kommen!

Ein Blick auf den Kader

Beim SC Freiburg verfolgt man seit jeher eine eigene Philosophie, was das Entwickeln von Spielern betrifft. Neben den Stammspielern bekommen auch immer wieder Talente aus dem eigenen Nachwuchs oder der zweiten Mannschaft eine Chance, sich in der Bundesliga auf aller höchstem Niveau zu beweisen. Dazu zählt Innenverteidiger-Talent Kiliann Sildillia. Der 20-jährige französische U20-Nationalspieler kommt bereits auf fünf Bundesligaeinsätze.

Rechtsverteidiger Hugo Siquet feierte gegen den FC Bayern sein Debüt in der höchsten deutschen Spielklasse. Der 19-Jährige ist belgischer U21-Nationalspieler und ist ein Versprechen für die Zukunft.

Auch Linksaußen Noah Weißhaupt konnte sich über die zweite Mannschaft empfehlen und bringt es bereits auf zehn Bundesligaspiele. Der 21-jährige Mittelfeldspieler Yannik Keitel hat sich bereits in der Bundesliga etabliert. In zwölf Bundesligapartien stand er auf dem Platz. Ähnlich ist es beim pfeilschnellen Kevin Schade. Der deutsche U21-Nationalspieler kommt bereits auf 21 Bundesligaspiele und vier Tore.

Auch in der kommenden Saison wird sicherlich das ein oder andere unbekannte Gesicht eine Chance vom Förderer Streich in der ersten Mannschaft bekommen. Die Zweite Mannschaft des SC spielt in der Dritten Liga eine solide Saison - mit 46 Punkten steht die Mannschaft im gesicherten Mittelfeld.

Frisches Blut für den SC

Für die kommende Saison wird sicherlich die Kaderbreite ausschlaggebend sein. In der aktuellen Spielzeit investierte der SC 9,5 Millionen Euro in neue Spieler - 5 Millionen in Mittelfeldspieler Maximilan Eggestein und 4,5 Millionen in Rechtsverteidiger Hugo Siquet. Auf der Einnahmenseite standen dem 14,55 Millionen Euro gegenüber. Rekordeinkauf Baptiste Santamaria (10 Milllionen Euro) ging für 14 Millionen Euro zu Stade Rennes. 

Gerüchteküche brodelt

Defensiv wie offensiv würde dem SCF neues Personal gut zu Gesicht stehen. Der Verkauf von Schlotterbeck spült wohl um die 20 Millionen Euro in die Kassen der Breisgauer. Jüngst sind neue Gerüchte aufgetaucht. Junior Dina Ebimbe trägt noch das Trikot von Paris St. Germain. Doch der 21-jährige Mittelfeldspieler sucht eine neue Heimat. Ob es Freiburg wird? Auch der Noch-Dortmunder Steffen Tigges ist ein interessanter Spieler. Mit seinen 23 Jahren bringt der Stürmer sehr viel mit und würde ziemlich gut ins Breisgau passen. Bundesliga-Absteiger Arminia Bielefeld verlassen wird wohl Alessandro Schöpf. Der 28-jährige kreative Mittelfeldspieler könnte eine wertvolle Kaderergänzung beim SC sein. 

Interessant ist auch der defensive Mittelfeldspieler Eric Martel. Der 19-Jährige steht bei mehreren Bundesligisten hoch im Kurs. Derzeit ist der Youngster von RB Leipzig an Austria Wien ausgeliehen. Nach dreieinhalb Jahren im RBL-Nachwuchs ließ Martel sich im Winter 2021 nach Wien ausleihen, um bei der Austria seine ersten Schritte im Profigeschäft zu gehen. Sein Plan ging voll auf, denn beim Traditionsklub ist der 19-Jährige zum Stammspieler gereift. 

Im Mittelfeld ist der meist genannte Name, der von Amadou Diawara. Der hoch veranlagte defensive Mittelfeldspieler war vor zwei Jahren für 21 Millionen Euro innerhalb der italienischen Liga vom SSC Neapel zur AS Rom gewechselt, konnte dort aber nicht überzeugen. Nun wäre eine Leihe mit Kauoption für die Freiburger denkbar. Ob da jedoch die Römer mitspielen, steht auf einem anderen Blatt.

Offensive im Fokus  

Besonders die Offensive dürfte jedoch im Fokus des Sommers stehen. Defensiv steht der SC gut - mit lediglich 37 Gegentoren stellt Freiburg die drittbeste Abwehr der Liga. Offensiv hinkt man hingegen der Top-Vier deutlich hinterher - bester Torschütze der Freiburger ist Vincenzo Grifo mit derzeit neun Toren. 

Unbezahlbar ist vermutlich der 21 Jahre alte US-Amerikaner Brenden Aaronson. Sein Marktwert liegt laut Transfermarkt.de bei 20 Millionen Euro. Der flexible offensive Mittelfeldspieler würde den Breisgauern jedoch gut zu Gesicht stehen. Wenn das Juwel des FC Salzburg jedoch wechselt, dann wohl zu einem größeren Verein.

Eine Alternative für die Offensive wäre sicherlich Gabriel Vidovic. Das Eigengewächs des FC Bayern München soll wohl ein Kandidat für eine Leihe sein. In der bayerischen Landeshauptstadt hält man große Stücke auf das torgefährliche Talent. In 28 Spielen in der Regionalliga Bayern hat Vidovic bereits 18 Treffer vorzuweisen. 

Ein möglicher Abgang

Ein weiterer Kandidat für einen Wechsel im Sommer ist neben Schlotterbeck und Haberer auch der Südkoreaner Woo-yeong Jeong. Der 22-Jährige wechselte 2019 von der Zweiten Mannschaft des FC Bayern nach Freiburg und entwickelte sich seitdem blendend. Erst kurz vor Weihnachten verlängerte Jeong seinen Vertrag bei den Breisgauern langfristig, doch laut übereinstimmenden Medienberichten verfügt der bayrische Verein im Sommer über eine Rückkaufklausel über knapp zehn Millionen Euro. 

Abenteuer Europa

Das Abenteuer Europa wird eine große Herausforderung für den SC. Ein Blick zurück: In der Saison 1994/95 führte Erfolgstrainer Volker Finke den SC zum ersten Mal nach Europa. Platz 3 in der Bundesliga – überragend. Doch in der Folgesaison kam der Klub mit der Doppelbelastung nicht zurecht, zudem verloren die Breisgau-Brasilianer 1.0 mit Rodolfo Cardoso ihr Herzstück. Mehr schlecht als recht wackelten sich die Breisgauer auf den elften Platz, im Jahr darauf standen Platz 17 und der Abstieg zu Buche.

Das nächste Abenteuer stand 2001/2002 bevor. Die Freiburger waren auf Platz 6 gelandet und scheiterten im Uefa-Pokal erst in der dritten Runde knapp am späteren Sieger Feyenoord Rotterdam. Die europäischen Zusatzschichten sorgten in der Bundesliga für einen Absturz, und wie beim Karlsruher SC 1997/98 stand am Ende der Uefa-Pokal-Saison der Abstieg.