Trägt Nick Woltemade auch in der kommenden Saison noch das Trikot des VfB Stuttgart? Foto: Sören Stache/dpa

Zwischen den VfB-Verantwortlichen und den Bayern-Bossen gibt es Gespräche, doch die Stuttgarter lehnen ein Treffen ab. Wie geht es nun in der Causa des Stürmers weiter?

Der Chef ist erst einmal unterwegs – auf Geschäftsreise in den USA. Jan-Christian Dreesen wird in Atlanta vor Ort sein, wenn der FC Bayern an diesem Samstag (18 Uhr/Sat 1) bei der Club-WM auf Paris Saint-Germain trifft. Das Viertelfinale will sich der Münchner Vorstandsvorsitzende nicht entgehen lassen, um sich ein Bild zu machen. Denn für den deutschen Rekordmeister geht es um einiges: Viel Geld, reichlich Reputation, und die Begegnung mit dem Champions-League-Sieger ist zudem eine sportliche Standortbestimmung. Der Partie wird mit Blick auf die Transferaktivitäten erhebliche Bedeutung beigemessen.

 

Welche Schwachstellen decken Europas Fußballkönige um den Trainer Luis Enrique bei den Bayern auf? Und reicht ein Nick Woltemade (23), um international anzugreifen? Der Stürmer des VfB Stuttgart steht noch immer ganz oben auf der bajuwarischen Einkaufsliste. Doch die Münchner scheinen auf ihrer wirr anmutenden Shoppingtour erneut in einer Sackgasse zu stecken. Es geht nicht vorwärts beim Wunschangreifer. Die Frage wird nun sein, ob Dreesen und Co. den Rückwärtsgang einlegen oder noch einmal Gas geben, um den Durchbruch zu erreichen.

Bisher gab es zwar Telefonate auf oberster Ebene zwischen Dreesen und dem VfB-Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle sowie zwischen den Sportchefs Fabian Wohlgemuth (VfB) und Max Eberl (FCB), aber zu Verhandlungen ist es nicht gekommen. Meldungen über einen verhängten „Verhandlungsstopp“ der Bayern, solange die Club-WM läuft, entbehren deshalb einer gewissen Grundlage. Die Gespräche dienten dazu, die Positionen und Stimmungen untereinander auszuloten und die Angelegenheit nach all dem Woltemade-Wirbel in den vergangenen Tagen wieder auf eine sachliche Ebene zu bringen.

Max Eberl vom FC Bayern München. Foto: Sven Hoppe/dpa

Wehrle lehnt im Augenblick jedoch ein Treffen ab, da kein Angebot vorliegt. Aus VfB-Sicht ergibt es keinen Sinn, sich mit den Bayern zusammenzusetzen, solange die Granden an der Säbener Straße in München keine konkreten Zahlen nennen. Denn nach wie vor gilt an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt: Woltemade steht nicht zum Verkauf. An dieser Haltung hat sich durch die Kontaktaufnahme des Südrivalen nichts geändert. Schließlich will der Pokalsieger dem Chefcoach Sebastian Hoeneß eine möglichst starke Mannschaft hinstellen, um sich zu stabilisieren und sich schon bald im oberen Tabellendrittel der Bundesliga zu etablieren.

Das ist die feste Absicht beim VfB – mit Woltemade, der noch über einen Vertrag bis 2028 verfügt, ohne Ausstiegsklausel. Daran lassen die Stuttgarter weiter keinen Zweifel. Die Bayern müssten also aus Verzweiflung schon etwas Verrücktes in puncto Ablösesumme anbieten, um Wehrle und Wohlgemuth überhaupt mal an den Verhandlungstisch zu bekommen.

Noch liegen die Vorstellungen diesbezüglich jedoch weit auseinander. Aus München ist zu hören, dass die Grenze für einen Woltemade-Wechsel bei 50 Millionen Euro liegen soll. Das entspricht wohl dem Budget, das der mächtig unter Druck stehende Eberl als Sportvorstand eigenständig verantworten kann. Alleine agieren darf er aber wohl nicht mehr. Dreesen passt auf. Aus Stuttgart ist erst einmal nichts zu hören. Wehrle und Wohlgemuth bewahren die Ruhe und haben sich seit dem Bekanntwerden des Bayern-Interesses in der Öffentlichkeit nicht zu möglichen Ablösesummen geäußert.

Intern wird aber natürlich darüber diskutiert, ab welcher Höhe der wirtschaftliche Aspekt den sportlichen übertrumpft. Von 100 Millionen Euro soll da die Rede gewesen sein, aber auch von 80 Millionen. Immense Summen, die allesamt über dem Marktwert liegen, der Woltemade nach einem überragenden Halbjahr zugeschrieben wird. Und Beträge, die dem VfB eine Rekordablöse einbringen würden. Vielleicht ergibt sich sogar eine Weltbestmarke im Preissteigerungsverhältnis, da Wohlgemuth den Ex-Bremer vor einem Jahr ablösefrei verpflichtet hatte.

Wann nun der Transferpoker in seine heiße Phase geht, bleibt jedoch abzuwarten. Die Bayern stehen bei Woltemade nach der Einigung mit dem Spieler zwar in der Verantwortung, aber noch halten alle ihre Karten bedeckt. Angeblich wollen die Münchner erst nach der Club-WM ein schriftliches Angebot unterbreiten, wie es in der „Bild“-Zeitung heißt. Das könnte dauern. In Stuttgart ist von diesem Zeitrahmen allerdings nichts bekannt. Nach Dreesens Rückkehr wollten die Parteien spätestens vorankommen. Zumal sich der VfB bestimmt nicht hinhalten lassen will – weil er ein gutes Blatt in der Hand hält und aus Gründen der Planungssicherheit.