Die Bedingungen, um den Mittelfeldspieler zu binden, sind praktisch erfüllt. Die 20 Millionen Euro sind gut investiertes Geld – aber wie verhält es sich mit einer Ausstiegsklausel?
Die Bilder, die zuletzt von Bilal El Khannouss aus einem Fußballstadion zu sehen waren, zeigen einen aufgebrachten Spieler. Der Marokkaner wollte ein Foul gegen sich gepfiffen haben. Bekam er aber nicht. Danach meckerte er so laut und so lange, bis ihm der Schiedsrichter Patrick Ittrich die Gelbe Karte unter die Nase hielt. Was verdeutlicht: der Techniker im Trikot des VfB Stuttgart ist ein emotionaler Typ.
Unmittelbar nach der Szene wurde El Khannouss gegen den VfL Wolfsburg (4:0) ausgewechselt, um den 21-Jährigen vor sich selbst zu schützen. Ein Spiel Sperre musste er beim 2:2 in Mainz dennoch absitzen, da es seine fünfte Verwarnung in der Bundesliga war. Jetzt brennt der Offensivakteur wieder auf einen Einsatz – in seinem Lieblingswettbewerb am Donnerstag (18.45 Uhr/RTL) gegen den FC Porto.
Fünf Tore hat El Khannouss bereits in der Europa League erzielt, dazu drei Tore und drei Vorlagen in der Liga sowie einen Assist im DFB-Pokal beigesteuert. Kein anderer Stuttgarter hat auf der internationalen Bühne eine bessere Statistik, was die Klasse des Mittelfeldspielers belegt. Und die nächste gute Nachricht lautet: der VfB hat sich die weiteren Dienste gesichert. Nach Informationen unserer Redaktion sind die Bedingungen für die Kaufpflicht praktisch erfüllt.
El Khannouss bringt es in der laufenden Saison bereits auf 30 Pflichtspiel-Einsätze für den VfB – und absteigen können die Stuttgarter auch nicht mehr. Somit wird aus dem Leihgeschäft mit Leicester City ein fixer Transfer. Jedenfalls in der internen Betrachtung. Etwa 17 Millionen Euro an Ablöse fließen nun an den englischen Zweitligisten, der zuvor drei Millionen Euro an Leihgebühr erhalten hatte.
Die in Summe 20 Millionen Euro sind gut investiertes Geld. Sportlich, da sich El Khannouss schnell zu einem Schlüsselspieler in der Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß entwickelt hat. Und wirtschaftlich, weil der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth gut verhandelt hat. Der Anschlussvertrag bis 2030 liegt bereits vor – ohne Ausstiegsklausel.
Das eröffnet Handlungsmöglichkeiten. Zudem ist der Marktwert des Talents in den vergangenen Monaten gestiegen. Auf 32 Millionen Euro wird El Khannouss auf dem Internetportal „transfermarkt.de“ aktuell taxiert. Tendenz steigend. Und eine WM-Teilnahme könnte den Preis zusätzlich nach oben treiben. Davon will der Pokalsieger profitieren. Zunächst auf dem Rasen, da dem Marokkaner mit den starken Anlagen noch reichlich Potenzial zugeschrieben wird.
Am Ball ist El Khannouss bereits ein Künstler, gegen den Ball ein Kämpfer. Im Vergleich mit seinem hoch eingeschätzten Vorgänger Enzo Millot (für 30 Millionen Euro zu Al-Ahli in Saudi-Arabien) fehlt dem Zehner in manchen Aktionen in der Offensive allerdings noch die Klarheit und Konsequenz, in der Defensive arbeitet er jedoch entschlossen und energisch mit.
Doch zu den Stärken zählt, dass El Khannouss sich nicht mit Hackentricks begnügt. Wenngleich er gelegentlich noch zu viele in sein Spiel einbaut. Er sucht den Abschluss und stößt in den gegnerischen Strafraum vor. Dort will er im Zusammenspiel mit Deniz Undav, Ermedin Demirovic und Angelo Stiller den Unterschied ausmachen.
Eine Lieblingsposition kennt El Khannouss allerdings nicht. „Wenn du gut sein willst, dann musst du flexibel sein“, erklärte er nach seinen zwei Toren bei Celtic Glasgow (4:1). „Wir wechseln sehr viel die Positionen. Mal spiele ich hinter Ermedin und Deniz, mal weiche ich auf die Flügel aus und manchmal stoße ich in die Spitze vor.“
Außer an Flexibilität mangelt es auch nicht an Ehrgeiz. Hoeneß schätzt diese Qualitäten und Charaktereigenschaften. Dennoch musste der Trainer zu Jahresbeginn wochenlang auf El Khannouss verzichten, da der Kreativspieler für sein Heimatland beim Afrika-Cup am Ball war. Vom Einwechselspieler zur Stammkraft stieg der Marokkaner während des Turniers auf, das ohne Happy End für die Gastgeber endete.
El Khannouss verlor im Nationaltrikot das Finale gegen den Senegal. Zurück blieben neben erfolgreichen Auftritten auch Tränen der Enttäuschung. Nach der Rückkehr an den Neckar benötigte er dann ein wenig Zeit, um die körperlichen und mentalen Strapazen hinter sich zu lassen. „Das war hart, aber ich habe versucht, den Schalter schnell umzulegen“, sagte er.
https://www.youtube.com/watch?v=bE3iK6kVAzgSieben Spiele bestritten die Marokkaner, wobei El Khannouss zunächst zweimal eingewechselt wurde und später viermal in der Startformation stand. Einen Treffer erzielte er nicht. Hoch belastet ist der VfB-Profi aber allemal. Da tut die unfreiwillige Pause womöglich gut. Denn gegen Porto sollen wieder Jubelbilder von El Khannouss zu sehen sein.