Lokführer und Trainfluencer Fatih im Regionalexpress Stuttgart-Freudenstadt. Foto: Fatih/Herr Loki

Mit Videos über die DB Regio in Freudenstadt erreicht ein „Trainfluencer“ tausende Klicks täglich. Seine Message: Hinter dem Beruf Lokführer steckt mehr als Verspätungen aushalten.

Fatih, der zum Privatschutz nur seinen Vornamen teilen möchte, unterhält mehr als 35 000 Menschen auf TikTok und mehr als 17 000 Menschen auf Instagram – und das mit Videos über seine Arbeit als Lokführer. Der so genannte Trainfluencer aus dem Kreis Freudenstadt teilt seine Arbeitstage mit Zugfans aus ganz Deutschland, um vor allem „dem negativen Trend der Deutschen Bahn gegenüber entgegenzuwirken“, sagt er.

 

Stattdessen möchte er zeigen, dass der Beruf Lokführer „cool“ ist, betont er. Wir haben mit dem gebürtigen Freudenstädter über seine Arbeit und die Resonanz in den Sozialen Medien gesprochen.

Ein üblicher Arbeitstag des 35-Jährigen startet meist mitten in der Nacht – noch vor drei Uhr. Ab dann werden nicht nur die Fahrgäste vom Freudenstädter Bahnhof aus gefahren. Auch die Abonnenten werden mitgenommen – in „Storys“, also Beiträgen, die für die darauffolgenden 24 Stunden sichtbar sind, oder in Posts auf dem Profil, die er in Pausen oder nach der Arbeit vorbereitet.

Von Freudenstadt durch die Region

Sein Ziel: Menschen in den Alltag eines Lokführers mitnehmen. Seine Videos tragen Titel wie „Wie bereitet man einen Zug vor Fahrtbeginn vor?“ über „die schönsten Strecken im Schwarzwald“ bis hin zu Erklärungen zum Nahverkehr der DB Regio. Damit gelinge es ihm, Menschen das oftmals eher negativ behaftete Bild der Deutschen Bahn zu nehmen und ein Verständnis für seine Arbeit zu schaffen.

Fatih erzählt, er fahre meistens die Streckenabschnitte von Freudenstadt aus in Richtung Karlsruhe oder Heilbronn. Einmal pro Woche ginge es nach Stuttgart und nach Rottweil. Langweilen könnten ihn die Strecken – obwohl er sie so oft fährt – nicht, meint der Lokführer.

Der 35-Jährige arbeitet seit 2012 als Lokführer der DB Regio in Freudenstadt. Foto: DB AG/Dominik Schleuter

Denn: Das Wetter gibt den Ton an und gestaltet die Arbeitstage mit. „Mal sieht der Sonnenaufgang ganz besonders aus, mal regnet es, mal ist es total windig – das Wetter hat so einen großen Einfluss auf meine Schicht und Wahrnehmung“, erklärt er. Gleiches gilt für die Passagiere. Ob beispielsweise Berufspendler, zu deren alltäglicher Routine die Fahrt mit der Bahn gehört, oder ältere Ehepaare, die mit dem Zug in den Urlaub fahren – Menschen an andere Orte zu bringen, mache den Beruf für ihn aus.

2009 ist der Freudenstädter nach Stuttgart gezogen, um seine Ausbildung zum Lokführer zu machen. 2012, nach Ende der Ausbildung, ging es für ihn zurück in seine Heimat – in den Kreis Freudenstadt – wo er seither täglich die Züge der DB Regio fährt.

Boom auf TikTok und Instagram

Sein erstes TikTok-Video postete er im Jahr 2021 an Weihnachten auf seinem Account „herrlokii“ – nach und nach sind mehr Menschen auf den passionierten Lokführer gestoßen, bis die Klick- und Abonnentenzahlen ins Fünfstellige wuchsen. Die Videos in den Sozialen Medien zu teilen, sei zunächst nur als Hobby gedacht gewesen.

Doch dann wurde sein Arbeitgeber, die Deutsche Bahn, auf die Accounts aufmerksam und boten ihm eine Kooperation an. Seither teilt er als Botschafter für die DB Regio täglich Zug-Beiträge, die tausendfach geklickt werden. Neben den Videos besucht er auch Messen, wie die „IAA Mobility“ in München, um die Deutsche Bahn zu repräsentieren.

Viele Passagiere, die auf Fatihs Strecken mitfahren, würden durch seine Accounts in den Sozialen Medien ein neues Interesse für Züge entwickeln, berichtet er. „,Das ist der nette Mann also, der hinter den Durchsagen steckt’, schreiben mir manchmal Leute. Das ist total schön“, meint Fatih.

Anfeindende Nachrichten

Aber nicht nur nette Kommentare erreichen den 35-Jährigen – sondern auch rassistische Nachrichten. Fatih ist in Freudenstadt geboren und hat türkische Wurzeln.

Ab und an würden ihn Nachrichten wie „Wann kommt denn der Zug nach Istanbul?“ auf Instagram oder TikTok erreichen – diese lasse er aber links liegen, meint er. „Die Arbeit ist zu schön, um sich an sowas aufzuhalten. Ich freue mich lieber darauf, in den Sonnenaufgang zu fahren.“