Kerstin Rast (links) bringt hier den 14-jährigen Langläufern der Skiverbände Baden-Württemberg einige Tricks näher. Foto: SV Agenbach

Große Freude in Neuweiler. Denn die vom SV Agenbach kommende Kerstin Rast wurde vom Deutschen Skiverband als beste Trainerin des Jahres im Bereich Langlauf ausgezeichnet. Jedes Kind soll die Möglichkeit haben, im Leistungssport anzukommen, lautet ihr Credo.

Der Deutsche Skiverband (DSV) vergibt jährlich die Auszeichnung "Trainerin des Jahres", die mit einem Preisgeld von 5000 EUR dotiert ist. In diesem Jahr kürte die DSV-Jury Kerstin Rast vom SV Agenbach als Trainerin des Jahres. Ausgezeichnet wird sie für ihr Engagement im allgemeinen Grundlagentraining und ihre Arbeit mit Sportlerinnen wie Coletta Rydzek und Sofie Krehl, die heute im Weltcup zu sehen sind.

Große Veranstaltung in Künzelsau

"Es kam sehr überraschend", erzählt Kerstin Rast "und ich hatte gar keine Zeit es zu realisieren. Ein paar Tage später war schon die große Abendveranstaltung im Carmen Würth Forum in Künzelsau, wo die Preisverleihung stattfand. Sehr aufregend und schick das alles, aber auch ein bisschen anonym." Wieder zuhause trudelten laut Pressemitteilung des SV Agenbach die ersten Glückwünsche ein, damit wurde die Auszeichnung dann doch greifbar. "Es war überwältigend, wie viele nette Worte oder Umarmungen ich bekommen habe. Sogar ein Blumenstrauß vom SV Agenbach wurde übergeben", freut sie sich. "Überhaupt", gibt sie zögerlich zu, "bedeuten mir die ganzen Glückwünsche und lieben Worte von meinen Kollegen und vielen ehrenamtlichen Trainern in den Vereinen schon viel. Das habe ich als echte Wertschätzung meiner Arbeit empfunden und schöpfe viel Motivation daraus. Das Preisgeld ist da Nebensache."

Die Auszeichnung nehme sie stellvertretend für ein Team aus vielen ehrenamtlichen Trainern entgegen, die einen "Wahnsinnseinsatz" zeigten und so vielen Kindern eine schöne Zeit im Sport ermöglichten, ist ihr wichtig zu betonen. Überhaupt hört man eine enorme Leidenschaft aus den Worten der Trainerin des Jahres heraus. Als kreativ und praxisnah beschreiben sie ihre Kollegen. Sie selbst bezeichnet sich eher als praktisch. "Meine Stärke ist, glaube ich, Ideen aus allen Bereichen in das Training zu integrieren. Beispielsweise konnte ich im Sommer bei einem internationalen Trainingslager in Norwegen dabei sein und habe einige Anregungen in der Trainingspraxis mit den Kids bereits umgesetzt."

Arbeit am Bundesstützpunkt

Die 35-Jährige bekommt die Auszeichnung auch für ihre Arbeit am Bundesstützpunkt in Oberdorf, wo sie nach dem Studium der Sportwissenschaften vier Jahre gearbeitet hat. Zuerst beim Allgäuer Skiverband, dann beim Bayerischen Skiverband betreute sie eine Trainingsgruppe am Skiinternat. Das war eine anstrengende Zeit voller Herausforderungen. "Teilweise hatte ich drei Trainingseinheiten pro Tag und war übers Jahr gesehen sehr viele Tage unterwegs. Aber ich habe extrem viel gelernt und hatte mit Peter Kösel einen Mentor, der mir auch ein bisschen Fingerspitzengefühl beigebracht hat. Einen Sportler tagtäglich im Training zu unterstützen und seine Entwicklung, nicht nur die sportliche, mit zu begleiten, das fasziniert mich nach wie vor."

Dass es einige ihrer ehemaligen Schützlinge bis in den Weltcup geschafft haben, freut sie natürlich besonders. "Aber auch die, die ihre Karriere vorher beendet haben, habe ich gerne unterstützt. Aus allen sind verantwortungsbewusste Erwachsene geworden. Ich hoffe, auch Werte außerhalb des Sports vermittelt zu haben."

Seit viereinhalb Jahren lebt Rast nun mit ihrer Familie wieder in Agenbach. "Das fühlt sich sehr gut an", verrät sie mit einem Lächeln und ergänzt: "Hier habe ich meine ersten Langlaufschritte gemacht und so machen es jetzt meine Kinder." Im SV Agenbach leitet sie die Kindersportgruppe im Alter von drei bis fünf Jahren und springt auch bei den Größeren im Vereinstraining ein, teilt der SVA weiter mit.

Beruflich einen Gang zurückgeschalten

Beruflich habe sie natürlich einen ganz großen Gang zurückschalten müssen, seit die Kinder da sind. Deshalb arbeitet sie momentan mit dem Altersbereich bis 15 Jahre für die Skiverbände Baden-Württemberg (SBW) als Landestrainerin und Nachwuchskoordinatorin. "Da sind die Reisetage mit Unterstützung meiner Familie noch machbar", berichtet Rast. Hier betreut die Agenbacherin die besten 14-jährigen Skilangläufer des Landes, leistet aber vor allem strukturelle und organisatorische Arbeit. Sie versucht ihr Knowhow an die Basis weiterzugeben. "Mein Ziel ist es, dass jedes Kind, das in einem baden-württembergischen Skiverein mit dem Langlauftraining beginnt, die Chance hat, es bis ganz nach oben zu schaffen."

Dazu gehört sehr viel Wissen und langfristiges Denken. Denn, wenn man in den ersten Trainingsjahren Inhalte verpasst oder günstige Lernzeitfenster nicht nutzt, wird es schwierig, das später aufzuholen. Und genau das möchte Rast allen, die mit den ganz jungen Skisportlern arbeiten, vermitteln.

Rahmenbedingungen schaffen

Sie weiß genau, dass nicht alle Kinder herausragende Talente sind und auch nicht jeder den Weg in Richtung Leistungssport einschlagen möchte – aber ihre Philosophie ist, dass jedem Kind die geeigneten Rahmenbedingungen dafür geboten werden, sodass es später die Möglichkeit hat, sich bewusst dafür zu entscheiden. Am allerwichtigsten sei ihr aber, dass alle Beteiligten Spaß dabei haben. "Und da meine ich sowohl die jungen Sportler als auch die Trainer", fügt sie abschließend hinzu.

"Für den SV Agenbach sowie die Region ist es ein Segen eine so engagierte, hervorragend ausgebildete und beliebte Trainerin zu haben", jubiliert der Verein am Ende seiner Mitteilung.