Luca Crudo (rechts) leidet mit der italienischen Nationalmannschaft und strebt mit der Eintracht Neukirch-Gütenbach den Klassenerhalt an. An Ostern ist er mit seinem Team zweimal im Einsatz. Foto: Holger Rohde

Luca Crudo ist leidenschaftlicher Tifoso und Bezirksliga-Trainer. Viel Zeit, der verpassten WM nachzutrauern, hat der Trainer der SG Neukirch-Gütenbach aber nicht.

Bezirksliga: Ostern ist in Italien eines der wichtigesten Feste des Jahres. Und der Fußball ist für die Kultur des Landes nicht minder bedeutsam. Luca Crudo, Trainer des Bezirksligisten SG Eintracht Neukirch-Gütenbach, erlebte eine harte Woche für sein Fußball-Herz und konzentriert sich dennoch auf den anstrengenden und stressigen Abstiegskampf mit der Eintracht. Er spricht über seine Gemütslage.

 

Hallo, Luca Crudo. Wie geht es ihrer italienischen Fan-Seele nach dem Fiasko in den WM-Play-offs am Dienstagabend?

Es ist bitter. Es schmerzt. Mir geht es echt nicht gut. Dreimal in Serie verlieren wir ein entscheidendes Spiel, qualifizieren uns nicht für die Weltmeisterschaft. Ich kann es gar nicht beschreiben, was dies mit dem italienischen Fußball macht.

Was sind ihre Erklärungen für das erneute Aus?

Ich habe mit meinem Vater jahrelang Länderspiele besucht, wir waren in Mailand oder Rom, sind wirklich fanatische Tifosi gewesen. Wenn man gegen Bosnien verliert, dann hat man es einfach nicht verdient. Da ist kein Schiedsrichter schuld. Die Nerven haben nicht gehalten, im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer, was anders oder besser gemacht hätte werden können.

Woran liegt es denn in puncto Spielern, wenn es seit Jahren nicht mehr für die Weltspitze reicht?

Das System in Italien ist kaputt. Da werden junge Spieler nicht mehr gefördert, kommen bei Juventus, Inter oder Milan und Rom nicht zum Einsatz. Sie werden nur in die zweite oder gar dritte Liga verliehen. Dort spielen 60 Mannschaften, das ist eine Katastrophe vom Niveau her. Die besten Talente gehen ins Ausland, da passt es dann mit den Heimischen nicht mehr in der Nationalmannschaft.

Nun von der großen Fußballwelt in den Amateurfußball zu Ihrem Club: Eintracht Neukirch-Gütenbach steckt im Abstiegskampf in der Bezirksliga. Bleiben Sie am Ende in der Klasse?

Das hoffe ich doch sehr. Wir werden alles dafür tun. Es wird eine schwere Rückrunde. 40 Punkte wären eine gute Basis, da wollen wir hin. Die Liga ist ausgeglichen, Woche für Woche gibt es Überraschungen. Da kann jeder jeden schlagen, weil die Mannschaften eng beisammen liegen.

Woran machen Sie es genau aus?

Wir haben viele Langzeitausfälle, müssen auf acht Leistungsträger verzichten die in der Kreisliga A beim Aufstieg den Unterschied ausmachten. Ich sehe einige spielerisch gute Teams wie der TuS Bonndorf, DJK Donaueschingen oder SV Geisingen, die da unten nichts verloren haben und sich normal retten müssten. Wir haben bei der Eintracht in den Vereinen eine gute Mentalität, da wird Fußball mit Leidenschaft gespielt. Beispielsweise hat die Schwarzwald-Union einen breiten Kader und mit Mario Ketterer einen sehr guten Trainer in Sachen Leidenschaft und Mentalität. In jedem Fall glaube ich, es wird erst am letzten Spieltag alles entschieden, je nachdem ob drei oder vier Mannschaften absteigen müssen.