Tore Aleksandersen, der Trainer von Allianz MTV Stuttgart, ist überzeugt, dass sein Team stark genug ist, um gegen den Dresdner SC den Titel zu holen. Wie er seine Volleyballerinnen auf den Showdown einstimmt, erzählt er im Interview.
Stuttgart - Die Entscheidung zwischen den Volleyballerinnen des Dresdner SC und von Allianz MTV Stuttgart fällt an diesem Samstag (14 Uhr/Sport 1) – definitiv. Wer das fünfte Duell der Finalserie in der sächsischen Landeshauptstadt gewinnt, bekommt die Meisterschale überreicht. Das Team von Trainer Tore Aleksandersen startet jedoch mit einem Handicap: Starangreiferin Krystal Rivers fällt ziemlich sicher erneut aus.
Herr Aleksandersen, kann Krystal Rivers im entscheidenden fünften Duell in Dresden wieder spielen?
Das ist sehr unwahrscheinlich, für mich aber auch nicht die entscheidende Frage.
Sondern?
Ich habe viele gute Spielerinnen, und wir fahren nach Dresden, um dort die Meisterschaft zu gewinnen. Egal, ob mit Krystal Rivers oder ohne sie.
Mit ihr wären die Chancen sicher größer.
Das stimmt, denn sie ist aus meiner Sicht die beste Diagonalangreiferin, die jemals in der Bundesliga gespielt hat. Aber sie lag in dieser Woche mit hohem Fieber im Krankenhaus. Krystal Rivers verfügt zwar über eine außergewöhnliche körperliche Konstitution, aber eine optimale Vorbereitung auf ein derart entscheidendes Spiel sieht natürlich völlig anders aus. Deshalb betone ich nochmals: Ich habe großes Vertrauen in mein Team, wir können es schaffen, die Schale zu holen. Sogar ohne Krystal Rivers und Mittelblockerin Juliet Lohuis, die uns ja schon die gesamte Finalserie fehlt.
Respekt vor dem Dresdner SC
Wann wussten Sie, dass Krystal Rivers für das vierte Spiel am Mittwoch ausfallen würde?
Am Tag vorher. Uns blieben nur wenige Stunden, um uns darauf einzustellen.
Trotzdem hätte Ihr Team die Titelverteidigung fast perfekt gemacht, am Ende aber glich der Dresdner SC im Tiebreak die Finalserie doch noch zum 2:2 aus. Wie bitter war das?
Extrem bitter, denn meine Mannschaft hat herausragend gekämpft. Aber wir haben auch gesehen: Kampf alleine reicht nicht. Dafür ist der Dresdner SC zu gut.
Sie waren nach der zweiten 2:3-Niederlage in Folge extrem enttäuscht, aber auch ein bisschen verärgert. Wieso?
Weil wir uns nach den Umstellungen beim Stand von 0:2 super in den dritten Satz reingespielt und den vierten Satz sogar klar beherrscht haben. Hätten wir im Tiebreak ein bisschen mehr Disziplin gezeigt und uns besser an unseren Matchplan gehalten, wären wir jetzt Meister.
Es kam anders.
Ja. Wir haben uns im Tiebreak vier Aufschlag- und vier Angriffsfehler geleistet, das waren mehr als die Hälfte der Punkte unseres Gegners. Der Dresdner SC war ja eigentlich schon weg, hat dann aber von unseren Fehlern gelebt. Wir haben unsere Stärken nicht mehr voll ausgenutzt, stattdessen katastrophal aufgeschlagen. Das war das Ärgerliche. Trotzdem will und kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Angesichts der Umstände war es ein herausragender Auftritt.
Der Plan für das entscheidende Spiel
Was stimmt Sie nun optimistisch?
Wir werden von Spiel zu Spiel reifer, und jetzt ist der Druck auf den Dresdner SC noch mal ein ganz anderer – erstmals in dieser Serie kann auch unser Gegner die Schale gewinnen. Es wird um Kleinigkeiten gehen, um Disziplin, um Energie. Ich bin ganz sicher, dass wir unsere Chance bekommen werden.
Wer wird statt Krystal Rivers auf der Diagonalposition spielen?
Das weiß ich noch nicht. Aber große taktische Umstellungen haben wir nicht vorbereiten können, dafür war die Zeit zu kurz.
Am Mittwoch lief es gut, nachdem Maria Segura Palléres auf die Diagonalposition gerückt war, auch weil dann in ihr, Libera Roosa Koskelo sowie Hester Jasper die beste Annahmeformation auf dem Feld stand.
Das stimmt, und ich kann Ihnen versichern, dass wir auch am Samstag wieder einen guten Plan haben werden.
Welchen?
Dresdens Trainer Alexander Waibl ist clever genug, um die Zeitung aus Stuttgart zu lesen. Deshalb kann ich nur sagen: Große Überraschungen wird es nicht mehr geben können.
Ihr Team führte in der Finalserie mit 2:0, dann hat sich das Momentum gedreht. Wie schwer sind die beiden folgenden 2:3-Niederlagen mental zu verkraften?
Es ist klar, dass vor allem das vierte Spiel enttäuschend gewesen ist, da haben wir den Dresdnerinnen den Sieg geschenkt. Als ich danach in die Kabine kam, war der Frust deutlich zu sehen. Aber ich habe auch das Feuer in den Augen der Spielerinnen erkannt. Sie sind heiß, und sie glauben an sich – nicht zuletzt, weil sie wissen, dass die Nummer eins der Bundesliga-Hauptrunde zwar mit voller Kapelle spielt, aber trotzdem riesen Probleme hat, uns zu schlagen. Diese Einstellung passt zu einer Regel, die es in allen meinen Mannschaften gibt.
Die 24-Stunden-Regel
Wie lautet diese?
Man darf bis zu 24 Stunden nach einem Spiel glücklich oder zufrieden, verärgert oder verbittert sein, aber keinesfalls länger. Der Sport hat nichts zu tun mit dem Schiffsbau, wo das Ergebnis manchmal erst nach eineinhalb Jahren zu sehen ist. Im Sport geht es immer um das nächste Training, das nächste Spiel, die nächste Woche – und um einen hundertprozentigen Fokus auf die Arbeit. Da gibt es keine Zeit für Enttäuschung, erst recht nicht in einem Play-off-Finale über fünf Spiele.
Wie wird die Serie ausgehen?
Das kann ich nicht sagen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir eine sehr gute Partie voller Energie und voller Emotionen zeigen werden. Und ich habe zu meinen Spielerinnen gesagt, dass die 24-Stunden-Regel egal ist, wenn sie den Titel holen. Dann dürfen sie auch drei Monate lang feiern.