Erste Profistation als Cheftrainer: Ex-VfB-Juniorencoach Tayfun Korkut Foto: Baumann

Tayfun Korkut, der neue Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten Hannover 96, ist selbst Experten kaum ein Begriff. In Stuttgart ist das anders. Beim VfB hat er einst Eindruck hinterlassen

Stuttgart - Kein Thomas Schaaf, kein Murat Yakin, kein Ricardo Moniz. Über den möglichen Nachfolger des entlassenen Mirko Slomka war viel spekuliert worden, am Ende waren alle gehandelten Namen Schall und Rauch. Dirk Dufner, Hannovers Sportdirektor, verfolgte seine eigenen Pläne. Dass dabei die Drähte nach Stuttgart glühten, liegt in der Natur der Sache.

Sein Wunschkandidat Tayfun Korkut (39) ist türkischstämmig, aber in Ruit geboren. 1994/95 war er ein furchtloser Abwehr- und Mittelfeldspieler bei den Stuttgarter Kickers. Zudem hat er von Juli bis Dezember 2011 die U 19 des VfB betreut, ehe er Co-Trainer der türkischen Nationalelf wurde (bis August 2013). Dufner, früher selbst auf der Geschäftsstelle des VfB angestellt, erkundigte sich in den vergangenen Tagen also intensiv bei Fredi Bobic und Jochen Schneider. Was er von den VfB-Sportdirektoren zu hören bekam, bestärkte ihn darin, Korkut bei dessen erster Profistation als Cheftrainer mit einem Vertrag bis 2016 auszustatten. „Tayfun ist ein sehr sympathischer Mensch und ein top ausgebildeter Trainer, der unsere Jugendphilosophie hervorragend umgesetzt hat“, sagt Schneider und bedauert: „Wir hätten ihn gern länger behalten, aber der Lockruf aus der Türkei war zu groß.“

Hannover könne er zur Verpflichtung des 42-maligen türkischen Nationalspielers nur gratulieren: „Er ist eine ganz exzellente Wahl.“ Die auch den VfB stolz macht: Korkut ist nach Thomas Tuchel (Mainz), Jens Keller (Schalke), Thomas Schneider (VfB) und Markus Gisdol (Hoffenheim) aktuell der fünfte Bundesligatrainer, der früher eine Jugendmannschaft des VfB betreut hat. Mit Gisdol, Schneider, Markus Weinzierl (Augsburg) und Ex-VfB-Profi Marc Kienle (Trainer von Wehen Wiesbaden) hat Korkut 2011 auch den Trainerschein erworben.

Dufner jedenfalls reibt sich die Hände: „Wir wollten einen jungen Trainer mit klaren Vorstellungen, der konzeptionell arbeiten kann. Korkut hat uns mit seiner Persönlichkeit und Vita voll überzeugt“, sagt er. Als Spieler hatte Korkut von der Klasse und Erfahrung großer Trainer profitiert: bei Fenerbahce Istanbul (1995–2000) von Carlos Alberto Parreira, dem Trainer der brasilianischen Weltmeister-Mannschaft von 1994. Bei Espanyol Barcelona (2003/04) von Javier Clemente, der 1983 und 1984 mit Athletic Bilbao spanischer Meister war und von 1992 bis 1998 die spanische Nationalelf betreut hatte. Und bei Besiktas Istanbul (2004/05) von Spaniens aktuellem Welt-und Europameister-Trainer Vicente del Bosque, 2000 und 2002 Champions-League-Gewinner mit Real Madrid. „Von allen hat er sich das Beste abgeschaut, er ist ein ausgebuffter Trainer“, sagt Schneider, der Korkut die Daumen drückt: „Glück braucht er natürlich auch.“

An diesem Freitag wird Korkut in Hannover vorgestellt, am Sonntag leitet er erstmals das Training. „Vor uns liegt eine anspruchsvolle, aber auch faszinierende Aufgabe, auf die ich mich sehr freue“, sagt der Mann, der fließend Deutsch, Türkisch, Englisch und Spanisch spricht. Seine oberste Aufgabe wird es sein, Hannovers eklatante Auswärtsschwäche zu beheben. Unter Slomka holte der aktuelle Tabellen-13. in der Hinrunde keinen einzigen Punkt in der Fremde.

Der Rückrundenstart wird gleich zum Härtetest: In den ersten vier Spielen muss Hannover dreimal auswärts ran, zu Hause kommen die Top Vier der Liga – Bayern, Leverkusen, Mönchengladbach und Dortmund. Danach wissen sie bei 96 ganz genau, was sie sich mit Tayfun Korkut eingehandelt haben – frischen Wind oder stürmische ­Zeiten.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: