Bisher hat es für den Trainer mit dem VfB bei Gastspielen in München nur Niederlagen gegeben. Gibt es diesmal Punkte für die Stuttgarter, die als klarer Außenseiter ins Rennen gehen?
Seit mehr als drei Jahren ist Sebastian Hoeneß nun bereits Trainer des VfB Stuttgart – und kann in dieser Zeit des steten Aufschwungs bald den Haken unter das dritte Erreichen des Europapokals in Serie machen. Eines allerdings ist dem 43-jährigen Erfolgscoach mit den Stuttgartern bislang nicht gelungen: Auch nur einen Punkt in seinen Gastspielen beim FC Bayern München zu holen. Bisher gab es für Sebastian Hoeneß in der Allianz-Arena nur Niederlagen.
Verliert der VfB an diesem Sonntag (17.30 Uhr) bei den Bayern erneut, dann könnte man wohl den Münchnern zur 35. nationalen Meisterschaft ihrer Vereinsgeschichte gratulieren. Es sei denn, Borussia Dortmund hätte zuvor seine Partie bei der TSG Hoffenheim gewonnen. Greift der FCB nach der ersten Meisterschaft unter Trainer Vincent Kompany, würde sich das Szenario aus dem Jahr 1997 wiederholen, als der VfB unter dem Trainer Jogi Löw nach einem 2:4 den Bayern um ihren Chefcoach Giovanni Trapattoni zum Gewinn der Schale gratulieren musste.
Erfreulicher Nebeneffekt damals: Genau zwei Wochen später wurde der VfB am 14. Juni 1997 durch einen 2:0-Finalerfolg gegen Energie Cottbus DFB-Pokalsieger. Auch diesmal sind die Stuttgarter wie auch die Münchner im Pokal noch dabei; während der VfB am Donnerstag kommender Woche den SC Freiburg empfängt, müssen die Bayern tags zuvor bei Bayer Leverkusen antreten.
Ob die Münchner daher zwischen ihren beiden wichtigen K.o.-Partien, dem 4:3-Sieg gegen Real Madrid und dem Pokal-Semifinale in Leverkusen, am Sonntag gegen den VfB mit einer B-Elf antreten, spielt für Hoeneß eine untergeordnete Rolle. „Das ist für unsere Herangehensweise nicht sonderlich relevant. Topspieler stehen beim Gegner so oder so in der Mannschaft.“
Trotz der 0:5-Niederlage vom Hinspiel will sich der VfB in München aber nicht verstecken. „Wir werden nicht mit einer komplett neuen Spielidee reingehen“, sagt Hoeneß, der auf seinen gelbgesperrten Toptorjäger Deniz Undav verzichten muss. Dafür sind alle anderen Spieler im in Summe 32 Profis umfassenden Kader fit.
Es wird also auch diesmal wieder prominente Akteure wie zuletzt den 15 Millionen Euro teuren Sommer-Neuzugang Badredine Bouanani geben, die es nicht mal in den Spieltagskader, sondern nur auf die Tribüne schaffen. Schließlich wird Hoeneß sein Spiel zwar etwas den Bedingungen anpassen – möglichweise mit dem flinken Tiago Tomas anstelle von Ermedin Demirovic ganz vorne –, doch grundsätzlich hält der Trainer nichts davon, „allzu viel zu ändern, wenn die Leistung der Mannschaft stimmt“.
Wer Undav ersetzen wird, das wollte Hoeneß nicht verraten. „Ich lasse mich da nicht locken.“ Die Herangehensweise ist für den Stuttgart Trainer dabei klar: „Du musst dir das Spielglück erarbeiten, ein Momentum kreieren – dafür brauchst du sehr viel Mut, Überzeugung und eine gewisse Leidensfähigkeit.“ Ehrfurcht sei derweil fehl am Platz.
Vielleicht gelingt es dem klaren Außenseiter letztlich doch, die Bilanz minimal aufzupolieren: In der Bundesliga hat der VfB von bisher 113 Spielen nur 19 gegen die Bayern gewonnen.