Knud Herr in seiner Zeit an der Linie bei der SG Hopfau/Lein­stetten Foto: Wagner

Obwohl Knud Herr bereits 56 Jahre alt ist, ist der Trainer der SG Vöhringen II nicht vom Fußball wegzubringen.

Kazuyoshi Miura gilt als ältester Fußballprofi aller Zeiten. Der Japaner ist fast 58 Jahre alt, und auch wenn „King Kazu“ derzeit nur in Japans vierten Liga spielt, ist er immer noch topfit. Miura ernährt sich der japanischen Küche gemäß sehr gesund und ausgewogen. Ob auch Knud Herr so viel Wert auf eine ausgewogene Ernährung legt? Der 56-jährige Spielertrainer widerspricht dieser Theorie: „Ich bin Raucher, und Sprudel ist nicht so mein Ding. Ich trink gern mal was Süßes und esse, auf was ich Lust habe. Ich fühle mich einfach gut.“

 

Der ewige Knud

Herr ist derzeit als Trainer der SG Vöhringen II aktiv und kann trotz seines Alters in der laufenden Spielzeit neben ein paar Kurzeinsätzen auch zwei durchgespielte Partien in der Kreisliga B vorweisen. In der Staffel B3 steht sein Team aktuell mit 17 Zählern auf dem vierten Tabellenrang. Herrs Vertrag läuft übrigens noch bis zum Sommer 2026.

Sechs jubelnde Brüder

Mit dem Fußballspielen begann der Industriemechaniker bei seiner heimischen Spielgemeinschaft Dürrenmettstetten. Für Herr war das Miteinander immer wichtig. Als zweitjüngstes von elf Kindern ist er es daher gewohnt, mit vielen Menschen zusammen zu sein: „Ein Einzelsport wie Tennis ist nichts für mich, da ich den Kontakt mit anderen brauche.“ Im Trikot der Spvgg Dürrenmettstetten schaffte Herr im Jahr 1990 mit fünf seiner Brüder den gemeinsamen Aufstieg in die Kreisliga A.

Nach seiner Zeit in seinem Heimatort wechselte Herr zunächst zur SG Mühlheim-Renfrizhausen und dann weiter zu den TSF Dornhan. In Dornhan spielte Herr seine persönlich stärkste Spielzeit, in der er als Innenverteidiger 14 Elfmeter verwandelte und auf insgesamt 18 Tore kam. Damit hatte der Defensivmann nicht nur einen wichtigen Anteil am damaligen Aufstieg in die Bezirksliga, er war auch eine wichtige Säule während Dornhans drei Erfolgen im Bezirkspokal.

Start beim SV Fischingen

Zahlreiche Stationen

Nach seiner Zeit in Böhringen verbrachte der Trainer noch zwei Jahre beim SV Rötenberg, ehe er seinen Job „schweren Herzens“ aufgeben musste, da sich die Rötenberger im Jahr 2014 mit dem FV Aichhalden zur SGM Aichhalden/Rötenberg fusionierten. Daraus ergab sich dann jedoch die Chance, dass Herr als Trainer beim damaligen SV Leinstetten anheuerte. Nachdem er zuvor vier Jahre lang kein Pflichtspiel bestritten hatte, kam Herr aufgrund mangelnder Erfahrung im Team mit 45 Jahren wieder zu seinem Spieler-Comeback.

Mit Herr in der Abwehr gelang den Leinstettenern prompt der Aufstieg in die Kreisliga A. Dort blieb Herr bis 2017, ehe er eine Pause einlegte und 2021 bei der SG Busenweiler-Römlinsdorf anheuerte. In Busenweiler blieb er aber nur für eine Spielzeit und wanderte weiter zur SG Hopfau/Leinstetten, welche mittlerweile aus der Fusionen von Herrs alter Liebe SV Leinstetten und dem SV Hopfau hervorgegangen war. Nach seiner Zeit in Hopfau wollte Herr eigentlich aufhören, doch dann kam im Frühjahr 2024 die Anfrage der SG Vöhringen II. „Ich wollte noch mal etwas machen, was mich sehr reizt, und meine Frau hat mich dazu ermutigt.“

Der Ärger über die Talente

So nimmt der SG-Coach seit seinem Vöhringer Einstieg im vergangenen Sommer auch weiterhin an „60 bis 70 Prozent“ des Mannschaftstrainings teil. In seinen mittlerweile über 40 Jahren im Fußball fiel Herr verletzungsbedingt nie länger als zwei Wochen aus. Mit einem Gewicht von 65 bis 70 Kilogramm ist er aber auch kein Schwergewicht, was seinen Gelenken und Knochen vor allem im Alter zugutekommen dürfte. „Im Training kann ich den jüngeren Spielern zeigen, was noch in hohem Alter geht. Damit will ich sie auch zu besseren Leistungen anstacheln“, gibt der gebürtige Dürrenmettstettener schmunzelnd zu.

Harter Arbeiter

Wohnhaft ist Herr seit rund 25 Jahren in Aistaig. Privat hält er sich mit regelmäßigem Joggen fit. „Ich gehe jede Woche ein- bis zweimal laufen. Das mache ich, um mich fit zu halten. Außerdem schadet es nicht, auch mal eine halbe Stunde nur für sich zu haben“, so Herr.

In seiner langen Trainerlaufbahn brachte ihn wenig aus der Fassung. Am meisten ärgert er sich über die zahlreichen vergeudeten Talente, welche er über all die Jahre miterlebt hatte: „Wovon ich überhaupt kein Fan bin, sind talentierte Spieler, die zu faul zum Trainieren sind. Ich war nie der Talentierteste, sondern eher der harte Arbeiter. Früher hätte ich viel dafür gegeben, so gut zu sein wie andere. Ich war technisch am Anfang nicht gut. Das hat sich dann später herauskristallisiert, dass die bessere Technik auch mit dem Alter kommt.“