Liam Rosenior ist neuer Trainer beim englischen Topclub FC Chelsea. Foto: Steve Welsh/PA Wire/dpa

Gary O’Neil ist ab sofort neuer Coach bei Racing Straßburg. Dass sein Vorgänger Liam Rosenior zum FC Chelsea wechselt, sorgt bei den Racing-Fans für Empörung.

Es war eine denkwürdige Pressekonferenz am Dreikönigsfeiertag in Straßburg. Denn noch bevor die offizielle Unterschrift unter seinem neuen Arbeitsvertrag gesetzt wurde, verkündete Liam Rosenior, dass er künftig Trainer beim Premier-League-Club FC Chelsea sei.

 

„Das unterscheidet sich von allem, was bisher gemacht wurde. Niemand hat jemals vor der Vertragsunterzeichnung eine Erklärung abgegeben“, sagte Rosenior – es war quasi seine letzte Amtshandlung als Trainer des französischen Erstligisten Racing Straßburg. Denn am Abend machten die Vereine den Wechsel offiziell. „Ich kann es kaum erwarten loszulegen“, wird Rosenior in der Mitteilung seines neuen Vereins zitiert.

Beim Club-Weltmeister aus London folgt er auf Enzo Maresca, von dem sich der FC Chelsea an Neujahr getrennt hatte. Für den Engländer Rosenior ist seine neue Aufgabe eine große Chance, es ist sein erster Job bei einem internationalen Spitzenverein. „Es gibt Clubs, denen du einfach nicht absagen kannst. Ich hoffe, die Straßburg-Fans können das verstehen und stolz darauf sein“, versuchte sich Rosenior an einer Erklärung für seinen Wechsel nach eineinhalb Jahren im Elsass.

Erfolgreiche Zeit bei Racing Straßburg

In seiner ersten Saison bei Racing hatte er den Verein direkt in die Conference League geführt – es war die erste Europapokal-Teilnahme seit 20 Jahren. Als Erster der Ligaphase stehen die Straßburger dort schon im Achtelfinale, zudem mischt man in der Ligue 1 auch in dieser Saison im Kampf um die Europokalplätze mit – auch wenn der Abstand auf Platz sechs schon sechs Punkte beträgt.

Racing-Fans kritisieren Beziehung zum FC Chelsea

Die sportliche Situation dürfte jedoch nur bedingt helfen, um die Stimmung der Fans rund um das Trainer-Beben zu besänftigen. Denn Racing Straßburg ist seit 2023 Teil von „BlueCo“, einer Investmentfirma von Todd Boehly aus den USA. Diesem Unternehmen gehört auch der FC Chelsea. Eine Gemengelage, die vor allem von der Racing-Ultra-Szene schon länger kritisiert wird. Dass sich der Partnerverein aus London nun mal ebenso, wenige Tage vor dem ersten Pflichtspiel des Jahres, den Erfolgscoach der Straßburger geschnappt hat, ließ die Fanszene daher am Dienstag nicht unkommentiert. Die Fanvereinigung Federation Supporters RCS bezeichnete Roseniors Wechsel als einen „weiteren, demütigenden Schritt in der Unterwerfung von Racing unter Chelsea“.

Den Fans geht es dabei nicht nur um den kurzfristigen Abgang des Coaches, sondern um mehr. „Es geht um die Zukunft des französischen Vereinsfußballs“, heißt es in dem Statement in dem der Rücktritt des Vereinspräsidenten Marc Keller gefordert wird. „Jede weitere Minute an der Spitze des Clubs ist eine Beleidigung für die großartige Arbeit, die vor 2023 geleistet wurde“, so die Fanvereinigung.

Ungeachtet dessen stellte der Racing-Präsident am Mittwoch bereits den Nachfolger des in seine Heimat gewechselten Roseniors vor. Der Engländer Gary O’Neil wird ab sofort neuer Trainer in Straßburg, soll bereits am Donnerstag sein erstes Training leiten und am Samstag beim Pokalspiel in Avranches auf der Bank sitzen.

Neuer Coach steht schon in den Startlöchern

„Ich bin stolz, diesem großartigen Verein beizutreten und kann es kaum erwarten, loszulegen“, wird der 42-Jährige in einer Mitteilung zitiert. Zuletzt war O’Neil mehr als ein Jahr ohne Verein, davor trainierte er von August 2023 bis Dezember 2024 die Wolverhampton Wanderers in der Premier League. Der Engländer sei ein „angesehener Trainer mit einem modernen Fußballverständnis, das perfekt zu unserem sportlichen Projekt passt“, lässt sich Präsident Keller in der Mitteilung zitieren.