Kristine Föhr und ihre Familie werden den Hotel und Gasthof „Zum Süßen Grund“ vermissen, aber nicht die Bürokratie, die immer mehr Zeit der Gastgeber auffrisst. Foto: Karina Eyrich

Wie geht es weiter im Hotel-Gasthof „Zum Süßen Grund“? Auf jeden Fall schwäbisch regional, sagt Kristine Föhr. Sie und ihr Mann Marcello hören nach 15 Jahren als Pächter allerdings auf. Vorher wollen sie aber mit allen (Stamm-)Gästen noch mal feiern.

Seit 2010 sind Kristine und Marcello Föhr die Hausherren im Hotel-Gasthof „Zum Süßen Grund“, und 15 Jahre sind doch eine lange Zeit – vor allem für junge Eltern: „Unsere Tochter hat viel zu wenig von uns, und das ist kein Dauerzustand“, sagt Kristine Föhr entschieden.

 

Deshalb haben sie und ihr Mann sich entschlossen, künftig angestellt zu arbeiten, um mehr Zeit für ihr Kind zu haben, das in seinem gewohnten Umfeld bleiben soll – daher zieht das Ehepaar nicht weg aus Albstadt, sondern nur nach Truchtelfingen um.

Wegen der Chance, das Drei-Sterne-Superior-Hotel mit zwölf Hotelzimmern zu führen, war das Ehepaar einst nach Albstadt gekommen: Die gebürtige Mainzerin Kristine Föhr aus dem Allgäu, wo sie aufgewachsen ist, und ihr Mann, der brasilianische Wurzeln hat, aus Ravensburg. Eine Zeit lang hatten beide sogar in Brasilien gelebt und gearbeitet.

„Unsere Tochter kennt hier jede Katze und jedes Pferd – das war eine tolle Zeit hier“

Der Süße Grund sei eine traumhafte Umgebung für Gastronomie und für Kinder – „unsere Tochter liebt den Hof mit all den Tieren, kennt jede Katze und jedes Pferd“, sagt Kristine Föhr. „Für diese tolle Zeit hier sind wir Familie Merkel“ – den Verpächtern – „ebenso dankbar wie für das wirklich gute Miteinander. Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“

Mit einem lachenden, weil mit der Familie Toth Nachfolger gefunden worden seien, die am 9. April das Restaurant und das Hotel wiedereröffnen. Mit einem weinenden, weil der Kontakt – vor allem zu den vielen treuen Stammgästen – den bisherigen Inhabern doch sehr fehlen wird.

„Elektriker und Kältetechniker sollte man auch noch gelernt haben“

Was ihnen gar nicht fehlen werde, ist: „Die Bürokratie!“ Was Gastronomen heutzutage jenseits von Küche und Gastraum noch leisten müssten, lässt Kristine Föhr nur noch den Kopf schütteln. Nicht nur während der Coronavirus-Pandemie, da „die Gäste manchmal bis zu drei Formulare ausfüllen mussten“, sondern auch davor und danach.

„Es gibt Gesetze, die einfach nur noch nerven“, betont sie. Hinzu komme die Kurzfristigkeit: Manche neuen Regeln würden gemeldet und müssten mit extrem kurzem Vorlauf umgesetzt werden.

Dabei ist das Ehepaar mit allen gastronomischen Wassern gewaschen: Kristine Föhr hat die Restaurantfachprüfung abgelegt und eine Kochausbildung. Ihr Mann hat im Bayerischen Hof in Lindau die Ausbildung zum Hotelfachmann absoviert und dann die Ausbildung zum Koch draufgesetzt. Außerdem waren sie ein halbes Jahr in Frankreich und einige Monate in Brasilien tätig, ehe sie sich 2010 selbstständig machten.

„Allerdings bräuchte man noch viel mehr Ausbildungen, um solch ein Haus zu führen“, sagt Kristine Föhr und zählt auf: „zum Elektriker, zum Schreiner, zum Kältetechniker“ – das Problem der Nicht-Verfügbarkeit von Handwerkern, wenn man sie eilig braucht, kennen viele. Nur: In der Hotelerie und Gastronomie kann es sich schnell zur Katastrophe auswachsen, wenn die Gefriertruhe nicht kühlt und die Spülmaschine nicht spült.

Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der seit Corona noch eklatanter sei: Hatte das Paar zu Spitzenzeiten 20 Mitarbeiter, sind es jetzt noch zwölf.

Sie alle freilich werden sich nochmal kräftig ins Zeug legen fürs Abschiedswochenende am 22. und 23. März, wenn Buffet für 18,50 Euro bereitsteht. „Gutscheine sind nur noch bis zum 23. März einlösbar“, betont Kristine Föhr. „Das Einlösen unseren Nachfolgern zu überlassen“, sei doch etwas zu kompliziert.