Das denkmalgeschützte Gasthaus Kanone hat seit August einen neuen Besitzer. Foto: Charlotte Reinhard

Die Anzeichen, dass das Haslacher Gasthaus einen asiatischen Betreiber erhält, verdichten sich.

Dass das Traditionsgasthaus Kanone in Haslach nach langem Hin und Her einen neuen Eigentümer hat, wurde im August dieses Jahres bekannt (wir haben berichtet). Der notarielle Vertrag zwischen der Immobilienfirma des Brauwerks Baden und dem neuen Inhaber wurde am 26. August geschlossen. Noch ist nicht offiziell bekannt, wann wieder und vor allem was künftig gekocht wird. Doch es gibt immer mehr Hinweise.

 

Das Gasthaus war vor zwei Jahren, im Oktober 2022, von Kai Duffner gepachtet worden. Die bisherigen Pächter, das Ehepaar Christa und Kurt Sütterlin, wollten übergangsweise im Betrieb bleiben und Duffner unterstützen. Doch nur wenige Monate, nachdem Duffner das Gasthaus übernommen hatte, gab es Streitigkeiten zwischen ihm, den Angestellten und den Sütterlins, die in einem Polizeieinsatz endeten. Das Brauwerk Baden als Besitzer des Gasthauses kündigte Duffner den Pachtvertrag auf, doch erst nach einer Räumungsklage gab er das Gebäude im September 2023 wieder frei. Es folgten Rechtsstreitigkeiten, bei denen es unter anderem um die Küche ging, die Duffner dem Ehepaar Sütterlin abgekauft hatte. Diese hatte Duffner bei der Räumung aus diesem Grund auch mitgenommen.

Während dieser langwierigen rechtlichen Auseinandersetzungen wurde die „Kanone“ freilich nicht betrieben. Und auch noch heute ist die Küche des Gasthauses kalt, was einen Leerstand von fast zwei Jahren bedeutet.

Bereits diesen Sommer, parallel zur Bekanntgabe des Verkaufs des Gasthauses, verbreitete sich im Städtle das Gerücht, dass in der „Kanone“ bald vietnamesisch gekocht werde.

Oliver Braun als Geschäftsführer des ehemaligen Eigentümers, dem Brauwerk Baden, wollte auf Anfrage unserer Redaktion damals keine Angaben zum neuen Eigentümer machen. „Aus datenschutzrechtlichen Gründen werden wir vor dem offiziellen Vollzug im Grundbuch keine Namen nennen“, erklärte er zu dem Zeitpunkt. Zu dem Gerücht über den neuen Betreiber nahm er keine Stellung.

Nun hat unsere Redaktion aus gut informierten Kreisen erfahren, dass in das Gasthaus Kanone tatsächlich ein vietnamesisches Restaurant einziehen soll. Der neue Betreiber, der in der Region kein Unbekannter sei, soll sich gegen zwei weitere Interessenten durchgesetzt haben. Oliver Braun dementierte am Freitag aus Nachfrage unserer Redaktion nicht, dass es bald vietnamesische Küche in der „Kanone“ geben werde. Er äußerte sich aber zu der Frage nach einem Grundbucheintrag des denkmalgeschützten Hauses. Demnach, so hieß es in der Vergangenheit, dürfe ein Wirt in der „Kanone“ nur deutsche Küche anbieten. „Es gibt keine derartige Regelung im Grundbuch“, widersprach nun Braun.

Was aber zumindest schon einmal festzustehen scheint: Die „Kanone“ wird die „Kanone bleiben. Der Name soll auch unter dem neuen Betreiber erhalten bleiben.

Geschichte des Gasthauses

Das Haslacher Gasthaus Kanone blickt auf eine lange Tradition zurück. 1807 erbaut, versahen die Gastwirte Rudolf Thoma und dessen Sohn Xaver Thoma das Haus in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit originellen Malereien. Durch die großformatigen Darstellungen, beispielsweise von Landschaften oder Haslacher Originalen, hat der Innenraum eine ganz besondere Atmosphäre. Heute steht es unter Denkmalschutz. Die Maler- und Wirtefamilie Thoma besaß das Gasthaus bis Ende der 1980er-Jahre. Drei Generationen Thoma waren Bierbrauer und Kunstmaler. Dem ersten Kanonenwirt und Erbauer des Hauses, Xaver Thoma, folgten Rudolf und wieder Xaver (Sohn von Rudolf).