Die Brot und Feinbäckerei Schorp kurz nach ihrer Gründung im Jahr 1924, im Vordergrund Katharina Schorp mit fünf ihrer sechs Kinder. Foto: Familie Schorp

Immer noch zentraler Bestandteil der Dögginger Infrastruktur, wird die Bäckerei Schorp familiär in vierter Generation geführt. Robert Schorp ist außerdem Brotsommelier und immer auf der Suche nach neuen Ideen.

Seit nunmehr 100 Jahren versorgt die Bäckerei Schorp die Region um Döggingen mit Brot. Mit der Übergabe an Robert und Martina Schorp ging der Betrieb vor drei Jahren in die vierte Generation. Alle diese Generationen waren immer auf der Höhe ihrer Zeit, trafen kluge unternehmerische Entscheidungen, gingen dabei auch Risiken ein.

 

Wenngleich das Brot immer im Vordergrund stand, entwickelte sich das in den 1950er-Jahren gebaute Café in den folgenden Jahrzehnten zum Zentrum des Dögginger Vereinslebens. Und obwohl das Café inzwischen Vergangenheit ist, bleibt die Bäckerei Schorp zentraler Bestandteil der örtlichen Infrastruktur.

Gründer Wilhelm Schorp mit Ehefrau Katharina, den Kindern Karl, Betra, Anna und Marie und einer Tante in den 1930er-Jahren. Foto: Familie Schorp

In der ehemaligen „Sonne“

Die Geschichte der Bäckerei begann 1924 in einem geschichtsträchtigen Haus, das sich gegenüber der heutigen Gaststätte „Kuhstall“ befindet. Nach verschiedenen Besitzerwechseln erwarb Johann Schorp die ehemalige Gaststätte Sonne Ende des 19. Jahrhunderts von dem bekannten Dögginger Portraitmaler Ignaz Weisser und vererbte sie später an seinen Sohn Karl. 1909 ging das Anwesen an den Gründer der Bäckerei, Wilhelm Schorp, über. Im rechten Teil des geräumigen Hauses richtete dieser die „Brot- und Feinbäckerei Schorp“ mit einem Verkaufsraum ein.

Wilhelm Schorp war kein gelernter Bäcker, deshalb arbeitete er zu Beginn mit Angestellten. Er selbst kümmerte sich um die Versorgung der umliegenden Dörfer: Unadingen, Bachheim oder Mundelfingen. Oft sei er mit seinem Gespann lange unterwegs gewesen und manchmal lag auch eine Einkehr auf dem Weg. Ab und zu sei er eingeschlafen, doch das treue Pferd habe immer den Heimweg gefunden, erzählt man sich in Döggingen.

Massiver Einschnitt 1968

1932 übernahm Sohn Robert als gelernter Bäcker das Geschäft. 1956 baute er am heutigen Platz eine neue Bäckerei auf die grüne Wiese, 1958 kam das Café dazu, das von 1965 bis 1972 auch dem FC Döggingen als Clubhaus diente. Die gute Seele im neuen Café war Roberts Frau Berta.

Ein schwerer Schicksalsschlag für die Familie war der frühe Tod von Robert Schorp im Jahr 1968. Er hinterließ fünf minderjährige Kinder. Berta Schorp führte die Bäckerei im Lohnbetrieb mit angestellten Gesellen weiter und kümmerte sich selbst um das Café.

Mit 19 Jahren schon der Chef

Für Herbert Schorp hieß dies, von der Schule in die Bäckerlehre. Bereits 1973 übernahm er mit 19 Jahren den Betrieb. 1974 legte er als einer der Jüngsten der Zunft die Meisterprüfung ab. Doch er schaute nach vorne. „Es war eine schwierige Zeit, am Anfang war ich nur am Bauen“, erzählt er. Erst wurden die Wohnung und die Backstube umgebaut, dann das Café vergrößert. Noch Jahrzehnte später lobt er die örtliche Bank, die dem jungen Unternehmer unglaubliches Vertrauen schenkte. Und es lohnte sich. Ins einzige Café in der Umgebung kamen die Gäste in Scharen. Auch Kellerbar und Biergarten waren gut frequentiert. Jeden Abend war ein Dögginger Verein zu Gast, sei es DRK, Männergesangsverein, Musik- oder Sportverein.

Café und Laden

Auch die modernisierte Bäckerei lief wirtschaftlicher, entsprach den Vorschriften, stand aber vom Umsatz im Hintergrund. „Als ich einstieg, stand das Café an erster Stelle“, blickt Herbert Schorps Frau Gisela zurück. Das wechselte dann mit der Zeit wieder. Es kamen wieder mehr Kunden aus den umliegenden Ortschaften, um Brot zu kaufen, während die Umsätze im Café zurückgingen.

Ein Teil des Teams der Bäckerei „Brothandwerk Schorp“ im Jubiläumsjahr (von links): Herbert Schorp, Priska Meyer, Maria Gaspar, Gisela Schorp, Robert Schorp, Tina Erndle, Eberhard Dettling, Martina Schorp und Petra Wölfle. Foto: Familie Schorp

Im Jahr 2021 übernahmen Robert und Martina Schorp den Betrieb. Das Café wurde verkleinert, im Sommer gibt es ein paar Tische im Freien zum Vespern. „Nachdem die B 31 nicht mehr durch das Dorf geht, hat die Nachfrage nachgelassen, wir wollten aber einen kleinen Teil als sozialen Treffpunkt erhalten“, so Robert Schorp. „In Zukunft konzentrieren wir uns wieder auf Brot und Backware.“ Im Zuge dessen wurden auch die Öffnungszeiten angepasst.

Aktuell zwölf Mitarbeiter

In Zukunft möchte sich der 40-Jährige voll der Bäckerei widmen. Der Betrieb hat aktuell zwölf Mitarbeiter, teilweise Minijobber. Vertrieben werden die Waren am Hauptstandort Döggingen, auf dem Wochenmarkt in Donaueschingen und samstags im Milchhäusle Mundelfingen. Auf Naturparkmärkten ist man ebenfalls präsent. Filialen soll es keine geben. „Wir wollen klein und fein bleiben und eine Top-Qualität bieten. Das ist unser Anspruch“, betont Robert Schorp.

100-Jahr-Brot in Arbeit

Auch regionale Rohstoffe sind ihm wichtig. Mit bekömmlicheren Broten durch längere Reifezeit könne man sich von Brotfabriken abheben. Der selbst gezüchtete Sauerteig wird gehegt und gepflegt. Neben Klassikern wie Bauernbrot, das schon der Opa gemacht hat, möchte Schorp neue Sorten anbieten. Passend zum Jubiläum ist ein 100-Jahr-Brot in Arbeit, das mit den 1924 zur Verfügung stehenden Mitteln gebacken werden soll.

Diplom von Johann Lafer erhalten

2020 hatte der Bäcker- und Konditormeister einen Spezialkurs als Brotsommelier in der Akademie des Bäckerhandwerks in Weinheim belegt und nahm nach einem Jahr als Lehrgangsbester das Diplom aus den Händen des Sternekochs Johann Lafer in Empfang.

Auch in Zukunft wird er Backkurse oder Brot-Verkostungen anbieten. „Es geht darum, dem Brot seinen Stellenwert zu geben, was es für ein tolles Genussmittel ist.“ Dabei geht er auch auf die Geschichte des Brothandwerks ein. Als einer von 125 Brotsommeliers in Deutschland wird Robert Schorp weiterhin regelmäßig im SWR-Fernsehen auftauchen, wo er den Sonntagskuchen backt. Er bleibt bescheiden: Für ihn stehe die Qualität im Vordergrund.

So wird gefeiert

Aktionen
15. Juni: „100 Jahre Schorp Brothandwerk in Döggingen": Buntes Programm für Jung und Alt ab 15.30 Uhr rund um die Bäckerei