Zum Neujahrstag haben Ortsvorsteher Jürgen Silberer und sein Stellvertreter Roland Mieth die Freiheitsglocke von Schuttern vom Dach der Ortsverwaltung erklingen lassen.
Was vom Dach des ehrwürdigen Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert erschallt ist eigentlich nur ein recht kleines und schlichtes Glöckchen. Der Ton erinnert eher an einen alarmierenden Glockenklang, als an einen salbungsvollen Klang wie er von den Kirchtürmen erklingt. Monoton bimmelt es nur einmal im Jahr, immer am Neujahrstag, um Punkt 13 Uhr in den Mittagshimmel. Dass es nicht an eine Kirchturmglocke erinnert, ist so gewollt. In früheren Jahren verhieß die Glocke eine Warnmeldung. Schutterns Ortsvorsteher Jürgen Silberer hat diese noch sehr junge Tradition liebend gern von seinem Amtsvorgänger Hans-Jürgen Kopf übernommen. Kaum ein anderes Glöckchen hat es zu solch einem wichtigen Amt reihum geschafft.
Der Wunsch nach Frieden und Menschlichkeit wird am Neujahrstag zum Symbol. Der frühere Ortsvorsteher von Schuttern Hans-Jürgen Kopf hat das Geläut in Corona-Zeiten wieder zum Klingen gebracht. Damit hat er die Schutterer am Rathaus wieder mehr zusammengebracht. Natürlich ist auch Kopf mit Ehefrau Daniela zum Neujahrsgruß für 2026 gekommen. „Es ist doch wunderbar, dass das Geläut beibehalten bleibt“, so Altortsvorsteher Kopf.
Viele Menschen sind auf den Rathausplatz gekommen um der Glocke zu lauschen
Für Silberer ist es eine Ehre mit der kurzen Tradition fortzufahren und diese weiterzupflegen. „In ihrer Aussagekraft nach Frieden und mehr Menschlichkeit müsste sie viel öfters läuten“, erklärte er gegenüber unserer Redaktion.
Viele Menschen, die gekommen sind, betonten reihum: „Mehr als Frieden und Gesundheit wollen und brauchen wir nicht.“ Oben auf dem Dachboden stellte Silberer humorvoll fest: „Irgendwie hat der Roland Mieth einen besseren Rhythmus.“ Und dabei gehört Silberer dem Musikverein an und spielt dort das Tenorhorn. Aber auch er findet dann seinen Rhythmus.
Die Geschichte der Glocke geht in das Jahr 1908 zurück. In früheren Jahren rief sie die Menschen bei Feuer und Gefahr zusammen. Als im Jahr 1940 in den Jahren des Zweiten Weltkriegs die Glocken auf dem Kirchturm der Mariä Himmelfahrt abgehängt und von der deutschen Rüstungsindustrie zu Waffen und Munition verarbeitet wurden, rief das kleine Glöckchen, damals für den Dienst in der Kirche geweiht, auch zum Gottesdienst die Menschen zusammen. Im Jahr 1954 erhielt die ehemalige Klosterkirche in Schuttern wieder ein neues Glockengeläut und das Glöckchen verfiel buchstäblich in einen Dornröschenschlaf. Es dürfte wohl auf dem Dachboden des Rathauses gelegen haben. Erst der frühere Bürgermeister Josef Blattmann hat sich an das ehemalige Glöckchen erinnert und dieses wieder zurück auf das Rathausdach in den Glockenstuhl geholt. Hier sollte es jedoch an die frühere Eigenständigkeit von Schuttern, nach der Gemeindereform von 1974 erinnern, als auch Schuttern dem Eingemeindungsvertrag zugestimmt hatte. Bis 1994 behielt sich Schuttern das Geläut zum Jahreswechsel vor.
Zu hören war sie unter anderem auch zur 1400-Jahrfeier
Im Jahreswechsel von 2002 auf 2003 war sie erstmals wieder zum Einläuten der 1400-Jahrfeier von Schuttern zu hören und verstummte danach wieder.
Im Jahr 2022 hat sie der damalige Ortsvorsteher Kopf mit seinem damaligen Stellvertreter Guido Leberl wieder in Schwung gebracht, um gemeinsam zu mehr Frieden, Solidarität und Zusammenhalt aufzurufen. Bis heute bleibt dieser Wunsch ungebrochen und wird auch weiterhin erklärter Wunsch der Menschen in Schuttern bleiben. „Mehr als Gesundheit, Frieden und Menschlichkeit brauchen wir nicht“, betonte Oskar Kopf gegenüber unserer Zeitung. Er war mit seinen 89 Jahren wohl der älteste Gast auf dem Rathausplatz.
Rathaus
Das Schutterner Rathaus beschreibt eine wechselvolle Geschichte. Ein erster Bau lässt sich in das Jahr 1804 datieren. Viele Umbau und Anbaumaßnahmen folgten. 1907 entwickelte sich das Rathaus zur heutigen stattlichen Größe. 1908 wurde das kleine Gebälk mit Rathausglocke auf dem Dach errichtet. Eine Außenrenovierung des Gebäudes war im Jahr 2007. Die Farbfassung war von der Denkmalpflege vorgegeben und wurde bei der jüngsten Renovierung im Jahr 2025 übernommen.