Die Trachtengruppe Trossingen hat die fast vergessene Tradition des Brisilleneierfärbens vor mehr als vier Jahrzehnten wieder aufleben lassen – mit durchschlagendem Erfolg.
Die Trachtengruppe Trossingen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Traditionen zu pflegen, wiederzubeleben und sie weiterzugeben. So auch das für Trossingen so charakteristische Färben der Brisilleneier in der Karwoche.
Hinter dem Brisillenei verbirgt sich eine uralte Trossinger Tradition, die aus der Not heraus geboren wurde. Die Trossinger Tracht war bis ins 20. Jahrhundert hinein die sogenannte „Hippe“, die mit der „Brisille“, dem Blauholz, schwarz gefärbt wurde. Da man in früheren Zeiten nicht reich begütert war, kam in der Vorosterzeit eine erfinderische Trossingerin auf die Idee, die Ostereier mit diesem Brisillensud zu färben und fand damit viele Nachahmer.
Die Vorfahren des heute 95-jährigen Hans Hohner, der seit vielen Jahren mit seiner Familie in Aldingen lebt, waren einige der letzten Trossinger, die diesen Brauch pflegten. „Bei uns wurden die Brisilleneier immer am Karfreitagmittag gefärbt“, erinnert er sich. Irgendwann sei diese Eierfärbemethode ganz in Vergessenheit geraten.
Besucher bewundern die Brisilleneier
Erst als im Jahr 1977 das Museum Auberlehaus, damals als Heimatmuseum Auberlehaus, eröffnet wurde, habe man sich an die alte Ostertradition wieder erinnert. Die ersten Brisilleneier, die damals gefärbt und gezeigt wurden, stießen bei den Besuchern auf große Bewunderung. Die Trachtengruppe hat diese Trossinger Tradition dann im großen Stil wieder aufleben lassen und die Mitglieder und Freunde treffen sich seither Jahr für Jahr am Dienstag vor Ostern in der großen Wohnküche von Hans und Ilse Hohner in Aldingen.
Frauen, Männer und bereits Kinder werden dann zu Meistern im „Brisilleneierwickeln“. So waren am Dienstag vier Generationen an einem großen Tisch, als Ältester, der es sich nicht nehmen ließ, aktiv dabei zu sein und die Eier zu wickeln, war mit 95 Jahren der Hausherr Hans Hohner mit dabei. Mehrere Kinder und Jugendliche sorgten an diesem Mittag unter Anleitung von Erwachsenen dafür, dass die Tradition des Brisilleneierfärbens nicht ausstirbt.
„Es ist unser Anliegen, solche Traditionen weiterzugeben“, betonte Hans Hohner. So wurden auch in diesem Jahr vom frühen Mittag bis in die Abendstunden hinein rund 500 Eier gefärbt. Eine Riesenarbeit, bei der auch der gesellige Teil mit vielen Erinnerungen und Anekdoten nicht zu kurz kommt.
Hans Hohner erinnert sich, dass er vor vielen Jahren, als Ostern sehr früh war und in der Region um Aldingen und Trossingen noch Winter war, bis nach Freiburg oder gar ins Elsass gefahren ist, um Blätter und Blüten für das Umwickeln der Eier zu holen. Am Dienstag vor Ostern gab es in den Gärten reichlich Material, von Buchholder über Leber- und Gänseblümchen, von Forsythienblüten bis zu Winterlingblättern.
Die Zwiebelschalen, die für das Färben ebenfalls benötigt werden, hat Ilse Hohner das ganze Jahr über in einem großen Korb gesammelt. Das Besondere an dieser Eierfärbetechnik: Kein Ei gleicht dem anderen, jedes Ei ist auf seine Art ein einmaliges Kunstwerk in schillernden, warmen Farbtönen von hellgelb bis tiefviolett.
Winzige, filigrane Verästelungen von Buchholder oder zarte Blütenblätter der Gänseblümchen haben ihren Abdruck auf der Eierschale in allen Farbnuancen hinterlassen – jedes Ei ein Unikat und eigentlich zu schade, um einfach an Ostern gegessen zu werden. Und tatsächlich gibt es viele Leute, die Brisilleneier aufbewahren und im nächsten Jahr als Oster-Deko-Eier benutzen.
Diese Trossinger Kostbarkeiten wurden als Dreier-Nestchen am Gründonnerstag auf dem Wochenmarkt verkauft. Die Trachtengruppe schmückt dafür Pommes-Schälchen mit echtem getrocknetem Moos und einigen getrockneten Blüten aus. Doch nicht nur in Trossingen sind die Eier begehrt. Christoph Hohner weiß, dass jemand vor Jahren einige Brisilleneier sogar bis nach Brasilien zu Verwandten geschickt hat. Somit hat sich der Kreis geschlossen, denn das Blauholz, genannt Brisille, stammt vom harten roten Kernholz des Blauholzbaumes, dessen Herkunft die tropischen Regionen von Mittel- und Südamerika sind. Wie jedes Jahr ist die Trachtengruppe Trossingen am Karsamstag zu Gast bei der Saisoneröffnung des Freilichtmuseums Neuhausen ob Eck. In der Stallscheune haben Besucher die Möglichkeit, unter Anleitung selbst Brisilleneier zu färben. 200 Eier stehen für das Mitmachevent zur Verfügung.
So werden Brisilleneier gemacht
Arbeitsschritte
Die rohen Eier werden mit Bucholder (Wiesenschaumkraut), Löwenzahn, Gänseblümchen, Badengele (Schlüsselblumen) und anderen Gräsern, Kräutern oder Blüten belegt. Umhüllt werden die Eier mit getrockneten Zwiebelschalen und mit Zeitungspapier, mit einem Wollfaden alles fest umwickelt. In einem großen alten Topf (der Topf bleibt innen schwarz gefärbt und kann für nichts anderes mehr verwendet werden) werden die Eier im Blauholzsud (Blauholz oder auch Brisille genannt, gibt es in der Apotheke) etwa 25 Minuten gekocht, danach vorsichtig ausgepackt – am besten geht das mit Einweghandschuhen und einer feinen Schere) und in kaltem Wasser abgeschreckt. Die noch warmen Eier werden eingefettet, damit sie in wunderbarem Glanz erstrahlen.