Um den Kindern in Schuttern eine Freude zu machen, legte Tobias Streit 170 Kilometer zurück. Gemeinsam wurde in der Grundschule gesungen und gefeiert. Bei Elter und Kindern kam die Aktion gut an. Foto: Bohnert-Seidel

Egal wie voll sein Terminkalender ist, für seine Nikolaus-Aktion in seiner Heimat Schuttern nimmt sich Tobias Streit jedes Jahr Zeit und fährt dafür 170 Kilometer. Bei den Kindern in der Schutterner Grundschule und ihren Eltern kam der Besuch gut an.

Mit seiner „Nikolaus-Kiste“, in der sich Mitra, Buch, Purpurmantel und weißes Unterkleid befinden, kommt Bischof Nikolaus, in der Person von Tobias Streit, seit 23 Jahren nach Schuttern – so auch dieses Jahr. Heute ist der 37-Jährige längst Pfarrer und steht der Katholischen Kirchengemeinde Neckar-Elsenz mit 10 000 Katholiken vor. Ab dem 1. Januar 2026 wird er leitender Pfarrer der neuen großen Kirchengemeinde Kraichgau sein.

 

Prall gefüllt ist sein Terminplan, aber für seine Familie, Freunde und die Schutterer gibt es zwei feste Jahrestermine, die er sich freischaufelt. Gegenüber der Lahrer Zeitung erklärte Streit: „Ich sage meinen Leuten ganz bewusst: Diese beiden Termine sind fest für Schuttern.“ So nimmt er die am Nachmittag gnadenlos überfüllte A 5 in Kauf und jagt die 170 Kilometer in einem Rutsch nach Schuttern – und später wieder zurück. „Morgen früh muss ich wieder am Schreibtisch sitzen“, erklärte er schulterzuckend im Gespräch. Kostbar und als Geschenk empfindet er die Momente, wenn er nach Hause, nach Schuttern kommt, wo seine Wurzeln sind.

Lachend holt er eine Capri-Sonne aus seiner „Nikolaus-Kiste“. „Ist das nicht lieb? Damit ich nicht unterwegs verdurste“, erklärte der 37-Jährige das Geschenk eines kleinen Kindes und gab seinen den Wortlaut wieder.

Im Alter von 14 Jahren ließ Streit sich vom damaligen Pfarrer Alexander Hafner für das Amt von Bischof Nikolaus begeistern. Eltern konnten den Nikolaus für ihre Kinder über das Pfarrbüro bestellen. Er besuchte Seniorennachmittage und Eltern mit Kindern zu Hause.

Ortsvorsteher ermöglicht Aktion in der Grundschule

Theologiestudium, Anstellungen in anderen Gemeinden kamen, doch immer blieb er Nikolaus. Der Kreis wurde immer größer, so dass auf dem Hof seines Elternhauses schließlich kein Platz mehr für mehr als 30 Kinder und noch viel mehr Eltern und Großeltern blieb. In Zeiten von Weihnachtsfeiern ist sowohl das Vereinshaus als auch das Foyer der Offohalle belegt. Ortsvorsteher Jürgen Silberer machte es deshalb gern möglich, dass ein Treffen mit dem Nikolaus im Flur der Grundschule möglich war.

Kindern und ihren Familien schenkte Tobias Streit so wieder eineinhalb Stunden mit Gesang und Gesprächen im Kreis von Bischof Nikolaus. „Wichtig ist mir diese frohe Botschaft von Gott, ganz unterschwellig näher zu bringen“, betonte er. Mit den Kindern sang er das Lied „Lasst uns strahlen in die Welt, gebt die Liebe weiter, die Gott uns schenkt.“ Ohne Auch die Eltern sangen mit.

Mit den bei der Aktion gesammelten Eindrücken und Erinnerungen machte der Nikolaus, verkörpert von Tobias Streit, sich anschließend wieder mit seinem Auto auf den Rückweg – die 170 Kilometer Richtung Neckar-Elsenz. Es sei wieder ein „ unvergesslicher Moment“ gewesen, betonte der 37-Jährige.

Seit 2016 im Einsatz

2016 feierte Tobias Streit seine Primiz in Schuttern. Danach war er Kaplan in der Seelsorgeeinheit Karlsruhe-Malsch. Bis 2019 war er Jugendseelsorger und Kaplan in Hockenheim. Von 2019 bis 2021 übernahm er das Amt als Jugendpfarrer und Rektor im „Haus der Jugend“ in Mannheim. Seit 2021 ist Pfarrer Streit Leiter der Seelsorgeeinheit Neckar-Elsenz. Ab 2026 wird er leitender Pfarrer der Großpfarrei Katholische Kirchengemeinde Kraichgau.