Die Schüler aus Tennenbronn hatten sich viele Gedanken gemacht und diese sehr kreativ umgesetzt. Foto: Baumgartner

Im Laufe der Geschichte habe sich Schramberg zu einem Zentrum für Krippenbau entwickelt, so Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr bei der Eröffnung der Krippenausstellung im Schloss.

Umso schöner sei es, dass 30 Schüler der Grundschule Tennenbronn diese Tradition mit der Sonderausstellung „Jesses Maria“ nun in die Zukunft führten, freute sie sich.

 

Historiker und Kulturwissenschaftler Carsten Kohlmann, Museumsleiter und Stadtarchivar in Schramberg, informierte die vielen Gäste im Schlossfoyer zu Gregor Moosmanns Lebensweg (1801 bis 1872) und zum Schramberger Krippenbau.

Der sogenannte „Hatschierle“ (Grenzwächter) hatte einen Teil seines einfachen Lebens in der nach ihm benannten „Moosmann-Höhle“ und später bis zu seinen Tod im Schramberger Armenhaus verbracht. Dort seien offenbar auch dessen einfache, teils bäuerliche Krippenfiguren auf dünnem Papier mit filigran und kunstfertig gezeichneten Details entstanden.

Im Rahmen einer Kooperation zwischen Schlossmuseum und Grundschule Tennenbronn nahm Kunstlehrerin, Grafikdesignerin und Illustratorin Kerstin Heinlein die historischen Moosmann-Vorlagen zum Impuls und ließ ihre Schüler davon inspirieren, moderne Krippen mit eben solche papiernen Figuren zu fertigen.

In Vorbereitungs- und Recherchezeit fragten die Schüler sich, wie sähe die Weihnachtsgeschichte wohl im heutigen Betlehem aus, wie in der heimatlichen Kulisse des Schwarzwalds und wie erleben Menschen diese künftig? Heinlein holte alle jungen Krippenkünstler vors Publikum und interviewte die Schüler zum Projekt. Die Kinder berichteten nicht nur von den technischen Schwierigkeiten, die sie bei der Umsetzung des Krippenbaus zu bewältigen hatten, sondern auch von ihrer Auseinandersetzung mit den selbstgewählten Krippen-Themen „Bethlehem“, „Schwarzwald“ und „Krippe 2500“.

Sie erfuhren von einem Bethlehem im Schatten des Gaza-Kriegs und stellten sich teils von Bomben zerstörte Häuser vor, flüchtende Menschen, einen mit arabischen Schriftzeichen gekennzeichneten Bunker als Zufluchtsstätte, aber auch ein alltägliches Leben in dieser Szene vor – was verblüffenderweise mit Themen der Weihnachtsgeschichte vergleichbar war.

Die „Schwarzwald-Krippe“ steht ganz im Zeichen in einer gelebten Heimat der Gegenwart: Touristen suchen via Handy nach dem Weg, Windräder zieren die Schwarzwaldhöhen, es gibt Schwarzwald-Kuckuckshäuschen ebenso wie Erntetraktoren und sogar Fasnetsfiguren zu sehen.

Mit viel Fantasie verlegten die Krippenbauer die Weihnachtsgeschichte mit einer „Krippe 2500“ sogar in eine ferne Zukunft und auf den Mars. Sie machten sich Gedanken, wie das Lebensumfeld des neugeborenen Christus im luftleerem Raum aussehen könnte. Auf jeden Fall war für die ideenreichen Erbauer auch eine Klopapier-Recyclingmaschine und ein Zusammenleben mit Aliens in ihren Ufos dringend notwendig dafür.

„Von Beginn des Projekts an, wurden wir von Begeisterung, Freude und Kreativität der Schülerinnen und Schüler getragen“, resümierte Heinlein. Sogar, als die Viertklässler nach dem Sommer auf die weitergehenden Schulen wechselten, seien sie immer wieder zusammengekommen, um das Projekt fertigzustellen, berichtete die Kunstlehrerin.

Die Ausstellungsbesucher ließen sich von der Leidenschaft jungen Krippenbauer für ihr Projekt mitreißen, genossen deren Erläuterungen an den Vitrinen und bewunderten den Detailreichtum der Papierfiguren und Szenen. Interessierte Blicke wanderten immer wieder zum Entstehungsfilm sowie zu drei Zeichnungen aus dem Leben des „Hatschierles“, die Heinlein für die Ausstellung illustrierte.

Weniger Trubel aber nicht minder interessant war die traditionelle Krippenausstellung, die der Arbeitskreis Krippen in Schramberg pflegt. In diesem Jahr konnten die ehrenamtlich Engagierten die Nachbildung der Weihnachtskrippe der Sankt-Maria-Kirche abschließen. Sie präsentierten eine vollständige Krippe mit noch im vergangenen Jahr fehlender, aufwendig geschnitzter Gloriole mit Engeln sowie mit Ochs und Esel in einer wunderbar beleuchten Atmosphäre.