Der Albverein Jungingen hat sich aufgelöst. Der Händedruck zwischen Bürgermeister Oliver Simmendinger (r.) und dem Vorsitzenden Heinrich Hofman symbolisiert Abschied. Mit im Bild: Franz Haiss, Robert Speidel, Horst Braun, Eberhard Schneider-Richter. Foto: Badura

Die Sektion im Killertal hat sich nach 151 Jahren aufgelöst. Der offizielle Akt verlief sachlich – zugleich bluteten Herzen.

Eine weitere Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins existiert nicht mehr. Die Sektion Jungingen/Hohenzollern hat sich nach ihrer letzten regulären Hauptversammlung aufgelöst.

 

Das kam nicht überraschend, der Schritt war länger angekündigt worden. „Wir haben versucht, es weiterzuführen“, sagte Vorsitzender Heinrich Hofmann, „aber es ging nicht, es war nicht zu machen.“

Das klang abgeklärt und kühl, doch im Herzen hat ihm der Schritt genauso wehgetan wie den anderen 18 Mitgliedern, die an der Versammlung im Gemeindesaal teilnahmen.​

Der Verein erlebte nach der Wiederbelegung im Jahr 1951 großartige Zeiten mit Sonnwendfeiern, Wanderungen, Ausflügen und der Beteiligung an kommunalen Festen; darunter zuletzt an der 950-Jahr-Feier Jungingens. Doch die Gruppe ist überaltert. Heinrich Hofmann – bewundernswert – führte annähernd 40 Jahre lang den Vorsitz. Doch man schaffte es nicht, die Jugend und neue Mitglieder zu gewinnen. Das ist kein Einzelschicksal. Viele Albvereine kranken an demselben Problem.

Bürgermeister Oliver Simmendinger pflichtete bei: Alles in der Ortsgruppe sei bestens geregelt, saubere Führung, erstklassiger Kassenbestand, auch Rückhalt in der Bevölkerung sei vorhanden. Eigentlich wäre es kein Problem für potenzielle Nachfolger, die Ämter zu übernehmen. Aber: Trotz aller Bemühungen war es nicht möglich, Nachwuchs zu finden und heranwachsende Generationen zu mobilisieren. „Ihr habt euch angestrengt, ihr könnt nichts dafür.“

Vereine zunehmend belastet

Es sei, sagte der Bürgermeister bereits bei anderer Gelegenheit, ein gesellschaftliches Problem, wenn sich immer weniger Menschen bereit erklären, Verantwortung in einem Verein zu übernehmen. Als Gründe dafür werden gesellschaftlicher Wandel benannt, außerdem das, was den Vereinen aufgebürdet werde: Haftung, Gebühren und Bürokratie.

5000 Euro spendete die Ortsgruppe Jungingen in einer vorangegangenen Versammlung der Altenbetreuung der Gemeinde Jungingen, 2000 weitere Euro gibt man in die Treuhand der Kommune. Der Betrag soll – wenn es sich realisiert – einem Nachfolgeverein als Aufbaukapital zur Verfügung stehen. Bezahlt wurden zudem aus der Vereinskasse die Mitgliedsbeiträge für 2026. Der Rest des Vermögens fließt an den Hauptverein in Stuttgart.

In der regulären Versammlung ging Schriftführer Robert Speidel auf die Wanderungen und eine Ausfahrt des vergangenen Jahres ein. 13 Mal war man mit einer Teilnehmerzahl von durchschnittlich 15 Personen in der Umgebung unterwegs. Die letzte Jahresausfahrt führte ins Appenzellerland.

Beschluss einstimmig

Es folgte, den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend, die Auflösungsversammlung. Dem Vorschlag des Gremiums, die Gruppe aufzulösen, stimmen alle Anwesenden zu.

Nachfolgend zeigte man Lichtbilder aus jüngerer Zeit. Da wurden Erinnerungen wach; an fröhliche Stunden, komische Begebenheiten und glanzvolle Anlässe. „Diese Erinnerungen nimmt euch keiner“, sagte Oliver Simmendinger. „Und sie werden im Gedächtnis Jungingens lange fortleben. Ihre Dokumente und Protokolle übergibt die Ortsgruppe dem Gemeindearchiv. „Dafür finden wir ein Plätzle“, versprach Simmendinger. Der historische Vereinswimpel soll im Dorfmuseum aufbewahrt werden

Die Obhut über die Ruhebänke des Vereins übernahm bereits die Kommune. Die Junginger Wanderwege? Sie fallen in die Zuständigkeit des Zentralvereins. Und die Verantwortung für die Schutzhütte auf dem Köhlberg? Sie gehöre rechtlich in die Obliegenheit der Gemeinde.

Hofmann betonte in dem Zusammenhang: Alles, was die Angehörigen der Ortsgruppe in vergangenen Jahrzehnten leisteten, Pflege, Bauten, Unterhalt, wurde nie von irgendjemand vergütet. „Es war alles ehrenamtliches Engagement.“