Viele laufen kostümiert mit. Foto: Skizunft Wildbad

Seit 100 Jahren hat Bad Wildbad eine ganz besondere Tradition: das Fassdaubenrennen. Zum Jubiläum soll die Veranstaltung auf jeden Fall stattfinden. Wenn es keinen Schnee hat, dann stürzen sich die wagemutigen "Fassdaubenritter" eben auf Gras ins Rennen.

Bad Wildbad - Vor 100 Jahren fand das Wildbader Fassdaubenrennen zum ersten Mal statt. Und auch wenn diese traditionelle Freiluftveranstaltung natürlich wetterabhängig ist und auch in den vergangenen Jahren immer mal wieder wegen Schneemangels – oder Corona – abgesagt werden musste, eines ist sicher: "Es findet auf jeden Fall statt!", sagt Marcus Eisele, der Vorsitzende der Skizunft Wildbad, die das Event seit vielen Jahren organisiert. Dieses Jahr am Samstag, 4. Februar.

Begonnen hat alles, soweit es die Verantwortlichen sagen können, 1923 – also genau vor 100 Jahren. Damals hob wohl der Kurverein das Fassdaubenrennen aus der Taufe. Damals wurde der Skisport immer populärer, war jedoch so teuer, dass sich das viele nicht leisten konnten. "Fässer gab es aber genug, auch alte", erzählt Barbara Hammann-Reister. Also schnallten sich die Kinder die Fassdauben unter die Füße und fuhren erstmal die Bätznerstraße hinunter. Als Preis bekam der schnellste "Fassdaubenritter", wie die wagemutigen Schüler genannt wurden, von einem Fabrikanten aus Pforzheim ein Paar Skier. "Das war relativ lange so, dass die Sieger Ski bekamen", so Hammann-Reister weiter. Irgendwann war das dann nicht nur der schnellste überhaupt, sondern jeder Jahrgangssieger.

Skizunft übernimmt Organisation

Mit der Zeit ging die Organisation auf den Wintersportverein und später dann auf die Skizunft über. Und die Beliebtheit des Events wuchs bis in die 1970er- und 1980er-Jahre ständig weiter, bis zu 300 Teilnehmer wagten sich auf die Piste. Und das, obwohl bis dahin nur Schüler mitmachen durften. Zunächst nur die aus Wildbad, allmählich wurde das dann ausgedehnt, erst auf Sprollenhaus, dann auf die Gesamtstadt. Auch bei den Zuschauern kam das Event gut an. Zwar fuhren keine Sonderzüge, aber am Tag des Rennens hängte die Bahn extra Anhänger an den Zug an, um die vielen Besucher aus Pforzheim nach Wildbad transportieren zu können.

Irgendwann aber nahm dann die Beliebtheit und damit auch die Teilnehmerzahlen ab. So entschloss man sich in den 1990er-Jahren dann dazu, die strengen Teilnahmeregeln etwas zu lockern und das Fassdaubenrennen auch für Erwachsene zu öffnen. Der Spaß stand dabei im Vordergrund und auch die Einführung eines Teamwettbewerbs sorgte dann wieder für steigende Teilnehmerzahlen. Ein Grund dafür war auch, dass die Strecke immer wieder angepasst wurde. Vor allem die Langlaufstrecke wurde immer kürzer. Früher fast einen Kilometer lang, hatten die starken Langläufer einen klaren Vorteil.

Zu wenig Fässer

Da die Zahlen wieder stiegen, gab es aber irgendwann ein Problem mit den Fassdauben. "Früher gab es in jedem Haus Fässer", so Hammann-Reister. Dies sei nun nicht mehr so, außerdem seien viele der Teilnehmer "Zugereiste", die eben weder Fässer noch Fassdauben daheim hatten. So legte die Wildbader Skizunft im Lauf der Jahre einen Fundus an und die Fassdauben können direkt am Renntag an der Skihütte auf dem Sommerberg ausgeliehen werden.

Auch wenn viele Helfer benötigt werden, ist Eisele zuversichtlich, das Fassdaubenrennen stemmen zu können. "Beim Rennen weiß jeder, was zu tun ist", sagt er. Zudem gebe es einen Orga-Plan und eine Whats-App-Gruppe mit fast 50 Helfern. Dennoch sei es ein "Riesenaufwand". Das beginnt im Vorfeld bei der Werbung oder dem Organisieren von Preisen. Zudem muss die Strecke gerichtet, Schanzen gebaut sowie Start und Ziel eingerichtet werden.

Bei Schneemangel greift Plan B

Im Jubiläumsjahr gibt es natürlich noch mehr zu tun. Denn eins ist klar: Das Rennen soll auf jeden Fall stattfinden. Und wenn es bis zum 4. Februar nicht schneit? Dann soll Plan B – oder C – greifen. Im Zweifelsfall soll nämlich auf Gras gelaufen und die Schotterstrecken dann entweder mit Hackschnitzeln oder Kunstrasenmatten abgedeckt werden. Und wenn es "Katzen hagelt"? "Dann drehen wir eben eine Runde durch das Zelt", sagt Eisele schmunzelnd.

Sicher ist auf jeden Fall, dass es ab 11 Uhr ein Weißwurstfrühstück gibt, zudem soll Klaus Mack, der CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere Bürgermeister Bad Wildbads, ein Grußwort sprechen, auch der aktuelle Schultes Marco Gauger ist angefragt. Danach gibt es eine kurze Präsentation zur Historie des Rennens. Gegen 14 Uhr erfolgt dann der Start. Danach soll dann auf jeden Fall noch weiter gefeiert werden.

Und wie geht es weiter? In den vergangenen drei Jahren fiel das Rennen coronabedingt aus, davor öfter wegen Schneemangels, in den 1990er-Jahren gar vier Mal hintereinander. Außerdem "fehlen dem Sommerberg einfach 300 Höhenmeter", so Hammann-Reister. Einen Umzug, etwa auf den Kaltenbronn, schließt Eisele aber aus. Steht das Fassdaubenrennen also auf der Kippe? Wohl nicht. "Das ist unsere wichtigste Traditionsveranstaltung. Wir haben nicht vor, es zu lassen", sagt Hammann-Reister entschieden. Es gehe darum, diese Tradition zu bewahren, denn "Kinder und auch Ältere freuen sich darauf".

Und immerhin: Hammann-Reister ist immer noch "zuversichtlich, dass wir a bissle Schnee kriegen". Ansonsten greift eben Plan B. Oder C.