Das fasnächtliche Treiben soll im Jahr 2026 nicht in der Lörracher Innenstadt stattfinden. Obergildenmeister Michael Lindemer hatte dies schon im Vorjahr als mögliches Szenario angeführt. Foto: Marco Fraune

Das Konzept „90 Jahre Narrengilde, das Festival“ soll an einem anderen Ort in Lörrach realisiert werden. Von einem „kleinen Weckruf“ ist die Rede.

Bei einer außerordentlichen Gildensitzung haben alle 44 Cliquen dem Aus für das fasnächtliche Treiben 2026 in der Lörracher Innenstadt zugestimmt. Dabei wurde nach Informationen unserer Redaktion die zentrale Veränderung einstimmig getroffen.

 

Im Rahmen der aktuell auf Hochtouren laufenden Planungen für das 90-jährige Bestehen der Narrengilde fanden auch schon erste Gespräche mit der Stadt Lörrach statt. Ein Elf-Punkte-Plan sei hierzu ausgearbeitet worden, der zum Beispiel Aspekte wie Haftung, Schirmherrschaft, Sicherheitskonzept, Terrorschutz und finanzielle Zuschüsse enthält. Unterm Strich sei herausgekommen, dass die Fasnacht in Lörrach nicht mehr zu stemmen und nicht mehr finanzierbar sei.

Das neue Konzept

Vielmehr setzen die Narren nun auf ein neues Konzept, das unter dem Namen „90 Jahre Narrengilde, das Festival“ umgesetzt werden soll. Statt in der Innenstadt will die Narrengilde auf dem Gelände der Regio-Messe in Haagen feiern. Die Rede ist von einem „Fasnachtsfestival“.

Drei große Partyzelte wird es demnach geben, wie sie schon von der Regio-Messe bekannt sind. Im Außenbereich seien Bühnen, Fahrgeschäfte und mehr vorgesehen. Statt durch die Innenstadt werden die Hemdglunki mit großem Guggenkorso auf dem dortigen Areal umherziehen. Für den Rosenmontag ist ein Ball am Abend sowie nachmittags für Kinder ein Ball mit der Tanzschule Neugebauer geplant.

Von außerhalb hätten sich bereits 900 Narren angemeldet – hinzu kommen die Lörracher Narren und weitere aus dem Umland. Gerechnet wird mit einer großen Party.

Umzug durch Brombach

Die in jedem Jahr besucherstärkste Veranstaltung bildet während der Fasnacht der große Umzug am Sonntag. Auch dieser soll nicht mehr in der Lörracher Innenstadt über die Bühne gehen. Vielmehr planen die Narren aktuell mit einem Umzug durch Brombach.

Gegenüber Mitgliedern versichern die Verantwortlichen um Obergildenmeister Michael Lindemer, dass das Konzept sehr gut ausgearbeitet sei – und finanziell als auch infrastrukturell sehr interessant. Alternativen wären laut einer Mitteilung an die Cliquenmitglieder Steinen und Weil am Rhein, was sicher nicht gewünscht werde. Lindemer war am Mittwoch telefonisch für unsere Redaktion für eine weitergehende Stellungnahme nicht erreichbar.

Das sagt die Stadt

Die Narrengilde will nun die Anträge bei der Stadt einreichen. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic, dass die Stadt die Entscheidung der Narrengilde bedaure, die Fasnachtsveranstaltungen im Jahr 2026 nicht in der Innenstadt auszurichten und aus organisatorischer Sicht in den äußeren Stadtbereich auszuweichen. „Unabhängig vom Veranstaltungsort sind jedoch auch dort umfangreiche Anforderungen an Sicherheit und Organisation zu berücksichtigen – insbesondere im Hinblick auf angrenzende Schutzgebiete (Trinkwasser).“ Hier liege die Zuständigkeit beim Landratsamt. „Die Stadt wird die Planungen der Narrengilde weiterhin konstruktiv und unterstützend begleiten – mit dem gemeinsamen Ziel, auch 2026 eine gelungene und fröhliche Fasnachtszeit für alle Beteiligten zu ermöglichen.“

Narrengilde-Chef Lindemer hatte die Innenstadt als Veranstaltungsort in einer internen Mail bereits vor der Fasnacht 2025 infrage gestellt – auch das Thema Schirmherrschaft des OB und die Haftungsfrage spielten dabei eine Rolle. Auf die Frage, ob künftig irgendwo auf der grünen Wiese gefeiert wird, hatte er erklärt: „Nach der Fasnacht müssen wir alles prüfen – auch in Anbetracht der Tatsache, dass der Gildenvorstand nur aus 15 Personen besteht, die alleine für die Veranstaltung eine Woche Urlaub nehmen, plus die lange Vorbereitungszeit.“ Die Gugge-Explosion in Lörrach hole viele Leute in die Stadt. „Es stellt sich aber die Frage, wie das alles künftig zu bewältigen ist.“

„Kleiner Weckruf“

Die Stadt könne nichts für Landesverordnungen, die umzusetzen sind. „Doch es gibt das Thema Geld, örtliche Voraussetzungen und die Man-Power.“ Hier sei er in erster Linie Vereinsvorsitzender und nicht Veranstalter. „Ich muss hören, was die Cliquen wollen. Denn auf deren Unterstützung sind wir für Ordner-Dienste und weitere vielfältige Dinge angewiesen.“ Die Cliquen haben in der Sitzung nun die Entscheidung zur Abkehr von der Innenstadt erklärt.

Die bisherige Fasnachts-Form sei nicht mehr machbar. Gleichzeitig hoffen die Narrencliquen auf einen „kleinen Weckruf“, da es sich auch um die größte Veranstaltung in der Stadt handle.