Klirrende Kälte, späte weiße Weihnacht und doch tausende Besucher: Der Kuhreihen zog wieder durch die Altstadt – ein Brauch, der seit 1765 Generationen verbindet.
Gefühlte klirrende Kälte, auf den letzten Drücker noch weiße Weihnacht, das gab es zuletzt 2010.
Wie tief der Klang der Kuhreihen-Melodie in der Stadt verwurzelt ist, zeige sich schon daran, dass der Brauch seit 1765 durchgehend ein fester Bestandteil des jahreszeitlichen Festkalenders ist, fasste OB Jürgen Roth zusammen.
Auch in diesem Jahr ließ sich niemand von Unwägbarkeiten verunsichern, und in guter vierstelliger Anzahl strömten die Besucher.
An verschiedenen Stationen wird Halt gemacht
Schon bei der ersten Station am Amtsgericht war es eine beachtliche Menge, die anschließend die Musikanten auf dem Prozessionsweg durch die Gassen der Altstadt zu den übrigen Stationen eskortierte. Dem Publikum gehören mittlerweile alle Generationen an und auch viel auswärtige Besucher. Der städtische Ordnungsdienst war präsent, konnte sich aber unauffällig im Hintergrund halten.
Bei den Zeremonien bei den Stadttoren waren Musik und Zuschauer angenehm auf Tuchfühlung und es war allenthalben Aufmerksamkeit.
Der Kuhreihen beginnt mit dem Engelchoral, gefolgt von der „Gnadenvollen Nacht“ und schließt nach der Hirtenmelodie mit dem Weihnachtslied „Stille Nacht“ ab. Die Hirtenmelodie ist die des so genannten Rietstrichs der Ackerbürgerstadt Villingen, und die noch einzige erhaltene Melodie.
Ein Selfie mit Herter
Ein schöner und besinnlicher Abschluss des Heiligen Abend am Christbaum auf dem Latschariplatz. OB Jürgen Roth bedankte sich bei den diensttuenden Musikanten für „Eure Musik, welche die Nacht mit Wärme und Halt erfüllt“. Ein schöner Brauch der gepflegt werden müsse, war von Musikdirektor Thomas Scheiflinger zu erfahren, der erstmals der Zeremonie stabführend vorstand.
Der junge Herter Serafin Lienhart blies die Kuhreihen-Melodie zum zweiten Mal souverän. Dem Wunsch nach einem Selfie mit Besuchern kam er anschließend gerne nach. Durchaus auch ein Zeichen, dass man als Musiker den Nerv seines Publikums getroffen hat.
Ob er ein Mikrofon für seine Grußworte benötige, wurde OB Jürgen Roth gefragt. Habe er noch nie gebraucht, verneinte er. Brauchte er auch nicht. An diesem Abend hat jeder jedem zugehört.
Während die meisten Besucher sich recht schnell wieder auf den Heimweg machten, nutzten andere die Gelegenheit, sich mit alten Bekannten zu treffen, vereinzelt auch Gruppen, die noch etwas zu einem kleinen Beisammensein verweilten. In der benachbarten Quartiersbezirken waren einzelne Gaststätten geöffnet, deren Besucher aber wohl parallel zum Kuhreihen-Geschehen gekommen waren und weniger von dort.