Zahlreiche Autozulieferer sind im Nordschwarzwald angesiedelt. Doch die Autoindustrie ist gegenwärtig in der Krise. Die WFG versucht dieser Entwicklung entgegenzuwirken.
Auf dem Arbeitsmarkt in der Region zeichnet sich eine dramatische Entwicklung ab. Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald (WFG), spricht vor dem Verwaltungs- und Wirtschaftsausschuss des Kreistags von einer „toxischen Gemengelage“.
Neben den geopolitischen Spannungen und den Unsicherheiten bei Energieversorgung und Lieferketten sind das Märkte und Technologien, die sich rasant ändern.
„Das wirkt wie ein Brandbeschleuniger“
Zusammen mit den noch gar nicht absehbaren Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz „wirkt das wie ein Brandbeschleuniger“, wie Landrat Helmut Riegger ergänzt.
Die Wirtschaft im Nordschwarzwald ist zudem stark abhängig von der Autoindustrie. Das verschärft die Lage. Riegger: „Vor zehn Jahren wurden in Baden-Württemberg noch fünf Millionen Autos hergestellt, heute sind es noch drei Millionen.“
China hat sich vom scheinbar unersättlichen Absatzmarkt in kürzester Zeit zu einem beinharten Konkurrenten entwickelt, das Geschäft in den USA wird durch eine erratische Zollpolitik massiv beeinträchtigt. Hinzu kommt der Wandel zur E-Mobilität.
Mit ihren zahlreichen Autozulieferern sieht Protzer die Wirtschaft der Region in einer „Spezialisierungsfalle“. Das zeigt die Kurzarbeiterquote von 2,1 Prozent gegenüber 0,5 Prozent im Bundesdurchschnitt. Zumal auch die Auslastung der Unternehmen in der Region auf 78 Prozent gesunken ist. Schon ein Unterschreiten der 90-Prozent-Marke ist laut Protzer Anlass zur Sorge.
Branche hat 30.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in der Region
Was also tun, zumal die Branche nahezu 30.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Nordschwarzwald zählt? Dem versucht die WFG seit vier Jahren mit dem Transformationsnetzwerk (TraFoNetz) entgegen zu wirken.
Dabei werden Unternehmen unterstützt, um neue Geschäftsfelder zu erschließen, Fachkräfte zu sichern und zu qualifizieren sowie Netzwerke zu schaffen, um Innovationen zu ermöglichen. TraFoNetz ist deutschlandweit eines der größten Projekte seiner Art und wird vom Bund gefördert. Und es soll 2027 und 2028 mit TraFoNetz 2.0 weitergehen, um sich noch stärker auf Zukunftsmärkte zu fokussieren, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stärker zu unterstützen sowie die Verzahnung von Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zu verstärken.
Die Projekte werden vom Bund gefördert. Insgesamt sind Mittel von rund 13 Millionen Euro für diese Arbeit zu erwarten.
Mit TraFoNetz gelte es, so Protzer, nicht nur den Kern zu stabilisieren. Viel mehr müssen, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, neue Geschäftsfelder in Zukunftstechnologien erschlossen werden.
Luftfahrt, Medizintechnik, Verteidigung und Umwelttechnik
Der WFG-Chef nennt Luftfahrt, Medizintechnik, Verteidigung und Umwelttechnik. Das gelte nicht nur für die Zulieferindustrie. Die KMU könnten ihre Exportquote steigern und ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung erhöhen. Bei all diesen Schritten möchte die WFG die Betriebe in der Region unterstützen.
Und Protzer zählt auch positive Entwicklungen auf. So sei die Beschäftigung in der Region in den vergangenen Jahren insgesamt gewachsen, die industrielle Basis ist nach wie vor leistungsfähig, die Unternehmen zeigen eine hohe Leistungsbereitschaft und es gibt eine lebendige Start-up-Szene.