Aufenthalte in der Türkei oder den USA können mittlerweile gefährlich sein. Wie sich die aktuelle Lage auf den Tourismus auswirkt, haben wir bei den Donaueschinger Reisebüros erfragt.
Spätestens seit das Auswärtige Amt im März seine Reisehinweise für die USA aktualisiert hat, sind neben den Reiseveranstaltern auch die Reisebüros alarmiert. Auch die politische Lage in der Türkei ist angespannt. Wir wollten wissen: Spüren die Donaueschinger Reisebüros das und haben sich die Reisewünsche der Donaueschinger verändert?
Türkei weiter ein beliebtes Reiseziel
Die Türkei zählt seit Jahren zu den beliebtesten Reisezielen deutscher Touristen. Doch nach der Inhaftierung des Oppositionspolitikers Ekrem Imamoğlu kommt es immer wieder zu Massenprotesten gegen die Regierung. Ein Ende ist nicht absehbar. Aber: Die begehrten Urlaubsziele an der türkischen Riviera, wie Antalya oder Side, sind bisher kaum betroffen. Dort war von den Unruhen bislang offenbar wenig zu spüren. Im Januar und Februar fuhren rund 330 000 Gäste aus Deutschland in die Türkei – ähnlich viele wie in den ersten beiden Monaten 2024. Das geht aus Daten des türkischen Ministeriums für Kultur und Tourismus hervor.
Türkische Riviera zieht Familien an
Das Donaueschinger Reisebüro Reisewelt hat keine merklichen Einbußen bei Türkei-Reisen zu vermelden, wie Büroleiterin Gabi Allaut berichtet: „Diejenigen, die mit Erdogan ein Problem haben, haben auch vorher keinen Urlaub dort gebucht.“ Insbesondere für Familien sei die türkische Riviera der perfekte Urlaubsort. Dies liege vor allem an den gut ausgestatteten Hotelanlagen und der professionellen Kinderbetreuung, so Allaut. Auch wenn der Urlaub in der Türkei teurer geworden sei, habe der Tourist viel von seinem Geld: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in der Türkei am besten.“
Esther Todt, Chefin des Donaueschinger Reisebüros Reiseland, stellt einen Rückgang der Nachfrage bei Türkei-Reisen fest: „Es ist eine gewisse Zurückhaltung spürbar.“ Allerdings könne diese sich erfahrungsgemäß schnell wieder legen, erklärt Todt. Vorwiegend bei gebuchten Reisen kämen vereinzelt Nachfragen nach der Sicherheitslage oder möglichen Stornierungsoptionen auf. Anders verhalte es sich bei den USA: Dort wurden jüngst drei Deutsche nach ihrer Einreise in Abschiebehaft genommen.
Touristenzahlen in Amerika brechen ein
Die Angst vor einer verweigerten Einreise steigt offenbar, die Touristenzahlen in Amerika brechen merklich ein. Nach ersten Daten der Einreisestatistik des US National Travel and Tourism Office (NTTO) für März kamen aus Westeuropa etwa 17 Prozent weniger Besucher als im Vorjahresmonat an. Aus Deutschland trafen mit rund 139 000 Ankünften 28 Prozent weniger Menschen an Flughäfen und Häfen ein.
Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen hat für ihre aktuelle Reiseanalyse erstmals erhoben, inwiefern die Bundesbürger die Wahl ihres Urlaubslands von der politischen Situation am Ziel abhängig machen. Während das Interesse an den USA-Reisen bei Todts Kunden stabil bleibt, bemerkt Allaut einen klaren Knick bei USA-Reisen: „Während Bidens Amtszeit gab es eine wahnsinnige Nachfrage. Gerade kurz vor der Wahl wollten alle noch mal in die Staaten.“ Vergleiche man die Zahlen mit den Vorjahreszeiträumen, sind die Zahlen merklich zurückgegangen. Statt in die Vereinigten Staaten wollen viele Donaueschinger nun lieber Kanada besuchen, wie Allaut berichtet: „Da haben wir einen regelrechten Boom. Kanada profitiert.“ Denn viele USA-Reisende satteln jetzt auf den nördlichen Nachbarstaat um.
Digitale Reisegenehmigung auf die Insel
Ob Städtetrip nach London oder Wanderurlaub in den schottischen Highlands – viele Menschen planen auch in diesem Jahr eine Reise nach Großbritannien. Für die Einreise reicht seit Anfang April aber nicht mehr nur der Reisepass. Urlauber brauchen jetzt zusätzlich die digitale Reisegenehmigung Electronic Travel Authorisation (ETA). Doch auch diese Hürde hält kaum jemanden von einer Reise nach Großbritannien ab, wie Todt bestätigt: „Bislang gibt es keine spürbare Zurückhaltung bei Buchungen.“
Reisebüros helfen
Zwar werde die neue Regelung thematisiert – wegen der zusätzlichen Kosten und des organisatorischen Aufwands, „doch scheint dies die Reisefreude der meisten nicht wesentlich zu beeinträchtigen – insbesondere bei Städtereisen nach London oder bei Reisen mit konkretem Anlass“, erklärt die Inhaberin des Reiselands in der Karlstraße. Die Krux an der neuen Einreisegenehmigung: Sie funktioniert nur mit einer App oder über das Internet. „Gerade ältere Menschen wissen nicht damit umzugehen und fragen dann bei uns im Reisebüro nach Hilfe. Hier unterstützen wir natürlich. Das ist der Mehrwert, den wir unseren Kunden bieten.“
Kritische Lagen
Reiserisiko Türkei
Seit der Festnahme und anschließenden Verhaftung des Istanbuler Oberbürgermeisters Ekrem Imamoğlu von der oppositionellen CHP kommt es immer wieder zu Demonstrationen und Protesten. Die Polizei geht teilweise mit Tränengas, Pfefferspray, Gummigeschossen und Wasserwerfern gegen die Menschen vor. Örtlich sind Straßen und Plätze abgesperrt. Das Auswärtige Amt rät Reisenden, Demonstrationen und größere Menschenansammlungen zu meiden.
Reiserisiko USA
Nach mehreren Festnahmen von Deutschen bei der Einreise warnt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite, dass Vorstrafen in den USA, falsche Angaben zum Aufenthaltszweck oder eine auch nur geringfügige Überschreitung der Aufenthaltsdauer zur Festnahme, Abschiebehaft und Abschiebung in den USA führen können. Drei Fälle sind bekannt, darunter zwei Deutsche.