44 braune Hinweisschilder auf touristische Höhepunkte stehen an den beiden Autobahnen in der Region Stuttgart. Die Freien Wähler in der Regionalversammlung halten die Kriterien für nicht nachvollziehbar.
Stuttgart - Es ist nicht überliefert, ob der Hinweis auf die Burg Teck bei Kirchheim im Kreis Esslingen oder jener auf die Löwensteiner Berge bei Pleidelsheim im Kreis Ludwigsburg zuerst stand. Beide wurden 1984 errichtet und waren damit die ersten braunen Motivtafeln für touristische Sehenswürdigkeiten in der Region Stuttgart.
Mittlerweile gibt es 44, die vorerst letzte wurde am Autobahndreieck Leonberg in Fahrtrichtung Karlsruhe aufgestellt und weist auf die „Keplerstadt Weil der Stadt“ hin. Die Regionalfraktion der Freien Wähler allerdings fragt sich, „welche Autobahnschilder tatsächlich notwendig sind und welchen Inhalt sie auch haben sollten“ und hat dies in einem Haushaltsantrag vom vergangenen Herbst schriftlich festgehalten. Sie forderte eine übergeordnete Planung aus der Feder der Tourismus-Experten von der Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus GmbH.
Anlass für den Antrag war das Tauziehen um die ersten Hinweisschilder für Stuttgart, wo man sich Jahrzehnte nicht für die Werbung an der Autobahn interessiert hatte. Nachdem unsere Zeitung 2012 berichtete, dass der damalige Wilhelma-Direktor Dieter Jauch mehrfach mit Anträgen für eine Tafel beim Regierungspräsidium Stuttgart gescheitert war, nahm sich Armin Dellnitz der Sache an. Der oberste Tourismuswerber Stuttgarts und auch der Region ersann acht Tafeln mit Stuttgarter Attraktionen. Doch Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) waren dies zu viele, er wollte nur vier. Letztlich sind es fünf Tafeln geworden, die auf Wilhelma, Schlossplatz, Mineralbäder, Mercedes-Benz-Museum sowie Porsche-Museum aufmerksam machen.
Am Mittwoch berichtete Dellnitz vor dem Wirtschaftsausschuss, dass er „viele“ der 179 Kommunen im Ballungsraum angeschrieben habe. Er habe „lediglich drei Bitten“ bekommen, sich bei der Genehmigungsbehörde um weitere Tafeln zu bemühen.
„Das größte Problem ist die Standortsuche“, sagte Dellnitz, „wenn man jetzt noch welche aufbauen will, muss man sich fragen, welche man dafür abbaut oder wie man sie ersetzt.“ Möglicherweise, indem man zwei Attraktionen auf einem Schild vereint.
Allerdings machte der Geschäftsführer auch deutlich, dass die Auflagen der Behörde „sehr , sehr hoch“ sind. Das sei der Grund dafür, dass die Botschaften auf den Schildern knapp und einfach ausfallen. Linken-Regionalrat Peter Rauscher wurde deutlicher: „Einige sind gestalterisch äußerst schlecht und ungenügend.“ Ein Beispiel, mit dem er nicht viel anfangen könne, sei das „Mineralbäder“-Schild an der A 8. Zumal keine Wegweiser mehr folgten, die ihn zum Ziel führen könnten.
Die anderen Sprecher nannten keine Beispiele. Der Waiblinger OB und Fraktionschef der Freien Wähler, Andreas Hesky, sagte: „Wir hätten zum Teil bessere touristische Highlights.“ Er mahnte ein stringentes Konzept an, um der restriktiven Handhabung seitens des Landes etwas entgegenzusetzen.
Auch Tourismuswerber Dellnitz sagt, dass mit den Schildern nicht gerade „unsere Stärken transportiert werden“. Trotzdem hält er das Thema für ausgereizt. Für ihn, der von den Kommunen bezahlt wird, sei es ein „gefährliches Vorgehen“, wenn er vorschlagen würde, Schilder wieder zu beseitigen – und Rathaus- Chefs zu verprellen: „Da bräuchte ich mindestens Ihre Unterstützung.“ Dazu sagte niemand aus der Runde etwas.