Wandern im Schwarzwald ist für Touristen wie Einheimische Erholung pur. Doch gilt es, einige Ratschläge zu beachten, um nicht die Orientierung zu verlieren. So geschehen am Wochenende.
Oberndorf/Feldberg - Mit geschnürten Wanderschuhen und dem Vesper im Rucksack ab in den Schwarzwald. Was nach purer Erholung und einem schönen Wandertag klingt, muss jedoch nicht unbedingt als ein solcher auch enden. Einen etwas anderen Ausgang fand am Wochenende der Ausflug zweier Frauen und fünf Kinder, die letztlich in der weitläufigen Natur am Rande des Feldbergs die Orientierung verloren haben.
Die beiden 35 und 36 Jahre alten Frauen und die Kinder hätten ursprünglich einen Bus auf den Feldberg (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) nehmen wollen, berichtete die Polizei. Diesen hätten sie jedoch verpasst und beschlossen, den Weg zu Fuß zurückzulegen. Dabei verliefen sie sich bei einsetzender Dämmerung. Glücklicherweise konnte die Polizei die Verirrten letztlich an ihr gewünschtes Ziel bringen.
Zu Zwischenfällen dieser Art kommt es immer mal wieder. Doch gehen sie nicht immer so glimpflich aus wie jetzt am Feldberg. Besonders tragisch ist der Fall der bis heute spurlos verschwundenen Studentin Scarlett S. Anfang September 2020 wollte sie den 119 Kilometer langen Schluchtensteig im Südschwarzwald bewandern. Seitdem fehlt von der 26-jährigen Frau aus Bad Lippspringe (Nordrhein-Westfalen) jede Spur. Auch Suchaktionen von Polizei und Bergwacht konnten die Studentin nicht finden.
Wer auf den Wegen bleibt, wird immer in eine sichere Richtung gewiesen
Aber woran liegt es, dass sich hin und wieder Wanderer im Schwarzwald verirren? Eine Erklärung dafür hat Wolfgang Weiler: Der Schwarzwald ist eine in vielen Bereichen ursprünglich und wild gebliebene Landschaft. Wer sich abseits der Wege durch das Mittelgebirge bewegt, kann schon aufgrund der abwechslungsreichen Topographie mit den steilen Bergflanken und tief eingeschnittenen Tälern an die Grenzen seiner Belastbarkeit kommen", sagt der Sprecher der Schwarzwald Tourismus GmbH unserer Redaktion.
Dennoch ist eine unnötige und auch teils gefährliche Odyssee durch die Weiten des Schwarzwalds vermeidbar. So ist das Gebiet laut Weiler "hervorragend" durch Wanderwege erschlossen. "Mehr als 23 000 Kilometer sind vom Schwarzwaldverein nach einem schwarzwaldweit einheitlichen System ausgeschildert." Man könne sich deshalb kaum verirren, meint der Sprecher. Selbst wenn der eigene Standort einmal nicht klar ist, ist laut Angaben der Schwarzwald Tourismus GmbH jede Kreuzung eines Wanderweges mit Hinweisschilder zur nächsten Gastwirtschaft oder ÖPNV-Haltestelle bestückt.
Sprich: Wer auf den Wanderwegen bleibt, wird also immer in eine sichere Richtung gewiesen. Und genau da liegt das Problem. Denn nicht alle Wanderer bleiben auf den ausgewiesenen Wegen. "Am ehesten verirren sich Menschen, die glauben abkürzen zu müssen ohne sich auszukennen, oder die das ›Abenteuer abseits der Wege‹ suchen."
Dazu kommt noch die extreme Zunahme des Tourismus im Schwarzwald. "In den vergangenen 20 Jahren haben wir einen unglaublichen Boom erlebt", sagt Lutz Scherer, Landesgeschäftsführer der Bergwacht Schwarzwald. Immer mehr Menschen wollen hinaus in die Natur – verstärkt wurde dieser Trend noch durch die Corona-Krise, die Ausflüge dieser Art noch einmal attraktiver gemacht haben. Für Scherer ist nicht das fahrlässige Verhalten der Wanderer ausschlaggebend, sondern "das fehlende Gefühl für die Natur und die Situation". Scherer spricht von mangelnden Erfahrungswerten und der klassischen Selbstüberschätzung. "Da gibt es Wanderer, die die Zeit falsch einschätzen und dann von der Nacht überrascht werden", sagt Scherer.
Perfekt sitzende Wanderschuhe und ausreichend Proviant sind also nicht alles. Doch mit der richtigen Vorbereitung, einigen Tipps von erfahrenen Wanderern und der richtigen Selbsteinschätzung steht einem Trip in den Schwarzwald nichts im Weg. Denn dieser gehört weiterhin zu einer der Touristenmagneten in und außerhalb von Baden-Württemberg.
Diese sieben Tipps sollten Sie im Schwarzwald befolgen
Wanderkarte
Generell sollte man eine Wanderkarte dabei haben, empfehlenswert ist eine Karte des Schwarzwaldvereins. Sie enthält auch Angaben zu den Standorten der Wegweiser. Denn Smartphone-Empfang ist nicht überall gewährleistet.
Standort abgleichen
Anhand der Angaben auf den Wegweisern ist es ratsam, immer wieder den Standort auf der mitgeführten Karte abzugleichen.
Apps nutzen
Am besten die gewünschte Tour in einer App, etwa Schwarzwald-App oder Komoot zum Offline-Gebrauch herunterladen. So lässt sich auch ohne Handy-Empfang die Karte nutzen und per GPS der Standort anzeigen.
Verpflegung und Zeit
Unbedingt Zeitpuffer, Proviant und Getränke einplanen, damit man sich zur Not auch mal unterstellen kann. Wenn man fürchtet, sich verlaufen zu haben, kann es hilfreich sein, zum letzten sicheren Wegpunkt zurückzugehen.
Rettung anfordern
Die Standorte der Wegweiser sind bei der Rettungsleitstelle hinterlegt. Wer sich den letzten Standortnamen des Wegweisers gemerkt hat, kann über die 112 jederzeit schnelle Hilfe anfordern.
Auf dem Weg bleiben
Wenn absolut keine Wandermarkierung zu finden ist, unbedingt auf dem (breiten) Waldweg bleiben. Schmale nicht gekennzeichnete Wege oder Fahrspuren sind oft nur Holzrückwege, die mitten in der Wildnis enden können.
Richtige Ausrüstung
Der Schwarzwald ist ein Mittelgebirge, die Wege können schnell rutschig werden. Deshalb: Festes Schuhwerk mit gutem Profil tragen. Auf kurzfristige Wetterumschwünge und Temperatureinbrüche eingestellt sein. Wärmendes Kleidungsstück und Regenschutz sollte immer dabei sein. Ebenso ein kleines Erste-Hilfe-Set.