Rund 5500 weniger Übernachtungen als im Vorjahr wurden 2020 gezählt. Christian Jäckels hatte mit Schlimmerem gerechnet. Den großen Einbruch erwartet er für 2021: Wegen des langen Lockdowns und weil der Campingplatz (Bild) später öffnete. Foto: Sum

Kommunales: Tourismusbericht 2020/21 fällt durchwachsen aus / Veranstaltungen brechen weg

"Alle Jahre wieder" stelle er dem Gemeinderat seinen Tourismusbericht vor, eröffnete Christian Jäckels seine Präsentation – und doch war in den Jahren 2020 und 2021 vieles anders als sonst.

Schiltach. Er blicke auf "den ersten vollen Corona-Tourismusbericht", warnte der Tourist-Info-Leiter die Gemeinderäte schon mal vor, das manche Zahlen etwas anders ausfallen als das in den Vorjahren der Fall war. Doch zwischen all den dunklen Corona-Ergebnissen gab es auch Lichtblicke.

Wo die Pandemie voll eingeschlagen hat, war bei den Veranstaltungen. 2020 standen laut Jäckels nur 142 Termine im städtischen Kalender, 2021 fiel die Zahl mit 68 Veranstaltungen noch mal deutlich geringer aus. "Da sind alle Termine auf der städtischen Internetseite mitgezählt – als auch Vereinsversammlungen und Gemeinderatssitzungen", führte er aus. "Die Veranstaltungen sind wegen Corona komplett weggebrochen" – und stellte das Vor-Corona-Jahr 2019 mit 241 Terminen zur Verdeutlichung gegenüber.

Gerade in diesem Frühjahr war wegen des Lockdowns kaum etwas möglich und "auch der Sommer war nicht leicht". Immerhin, war Jäckels erleichtert, habe das Zimmertheater aus Rottweil im Juli zwar nicht auf dem Marktplatz, aber im Stadtgarten ein Gastspiel geben können. An gleicher Stelle fand im August die Reihe "Kultur im Stadtgarten" statt – als Höhepunkt hob er die Lesung der Schwarzwald-Krimiautoren Stefan Ummenhofer und Alexander Rieckhoff hervor. Die Künstlergruppe "Forelle Blau" habe mit einer "sehr schönen Vernissage" und der Ausstellung auf dem Vorland im ganzen August für "schöne Farbtupfer" im Städtle gesorgt.

Welche Themen die Tourist-Info unterm Jahr beschäftigt haben? "Corona, Corona, Corona", musste Jäckels da nicht lange überlegen. "Die Gastgeber waren oft verunsichert – was ist erlaubt, was darf ich nicht? Sie haben nach Rat gefragt", erinnerte er. Auch als die Testpflicht kam, gab’s neue Fragen: Wo gibt es Testmöglichkeiten? Wie oft müssen Tests sein? Die Tourist-Info habe dabei auf die Unterstützung der Geschäftsstelle von Schwarzwald-Tourismus Kinzigtal (STK) in Wolfach bauen können, "die immer mit Rat und Tat zur Seite stand und die ständig neuen Informationen gebündelt und zeitnah weitergegeben hat", lobte Jäckels.

Urlauber bleiben länger

Licht und Schatten hatte der Tourismusmanager in Sachen Stadtführungen zu berichten: Auf "sehr, sehr niedrigem Niveau" hätten sich die gebuchten Führungen befunden. Teils konnten angemeldete Gruppen wegen der Corona-Vorgaben nicht kommen, teils sagten sie ab, weil ihnen die "Anreise mit dem Bus zu unsicher war". Andererseits hätten davon die offenen Stadtführungen, die freitags angeboten werden, profitiert. "Wir hatten dort viele Teilnehmer und teils ein ganz anderes Publikum – sehr viele Deutsche", sagte Jäckels.

Bei den Übernachtungszahlen (siehe Infokasten) sei in den vergangenen Jahren "ein sehr positiver Trend" zu erkennen gewesen. Das für Jäckels "Überraschende": 2020 waren es trotz Corona "nur" 5500 Übernachtungen weniger. Er habe dort "mit Schlimmerem gerechnet" als mit einem Einbruch um 20 Prozent, bekannte er. Sei im Lockdown im April gar nichts gegangen, gehörten Juli, August und September bei den Belegungszahlen "zu den besten der vergangenen Jahre", verwies er darauf, dass "die Hütte voll war, wenn die Leute kommen durften".

Weil Auslandsreisen wegfielen, "sind die Leute vermehrt in den Schwarzwald gekommen und dann auch länger geblieben", bilanzierte Jäckels. Die Aufenthaltsdauer sei "sprunghaft angestiegen" – auch in Schiltach. Gäste blieben im Schnitt 3,2 Tage. Reingehauen hat dann der Lockdown im November 2020: "Das Feedback der Gastgeber war: ›Jetzt läuft’s, jetzt brummt’s. Zum ersten bekommen wir es wahrscheinlich hin, dass über den Jahreswechsel alle Zimmer belegt.‹ Alle waren optimistisch – und dann ging wieder gar nichts", bedauerte Jäckels.

Wenig überraschend der Trend bei den Herkunftsländern der Urlauber: Der größte Teil kam mit 78 Prozent aus Deutschland (2019: 65 Prozent), gefolgt von den Niederlanden (8,4 Prozent), der Schweiz (3,5 Prozent) und Belgien (3,3 Prozent). Außer-europäische Touristen gab es corona-bedingt so gut wie keine­ – dort sank die Zahl von knapp acht auf unter ein Prozent.

Für 2021 gelte bislang: "Wenn kein Lockdown war, hatten die Gastgeber Belegung." Dennoch sei die Grundstimmung dieses Jahr eine andere gewesen. Während 2020 viele optimistisch gewesen seien, dass "wir 2021 wieder durchstarten können", habe dann in diesem Jahr eher die Verunsicherung überwogen. Im Sommer hätten viele Gastgeber resigniert abgewunken, da es im Herbst "eh wieder einen Lockdown geben wird".

Bei den Übernachtungszahlen für 2021 kündigte Jäckels schon jetzt einen "großen Einbruch" an: kein Geschäft an Fasnet, kein Ostern, kein Pfingsten und der Campingplatz als "großer Übernachtungsbringer" hatte wegen eines Betreiberwechsels erst ab August geöffnet.

Anni ist gefragt

Eine echte "Corona-Gewinnerin" war Anni mit ihrem Schwarzwaldgeheimnis. Für die Rätselwanderung zum Thema Flößerei gab es in der Ferienzeit zahlreiche Buchungen – "teils wurden die Rucksäcke vier, fünf Mal am Tag abgeholt", freute sich Jäckels.

Zum Abschluss gab der Tourismusmanager einen Ausblick auf anstehende Projekte: So hat die Stadt einen Antrag auf Leader-Förderung für E-Bike-Touren gestellt. Außerdem hofft er, dass bis Mai die Zertifizierung der Augenblick-Runde zum Qualitätsweg abgeschlossen ist. Beim von STK geplanten Kinzigtalsteig soll es 2022 ebenfalls richtig losgehen. Jäckels möchte im kommenden Jahr zudem die Tafeln an der Stadtbrücke überarbeiten. Dort merkte Ulrich Kohler an, dass auch der Bibelerlebnispfad aufgenommen werden sollte.

Lob für Jäckels gab es von Michael Buzzi. Er regte zudem an, dass die Tourismusabteilung eine Besuchsrunde bei den Gewerbetreibenden der Stadt starten und sie nach ihren Bedürfnissen fragen könnte. "Das wäre eine tolle Geste für die Akteure, die eine wichtige Arbeit im Städtle leisten". Zu den Gastronomen und Gastgebern stehe er in regem Kontakt, mit dem Einzelhandel weniger, erklärte Jäckels. Daran wird sich wohl auch nichts ändern: Dafür sei Christian Jäckels der falsche Ansprechpartner, sagte Bürgermeister Thomas Haas. "Darüber müssten wir uns noch mal unterhalten", schloss er das Thema.