Adventsmarkt im historischen Klosterviertel im Jahr 2019: Die Erlöse betrugen hier laut Stadtverwaltung 975 Euro, der Aufwand wird mit 8030 Euro angegeben. Foto: Archiv

Der Bad Herrenalber Gemeinderat berät am Mittwoch, 24. Februar, erneut über den Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Tourismus und Stadtmarketing für 2021. Die Verwaltung empfiehlt, den Antrag der Fraktion Grüne Plus auf Erlass der Fremdenverkehrsabgabe (FVA) abzulehnen. Der Etat soll zudem beschlossen werden.

Bad Herrenalb - Der Wirtschaftsplan enthält im Erfolgsplan Erträge in Höhe von 807 800 Euro sowie Aufwendungen in der Größenordnung von 1.063.910 Euro. Im Vermögensplan belaufen sich die Einnahmen auf 442.900 Euro sowie die Ausgaben auf 397.610 Euro. Im Wirtschaftsjahr 2021 wird deshalb mit einem Ergebnis in Höhe von minus 256.110 Euro gerechnet. Die Fraktion Grüne Plus beantragt allerdings den Erlass der FVA für das Jahr 2020 beziehungsweise 2021. Im Erfolgsplan 2021 macht dies laut Vorlage 130.000 Euro aus. Wobei sich dann der Fehlbetrag auf 386.110 Euro erhöhen würde.

Die CDU-Fraktion beantragt hingegen die Aufnahme des Klosterfestes in den Wirtschaftsplan. Die Stadtverwaltung informiert hierzu in der Sitzungsvorlage: "erledigt: Die Aufwendungen und Erträge wurden aufgenommen".

Bei "Erläuterungen zu Fragen der Fraktionen" weist die Verwaltung unter anderem darauf hin: Bad Herrenalb erfülle mehrere Kriterien und dürfe sich daher zu Recht als "Einzelmarke" fühlen. Eine ausreichende Finanzausstattung für Marketingmaßnahmen und den Auf- und Ausbau sowie Erhalt der touristischen Infrastruktur sei unabdingbar, um die Wertschöpfung zu erhöhen.

Aus dem Gemeinderat sei angeregt worden, die Fremdenverkehrsabgabe für 2020 zu streichen, um die Leistungsträger zu unterstützen. Die Stadtverwaltung habe zur Liquiditätsstützung der Betriebe auf eine Veranlagung in 2020 verzichtet. Sie empfehle den Antrag daher abzulehnen. Insgesamt sei festzustellen: Bad Herrenalb erfülle die Kriterien einer touristischen Destinationsmarke "und hat damit eine besondere Bedeutung im Tourismus Baden-Württemberg".

Lokale Ebene

Bad Herrenalb gehöre im Tourismuskonzept zur lokalen Ebene. Diese solle auf Grundlage einer Regionsstrategie entsprechende Konzepte entwickeln. "Im Marketing soll sich die lokale Ebene im Wesentlichen um den Tagestouristen bemühen und darüber hinaus, also national oder international in enger Abstimmung mit übergeordneten Einheiten agieren. Auf der lokalen Ebene ist der Kontakt und damit Qualifizierung der Partner von übergeordnetem Interesse", heißt es weiter. Dies sei im Wirtschaftsplan 2021 aufgegriffen worden – dort werde ein Schwerpunkt der Arbeit auf Vernetzung und Qualität gelegt. Außerdem werden die Stadträte informiert: "Durch die im Wirtschaftsplan genannte Fortsetzung der Kampagne ›mitab­standschönbadherrenalb‹ wird die Konzentration auf die Ansprache des Tagesgastes deutlich. Die strategischen Grundlagen für Bad Herrenalb leiten sich daher aus der Strategie der Schwarzwald Tourismus GmbH sowie von den Zielen und der Strategie der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald ab." Letztere werde aktuell überarbeitet. Die Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald (TNS) fungiere dabei als teilregionale DMO (Destinations Management Organisation) sowie als Koordinator auf Landkreisebene. Die Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) als die übergeordnete DMO des gesamten Schwarzwalds sei aufgrund der Größe der Destination Schwarzwald, des Aufbaus und der Organisation sowie der räumlichen Entfernung (zu den Orten und Teilregionen im Nordschwarzwald) zur Erfüllung ihrer Aufgaben auf eine koordinierende und unterstützende professionelle Tourismusstruktur in den Regionen/Landkreisen angewiesen. Als weitere Beispiele für solche Strukturen werden die Hochschwarzwald Tourismus GmbH, die neugegründete Nationalparkregion und eben die Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald aufgeführt.

Weniger Übernachtungen

Bei der Übersicht über Erlöse und Aufwendungen der Veranstaltungen der vergangenen Jahre – ohne auf die Zuordnung zu Kernhaushalt oder Eigenbetrieb einzugehen­ – wird zum Beispiel aufgeführt: Beim Klosterfest 2019 betrugen die Erlöse 8316 Euro und der Aufwand 25.169 Euro. Beim Sommernachtstheater wurde 2019 ein Minus von 33.655 Euro registriert (2020: minus 20.189 Euro). Bei der Silvestergala 2019 gab’s ein Plus in Höhe von 6278 Euro.

Im Wirtschaftsplan 2021 sei bereits auf die Entwicklung der Übernachtungszahlen der vorigen Jahre eingegangen worden. Hervorzuheben sei die Rolle Bad Herrenalbs im Landkreis Calw und im Schwarzwald, denn die Siebentälerstadt gehöre zu den übernachtungsstärksten und tourismusintensivsten Kommunen im Schwarzwald. Nach insgesamt 334.903 Übernachtungen in 2019 gingen diese coronabedingt auf 232.531 zurück. "Die Zahlen entstammen den Meldungen aller Beherbergungsbetriebe in Bad Herrenalb und weichen daher von der noch nicht vorliegenden amtlichen Statistik 2020 ab, die Betriebe erst ab zehn Betten erfasst", führt die Stadtverwaltung aus.

Bei "Mitgliedschaften und Beteiligungen" wird mit Blick auf die Tourismusgemeinschaft Albtal Plus mitgeteilt: "Antworten auf die im Jahr 2019 gestellten Fragen über mögliche andere Finanzierungskonzepte sollen laut Aussage von Albtal Plus im zweiten Quartal 2021 vorliegen."

Bei der Organisationsstruktur ist zu erfahren: "Deutlich wird, dass zwischen Kernhaushalt und Eigenbetrieb keine klare Zuordnung erfolgt ist. Es gibt Überschneidungen im Bereich Kurhäuser/Kurpark ebenso wie bei den Veranstaltungen. Die Bäderbetriebe sind selbstständig, sodass es zu temporärer Zusammenarbeit bei der Vermarktung kommt."

Die Zahl der Mitarbeiter wird mit 13 (7,8 Vollzeit-Stellen) angegeben. Die Leitung des Eigenbetriebs habe derzeit der Bürgermeister inne.

Prozesse vereinfachen

"Eine zukünftige Struktur sollte Schnittstellen verringern, Prozesse vereinfachen und beschleunigen, den Output erhöhen und einen positiven Effekt auf die touristische Wertschöpfung haben", steht des Weiteren in der Vorlage. Hierfür sei die Ausarbeitung einer Strategie, die sich an den Ergebnissen des Stadtentwicklungsprozesses sowie der Strategie der STG und TNS orientierten, als Grundlage notwendig.

Die nächsten Schritte werden so skizziert: nVeranstaltungen sollten das Image fördern und den Zusammenhalt der Bürger stärken: "Daher werden die von EGB und Stadtverwaltung durchgeführten Veranstaltungen daraufhin überprüft und bei Bedarf neu konzipiert. Dabei sind auch die bisher verlangten Teilnahmegebühren und Standmieten sowie die Ausgabenpositionen zu betrachten." Die Überarbeitung habe bereits begonnen. Eine Umschichtung der Veranstaltungen aus dem Kernhaushalt in den Eigenbetrieb werde ab 2022 umgesetzt. n Für eine eigene Strategie für das zukünftige touristische Marketing seien die Ergebnisse des Strategieprozesses der TNS ebenso abzuwarten wie die Ergebnisse des Stadtentwicklungsprozesses. Grundlage seien die im Wirtschaftsplan bereits dargestellten Profilthemen der STG: Natur, Kulinarik, Kultur sowie die Aktivitätsthemen Wandern, Wellness/Thermen/Gesundheit, Familienerlebnis, Wintererlebnis. n Über die Mitgliedschaft bei Albtal Plus könne erst nach Vorliegen der für das zweite Quartal 2021 zugesagten Ausarbeitungen befunden werden.  Nach Ausarbeitung einer touristischen Strategie könne über die notwendige Personalstruktur beraten werden.n  Die Satzung werde in einzelnen Punkten angepasst: "Eine grundlegende Überarbeitung bedarf weiterer Schritte vor allem im Stadtentwicklungsprozess."

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