Rottweil freut sich über Tagestouristen. Doch die touristischen Übernachtungszahlen dürften besser sein, so die Hoteliers und Ferienwohnungsbesitzer. Foto: Siegmeier

Rottweil lockt mit Altstadt, Museen und Events – doch die Übernachtungszahlen sinken. Hoteliers und Vermieter berichten, woran es liegt und was sie dagegen unternehmen.

Landesgartenschau, Hängebrücke, historische Altstadt, Kunst, Museen und manches mehr hat Rottweil jetzt und in den nächsten Jahren zu bieten.

 

Die Stadt ist bei Touristen beliebt – allerdings sind dies eher Tagestouristen, wie die Statistik aufzeigt. Bei den Übernachtungszahlen ist noch Luft nach oben, lassen Hoteliers und Ferienwohnungsvermieter wissen.

2023 brachte der Tourismus 1,4 Millionen Tagestouristen nach Rottweil und 75 000 Übernachtungen wurden verzeichnet – Ferienwohnungen nicht mit eingerechnet. 2024 waren die Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent niedriger, besagt eine Tabelle des statistischen Landesamts.

Gäste bekommen ein attraktives Zusatzangebot

Von positiven Entwicklungen spricht die Familie Bier von „My home Hotel Lamm“. „In den vergangenen Jahren konnten wir eine kontinuierliche Steigerung unserer Belegungszahlen verzeichnen. Besonders erfreulich ist, dass wir nicht nur während der Hauptsaison eine gute Auslastung haben, sondern zunehmend auch in den Randzeiten und unter der Woche“, sagt die Familie Bier.

Die positive Entwicklung führen sie darauf zurück, dass sie die ehemaligen BW-Bank-Räume für Schulungen und kleine Tagungen umbauen konnten sowie derzeit eine neue Gastronomie einrichten.

Angebot ausgebaut „Am gastronomischen Angebot wird intensiv gearbeitet – mit dem Ziel, langfristig für alle Gäste ein attraktives Zusatzangebot zu schaffen. Unser Frühstücksbereich wurde bereits stark erweitert und wird mittlerweile auch von vielen externen Gästen genutzt. Zusätzlich empfangen wir erste Stadtführungsgruppen in den neu sanierten, modernen Räumen“, so die Auskunft.

Ein schnell wachsender Betrieb

Der Gastronomiebereich stehe noch ganz am Anfang und der Aufbau erfordere viel Zeit, Energie und Ressourcen, machen sie deutlich. „Wir betreiben die Gastronomie derzeit zu unseren Rezeptionszeiten tagsüber“, sind sie zuversichtlich, dass sich dieser Bereich mit der Zeit erfolgreich etablieren wird. „Ein schnell wachsender Betrieb bringt immer wieder neue Herausforderungen mit sich – und in einem Umfeld, das stark von politischen Rahmenbedingungen und der zunehmenden Digitalisierung geprägt ist, wird diese Aufgabe nicht unbedingt leichter“, sagen sie weiter.

Hinzu komme, dass sie als Betrieb in der historischen Innenstadt Rottweils von hohen Mieten betroffen seien, die sich – je nach Vermieter – deutlich über dem regionalen Durchschnitt bewegen würden. „Besonders wichtig ist uns zu betonen: Ohne unser engagiertes Team wäre all das nicht möglich. Wir sind sehr stolz, ein so starkes Team an unserer Seite zu haben“, so die Familie Bier.

Die schwache Konjunktur im In- und Ausland

Etwas anders sieht es bei der Pension Haas auf Berner Feld aus. Hier sind die Belegungszahlen 2024 zurückgegangen. Als Grund sieht Ulrike Haas die schwache Konjunktur, „da wir überwiegend Businessgäste beherbergen“, macht sie deutlich. „Deshalb haben wir jetzt auch täglich unser Café geöffnet, um die Umsatzeinbrüche etwas aufzufangen. Wiederum freuen wir uns über mehr Radfahrer, da die Wetterlage dieses Frühjahr wieder besser ist“, sagt Ulrike Haas.

Tagungen und Feiern Teils hätten sie Übernachtungsgäste vom Turm, und auch Hochzeitsgäste würden häufig Zimmer buchen. Zudem werden Tagungen, Versammlungen und Familienfeiern in der Pension Haas abgehalten. „Unser Frühstücksangebot für Gäste, die nicht übernachten, wird sehr gut angenommen“, freut sich Ulrike Haas.

„Die Kosten sind erheblich und tun echt weh“

Tobias Maier von Maiers Johanniterbad sieht mit Bedenken, dass Rottweil in der Beherbergungsstatistik weit hinten liegt. „Die Entwicklung ist nicht positiv, aber bei uns sind die Zahlen stabil und wir haben eine ordentliche Auslastung“, macht er aber auch deutlich, dass die weiter steigenden Preise für Lebensmittel, Energie und Co. nicht mehr an die Gäste weitergegeben werden könnten. „Die Kosten sind erheblich und tun echt weh“, so Maier. Auch bei ihm logieren viele Geschäftskunden, aber auch Kurzurlauber. „Die Leute sparen, das merkt man“, so Maier.

Ferienwohnungen Viola Aberle vermietet zwei renovierte Ferienwohnungen in der Fußgängerzone. „Bei uns ist vor allem eine Übernachtung sehr gefragt. Das bieten viele erst gar nicht an“, weiß sie, denn der Aufwand sei hoch, bis die Wohnung für den nächsten Gast wieder hergerichtet ist. Überwiegend die Wochenenden seien gefragt. „Aber es ist immer etwas los“, ist sie zufrieden.

Und wie sieht es bei den Ferienwohnungen aus?

Da sie ihre Ferienwohnungen erst seit September betreibt, kann sie zum Sommergeschäft noch nichts sagen.

Seit vielen Jahren vermietet Inge Irion Ferienwohnungen. Auch sie verzeichnet einen Rückgang der Übernachtungszahlen. „Wir haben überwiegend Monteure und Arbeiter. Viele Gäste kommen nur drei bis vier Nächte zu einem Fest oder Besuch, aber im vergangenen Jahr haben die Belegungen nachgelassen“, meint sie. Momentan beherberge sie Personal einer Klinik. „Ich bin soweit zufrieden“, sagt Irion.

Gäste haben eine gute Auswahl

Gaby Wilbs-Müller vermietet ebenfalls, nimmt aber unter drei Übernachtungen keine Anfragen an. „Ich glaube, es fehlen Übernachtungsmöglichkeiten für Radfahrer, die auf dem Neckartalradweg unterwegs sind“, sagt sie.

Schwierig sei es auch – das bestätigen übrigens auch die anderen Vermieter – Reinigungspersonal für die Wohnungen zu finden. Aber mit den Belegungszahlen ist sie zufrieden. Sie freut sich, dass es in Rottweil mittlerweile eine Vielzahl an Ferienwohnungen gibt, und die Gäste eine gute Auswahl haben.