Wird auch wegen der Hängebrücke dringend benötigt: Die Verwaltung will einen Reisebusparkplatz auf dem Berner Feld bauen. Foto: Alt

Sollen Reisebusse künftig in Rottweil umsonst parken dürfen, während Autofahrer zahlen müssen? Um diese Frage entbrannte im Ausschuss eine lebhafte Diskussion.

Warum braucht man in Rottweil einen Reisbusparkplatz, der eine viertel Million kostet? Und warum, sollen nicht auch Busreisende in Rottweil Parkgebühren zahlen? Elke Reichenbach (SPD+FFR) war so gar nicht begeistert von dem, was die Verwaltung da auf den Berner Feld unweit der Hängebrücke und des Thyssen Testturms vor hat.

 

Weil Rottweil für Busunternehmen als Destination zunehmend an Bedeutung gewinnt aber keine adäquaten Stellflächen vorweisen kann, ist Handeln angesagt. Zwar ist am Nägelesgraben eine Reisbushaltestelle vorhanden, über mehrere Stunden – vielleicht Tage – abgestellt werden dürfen Busse dort allerdings nicht. Zudem wird diese in den nächsten zwei Jahren während der ZUP- und Friedrichsplatzbaustelle nur schwer anfahrbar sein.

Platz für bis zu 17 Busse

Mit der Fertigstellung der Hängebrücke dürfte die Zahl mit dem Bus anreisender Touristen zudem in die Höhe steigen. Damit jedenfalls rechnet die Stadt und schlug daher in der Ausschusssitzung am Mittwoch vor, auf dem Berner Feld einen Reisebusparkplatz anzulegen. Kostenpunkt: etwa 240 000 Euro. Das Geld kommt aus einem Topf, der eigentlich für die Erschließung Hegneberg 2 vorgesehen ist. Doch die, so geht aus der Vorlage zur Sitzung hervor, könne nicht wie vorgesehen 2026 erfolgen.

Geplant ist, dass zehn bis 17 Reisebusse dort abgestellt werden können, wie Fachbereichsleiter Rudolf Mager informierte. Während die Fahrbahn asphaltiert werden soll, erhalten die Schrägspangen in denen die Busse parken können, einen wassergebundenen Belag. Außerdem geplant sind zwei Sammelzonen für die Reisenden. Noch vor der Sommerpause soll der Reisebusparkplatz fertig sein.

Gaehn: „Das ballt sich jetzt!“

„Die Reisebusunternehmen können weiterhin entscheiden, ob sie ihre Gäste in der Innenstadt oder am Berner Feld aussteigen lassen. Für die Busfahrer entsteht damit jedoch ein Ort, an dem sie ihre Busse kostenlos und zulässig abstellen können“, heißt es zur Erklärung in der Vorlage. Zudem könnten die Busfahrer die Infrastruktur von Hauser Reisen – sprich Toiletten und Aufenthaltsmöglichkeiten – mitnutzen. „Wir haben mit Herrn Keller ein Agreement“, informierte Bürgermeisterin Ines Gaehn.

Sie betonte, dass der Bedarf bereits vorhanden sei, der Tourismus dieses Thema schon lange habe. „Das ballt sich jetzt“, prophezeite sie.

Am Nägelesgraben dürfen Reisebusse nur halten, nicht parken. Foto: Ulrich

Reichenbach, die die Notwendigkeit des Parkplatzes gar nicht anzweifelte, störte sich allerdings daran, dass die Maßnahme kostenmäßig nicht im Haushalt verankert ist. Außerdem komme das investierte Geld bei einem kostenlosen Parkangebot auch nicht wieder rein. Von den Autofahrern verlange man Gebühren fürs Parken und von den Busreisenden nicht? „Das kann doch nicht sein“, so die Gemeinderätin. Hubert Nowack (Grüne) und Hermann Breucha (FWV) pflichteten ihr bei. Ihre Fraktion, so Reichenbach weiter, werde dem Bau nur zustimmen, wenn Parkgebühren zur Finanzierung erhoben würden. In Stuttgart an der Oper zahle man schließlich als Busreisende auch.

Gaehn, die nochmals hervorhob, wie wichtig es als touristische Destination sei, die Reisebusse anständig unterzubringen, erläuterte, wie als Stadt bei den Tourismusmessen um solche Busunternehmen geworben werde. Der Marketingeffekt verpuffe, wenn man dafür eine Parkgebühr erhebe – zumal die Stadt die Parkraumbewirtschaftung an dieser Stelle auch erst technisch möglich machen müsste. „Wir wollen doch, dass die Busse zu uns kommen.“

CDU: sehr sinnvoll

Rasmus Reinhardt (CDU) konnte die Diskussion nicht nachvollziehen. „Wir finden das sehr sinnvoll. Das muss unbedingt umgesetzt werden“, meinte er in Richtung SPD und FFR. Diese verweigerte tatsächlich ihre Zustimmung. Letztlich ging der geplante Bau des Reisebusparkplatzes auf dem Berner Feld dann aber mit acht Ja-Stimmen knapp durch.