Kann Bad Wildbad beim Sommerurlaub profitieren? Foto: Thomas Fritsch

Um bis zu 56 Prozent könnte der Sommerurlaub in diesem Jahr in besonders beliebten Regionen teurer werden. Dazu kommt die unsichere Weltlage. Kann die Stadt profitieren?

Der Sommerurlaub könnte teuer werden. So berichtet etwa die „Bild“ davon, dass die Preise für Flüge, Hotels oder auch Pauschalreisen in beliebten Urlaubszielen deutlich anziehen, von Steigerungen um bis zu 56 Prozent ist dabei die Rede. Vor allem Frankreich, Kroatien, Portugal und die Türkei verteuern sich nach Angaben der „Bild“ deutlich. Auch Pauschalreisen werden demnach deutlich teurer, für Mallorca, Kreta, die Algarve oder die Malediven müssen Urlauber bis zu 35 Prozent mehr zahlen, das sind schnell mehr als tausend Euro.

 

Dazu kommt die unsichere Lage in vielen Teilen der Welt. Die Golfstaaten fallen als Pauschalreiseziel derzeit aus, auch Ziele wie etwa Thailand sind seit Beginn des Iran-Kriegs zwischen den USA und dem Iran schwieriger zu erreichen. Auch wenn es derzeit eine Waffenruhe gibt, ist die Lage äußerst angespannt, die Straße von Hormus weiter geschlossen.

Doch wie sieht das in Bad Wildbad aus? Steigen hier die Preise auch? Oder ist das für die Region auch eine Chance, sich als attraktives Urlaubsziel zu etablieren?

Preissteigerungen in Bad Wildbad moderater

„Auch in Bad Wildbad beobachten wir die aktuellen Entwicklungen im Tourismussektor sehr aufmerksam“, sagt dazu Stefanie Bott, die Geschäftsführerin der Touristik Bad Wildbad GmbH. Generell lasse sich sagen, „dass steigende Kosten – etwa für Energie, Personal und Beschaffung – auch bei unseren Gastgebern eine Rolle spielen“.

Dennoch fielen die Preissteigerungen hier vor Ort „bislang moderater aus als in vielen klassischen Auslandsdestinationen oder stark nachgefragten Urlaubsregionen“. Wie genau die Preissteigerungen in Bad Wildbad ausfallen, kann Bott nicht sagen: „Zu den Preissteigerungen der Betriebe kann ich leider keine konkreten Zahlen nennen“, teilt sie mit.

Keine gravierenden Aufschläge

„Dass wir gravierende Preisaufschläge machen, ist mir nicht bekannt“, sagt Wolfgang Richter vom Dehoga-Ortsverband in Bad Wildbad. Der Hotelier erklärt, dass „etliche Hotels“ in der Stadt ein Revenue-Management-Tool nutzen. „Wenn die Nachfrage anzieht, gehen die Preise in einem vorab vorgegebenen Maß in die Höhe“, erläutert er. Das seien aber maximal etwa zehn Prozent.

Generell beobachtet Bott: „Das Interesse an Urlaubszielen im eigenen Land ist dabei kein neues Phänomen. Bereits seit der Corona-Pandemie verzeichnen wir eine deutlich gestiegene Nachfrage, von der Bad Wildbad spürbar profitiert.“ Viele Gäste hätten in dieser Zeit die Vorzüge von Urlaub in der Heimat neu entdeckt – und blieben dieser Reiseform auch weiterhin treu, auch wenn sich im Laufe der Zeit die Aufenthaltsdauer verändert hat.

Die Übernachtungszahlen in Bad Wildbad sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, wenn auch langsam. 2023 waren es 280.210. Das steigerte sich 2024 auf 280.691 und im vergangenen Jahr waren es sogar 283.276 Übernachtungen. Zum Vergleich: Im Vor-Corona-Jahr 2018 lag die Zahl der Übernachtungen bei 261.840.

Neben den steigenden Reise- und Energiekosten spiele aktuell auch die unsichere weltpolitische Lage eine Rolle bei der Urlaubsplanung vieler Menschen. „Sicherheit, Verlässlichkeit und eine unkomplizierte Anreise gewinnen zunehmend an Bedeutung – Faktoren, bei denen Reiseziele im eigenen Land klar punkten können“, so Bott weiter. Vor diesem Hintergrund verstärke sich der Trend zusätzlich und Bad Wildbad überzeuge dabei nicht nur durch seine attraktive Lage im Schwarzwald und die gute Erreichbarkeit durch die Bahnanbindung, sondern auch durch ein vielseitiges Angebot – von Natur- und Erholungserlebnissen bis hin zu den beiden Thermalbädern, die auch im Sommer durch verschiedene Aktionen und Angebote attraktiv seien. „In den vergangenen Monaten konnten wir eine weiterhin hohe Nachfrage feststellen, insbesondere im Bereich Kurzurlaube und spontane Buchungen“, erläutert die Touristik-Chefin auf Nachfrage unserer Redaktion. Dies zeige, „dass sich viele Menschen bewusst für nähere und flexibel planbare Reiseziele entscheiden“.

Die Attraktionen locken viele Besucher nach Bad Wildbad. Foto: Alexander M. Groß

Energiepreise schlagen aufs Gemüt

Etwas skeptischer ist dagegen Richter: „Ob wir gegen die Sonnensucht der Bürger ankommen, da hab’ ich leise Zweifel.“ Nördlich der Alpen, zumindest wenn man von Nord- und Ostsee absehe, sei eine Aufenthaltsdauer von zwei bis fünf Tagen die Regel. „Die letzten Wochen waren auch bei uns geprägt von absoluter Buchungszurückhaltung. Diese Energiepreise und die allgemeine weltpolitische Lage ist den Leuten auf das Gemüt geschlagen“, sagt er.

Die Vorausbuchungsfrist sei „bis auf ein paar Tage zusammengefallen“, so Richter weiter. Er glaube schon, dass der eine oder andere dann in Deutschland Urlaub mache, „aber der Haupturlaub wird wohl weiter im Süden sein“, ist er überzeugt.

Für den weiteren Verlauf des Sommers zeigt er sich aber „schon optimistischer als grad im April“, aber ob man die Zahlen wie im vergangenen Jahr erreiche, müsse man abwarten, auch wie es etwa im Iran weitergeht.