Haben den Startschuss für das Wirken der Erlebnisregion Europa-Park gegeben (von links): Thomas Gedemer (Herbolzheim), Pascal Weber (Ringsheim), Frederik Mack (Europa-Park), Jochen Paleit (Kappel-Grafenhausen), Dietmar Benz (Mahlberg), Kai-Achim Klare (Rust), Bruno Metz (Ettenheim sowie Thomas und Jürgen Mack (Europa-Park). Rheinhausens Bürgermeister Jürgen Louis war verhindert. Foto: Göpfert

Wandern, Genuss, Kultur und Natur: Auch außerhalb des Europa-Parks hat die Region Touristen und Einheimischen viel zu bieten. Was genau, das wollen Ettenheim, Herbolzheim, Kappel-Grafenhausen, Mahlberg, Rheinhausen, Ringsheim und Rust nun als Erlebnisregion Europa-Park zeigen.

Mit der Erlebnisregion Europa-Park wollen die sieben Kommunen „die Strahlkraft des Leuchtturms Europa-Park vergrößern und die Geschichten erzählen, die man in dieser Region erleben kann“, erklärte Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare bei der Pressekonferenz am Donnerstag in Rust. Das konkrete Ziel des Zusammenschlusses ist es, dass die Touristen nicht nur einen Tag für den Europa-Park anreisen, sondern länger in der Region verweilen. Dafür will man „den Europa-Park-Gästen zeigen, was es hier in der Region alles zu erleben gibt“, so Klare. Geschehen soll das unter dem Motto, das auch die vier neuen Werbeclips, denen weitere noch folgen sollen, deutlich machen: „Verlängere dein Abenteuer“.

 

Besucher reisen aus immer größerer Distanz an

Nötig geworden ist das, weil mit dem Wachstum des Europa-Parks, der 2024 seine 50. Saison eröffnen wird, auch die Distanz größer wurde, aus der die Besucher dorthin anreisen. „Wer hätte bei der Eröffnung gedacht, dass mehr als 40 Prozent der Menschen aus Frankreich und der Schweiz hierher kommen?“, fragte Park-Chef Jürgen Mack. Damit sei der Bedarf an Übernachtungen größer geworden. Doch nicht nur der Park ziehe die Menschen an, vielmehr liege er inmitten in einer Urlaubsregion, die einiges zu bieten habe. In Zukunft solle der Europa-Park weiterhin das Initial für die Anreise der Gäste sein, aber die Angebote der Region sollten die Besucher zum Bleiben verleiten – und vielleicht auch noch zu einem zweiten Besuch im Europa-Park, der Wasserwelt Rulantica oder dazu, ein anderes Angebot des Parks zu nutzen. Somit würden alle von der Erlebnisregion Europa-Park profitieren.

Homepage zeigt gesammelt die Angebote der Region

Der Zusammenschluss der einzelnen Städte und Gemeinden ermögliche es diesen, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und im Bereich des Tourismus besser zusammenarbeiten. Dadurch solle es möglich sein, auch die große Wirtschaftskraft des Tourismus besser zu nutzen – und zu zeigen, was es neben dem Park noch an Leben in der Region gebe, waren sich die anwesenden Bürgermeister Jochen Paleit (Kappel-Grafenhausen), Dietmar Benz (Mahlberg), Pascal Weber (Ringsheim), Thomas Gedemer (Herbolzheim), Bruno Metz (Ettenheim) und Kai-Achim Klare (Rust) einig.

Was dafür in den vergangenen zwei Jahren seit der Gründung der Erlebnisregion Europa-Park getan wurde, erläuterte Klare am Donnerstag ausführlich. Neben den vier Werbeclips ging am Montag die Homepage www.erlebnisregion-europa-park.de online. Sie soll die gesamte Vielfalt der Region auf einen Blick zeigen. Auf ihr sollen Touristen und Einheimische gesammelt und übersichtlich finden, was die Region zu bieten hat – unterteilt in die Kategorien Europa-Park, Natur, Aktiv und Genuss. Es gibt dort die Möglichkeit, über Regionsportale die einzelnen Orte kennen zu lernen und sich über die Umgebung, sprich den Schwarzwald und das Elsass, zu informieren. Zudem besteht die Möglichkeit, Unterkünfte zu buchen. Auch Flyer soll es geben.

Die Konzerte in Gallaghers Nest in Münchweier – in der Mitte Inhaber Matt Woosey – sind längst kein Geheimtipp mehr. Foto: Decoux/Archivbild

Auch ein eigenes Magazin wird die Erlebnisregion Europa-Park erhalten – mit Geschichten aus der Region und Porträts von Künstlern, Handwerkern oder Weingütern. Auf Facebook und Instagram will man ebenfalls aktiv sein und etwa die App Komoot nutzen, um über diese Wanderwege bekannter zu machen.

Die Haupt-Zielgruppe der Erlebnisregion Europa-Park sind Familien und sogenannte „Best Ager“. Aber auch für junge Leute habe die Region viel zu bieten, betonte Frederik Mack, Personaldirektor des Europa-Parks. Sein Vater Jürgen Mack hingegen erläuterte, was er als „Best Ager“ an der Region schätze: Kulinarik, das Naturschutzgebiet Taubergießen und die Nähe zum Schwarzwald mit der Vorbergzone, aber auch zu Frankreich und seiner Kultur.

Wie reich die Region an Kulinarik und Wein ist, machte die Breisgauer Weinprinzessin Jenny Ringwald aus Herbolzheim deutlich. Für ihren Vater, aber auch für andere Winzer sei der Wein die Lebensgrundlage, gleichzeitig seien die Reben für die Region ein Kulturgut und landschaftsprägend. Und man teile den Wein auch gerne mit anderen, erklärte Ringwald augenzwinkernd.

Dass auch die Natur in der Region eine Rolle spielt, erläuterte Sebastian Koßmann aus Rheinhausen, der Bootsfahrten durchs Taubergießen anbietet. Die Momente, die er mit dem Boot auf dem Wasser verbringe und zu denen er auch Gäste mitnimmt, seien für ihn immer noch etwas ganz Besonderes. „Bei all dem Trubel wirkt das Wasser beruhigend“, erläuterte Koßmann. Einmal habe er auch SC-Freiburg-Trainer Christian Streich mitgenommen „und der ist nicht unbedingt für seine Ruhe bekannt. Aber sogar er konnte auf dem Wasser meditativ abschalten“, erklärt er.

Sanfter Tourismus im Taubergießen

Die Fischereizünfte, zu denen er Koßmann gehört, zählen zu den ältesten Vereine in der Region und sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Natur zu schützen. Das geschehe zu einem, indem sie das Gewässer pflegten. Zum anderen aber auch, indem sie Schönheiten der Natur anderen vorsichtig nahe bringen und so durch sanften Tourismus das Bewusstsein für Naturschutz in den Menschen wecken.

Dass auch die Kultur der Region nicht zu vernachlässigen ist, machten Lisa Woosey und ihr Mann, Musiker Matt Woosey, deutlich. Die Wohnzimmerkonzerte, die sie anboten, und die Veranstaltungen im Rebstock Münchweier wurden so beliebt, dass sie 2018 das Kulturzentrum Gallaghers Nest gründeten, in dem mittlerweile Künstler aus aller Welt auftreten. Einer der Höhepunkte war die „Band of Friends“ des verstorbenen Rory Gallagher diese Woche, nach dem das „Nest“ benannt ist. Aber auch bislang unbekannte Künstler, die noch nie auf einer Bühne standen, haben bei der „Open Stage Night“ die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Ein Geheimtipp ist das Nest schon längst nicht mehr: Von Freiburg, Offenburg und Lahr und gelegentlich auch aus Mannheim und Frankfurt kommen die Gäste.

Die Geschichte

Die Erlebnisregion Europa-Park wurde 2021 gegründet, Überlegungen dazu gab es aber schon seit etwa fünf Jahren, berichtet Rust Bürgermeister Kai-Achim Klare. Bewusst habe man sich bei der Erlebnisregion auf die „handelbare Größe“ der sieben direkten Umlandgemeinden des Europa-Parks beschränkt. Die Touristinfo der Gemeinde Rust bildet die Geschäftsstelle der Erlebnisregion. Die Kosten werden nach einem Schlüssel, der verschiedene Faktoren berücksichtigt, auf die Kommunen verteilt. Die Erlebnisregion hat sowohl einen Leitungsausschuss mit den sieben Bürgermeistern und dem Park als auch einen Fachbeirat mit Mitarbeitern aus dem Touristikbereich der Kommunen.