Förster Ulrich Wiedmaier (hinten, Mitte)erklärte der Gruppe Anschauliches bei einem Waldspaziergang. Foto:  

Im Rahmen eines Spaziergangs führte Wolfachs Förster Ulrich Wiedmaier durch die heimische Natur. Dabei wurde deutlich, welche Folgen dieTemperaturentwicklung hat.

17 Teilnehmer, darunter viele neue Gesichter, fanden sich beim Vereinsheim am Flößerpark des Schwarzwaldvereins zu einem Waldspaziergang mit Forstrevierleiter Ulrich Wiedmaier ein. Schon zu Beginn herrschte eine gespannte, zugleich neugierige Atmosphäre, denn das angekündigte Thema versprach interessante Einblicke. Keiner der Anwesenden musste sein Erscheinen bereuen – im Gegenteil: Die Veranstaltung erwies sich als ebenso lehrreich wie anschaulich.

 

„Der Wald im Wandel“ war der Einstieg Wiedmaiers in das komplexe Thema. Mit der Frage „Wo kommt der Wald her?“ führte er die Gruppe zunächst in die Geschichte der Waldentwicklung ein. Von der Zeit nach der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren bis hin zur heutigen Nutzung und Prägung durch den Menschen spannte er einen Bogen und verdeutlichte, wie sich Wälder im Laufe der Jahrtausende veränderten.

An mehreren Standorten entlang des Weges wurden anschließend die Möglichkeiten der Entwicklung der nächsten Waldgeneration durch Naturverjüngung aufgezeigt. Besonders im Fokus stand dabei die Förderung klimastabiler Baumarten wie Eiche, Spitzahorn, Kastanie, Douglasie und weiterer Arten, die besser an zukünftige Bedingungen angepasst sind. Wiedmaier erklärte anschaulich, wie wichtig eine gezielte Auswahl und Mischung verschiedener Baumarten ist, um den Wald widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit, Stürmen und Schädlingen zu machen.

1,9-Grad-Ziel ist nicht mehr realistisch

Beim nächsten Halt stellte der Forstexperte drei Szenarien der zukünftigen Temperaturentwicklung vor. Er machte deutlich, dass bei einer bereits eingetretenen Erwärmung von 1,9 Grad eine Begrenzung auf das Zwei-Grad-Ziel kaum noch realistisch erscheine. Mit anschaulichen Grafiken erläuterte er die möglichen Entwicklungen und zeigte auf, welche konkreten Auswirkungen diese auf den Schwarzwald haben könnten – von veränderten Niederschlagsmustern bis hin zu zunehmendem Stress für empfindliche Baumarten.

Ziel müsse es daher sein, den Wald so umzubauen, dass er auch unter veränderten klimatischen Bedingungen lebensfähig bleibt. Nach einem Rundumblick vom Spitzfelsen setzte die Gruppe ihren Weg über den Otto-Bührer-Pfad fort und erreichte schließlich einen Jungbestand im Wolfacher Stadtwald. Durch gezielte Auslese und Pflege seien hier Artenvielfalt, Stabilität und eine vielschichtige Struktur gefördert worden, erklärte Wiedmaier. Die Gruppe konnte sich direkt vor Ort ein Bild davon machen, wie nachhaltige Forstwirtschaft in der Praxis aussehen kann.

Mit viel Beifall endete eine Waldbegehung, in der Ulrich Wiedmaier eindrücklich auf die bereits sichtbaren Folgen der Klimaerwärmung aufmerksam machte. Gleichzeitig zeigte er auf, welche konkreten Handlungsoptionen möglich und notwendig sind, um die Klimaresilienz des Waldes langfristig zu erhöhen. Mit einer gemeinsamen Einkehr im Flößerpark-Café klang die informationsreiche Veranstaltung in geselliger Atmosphäre aus.

Naturverjüngung

Im Gegensatz zur forstlichen Kultur durch Menschenhand wird der Forstbestand bei der Methode der Naturverjüngung durch herabgefallene Samen von umstehenden Bäumen oder durch vegetative Vermehrung gesichert. Das Verfahren spart Kosten und kann je nach Standort des Waldes angepasst werden.