Riesig war das Interesse an der Führung durch die ehemalige Zollernalb-Kaserne, die vom Zweckverband IIGP zu einem Industriegebiet umgewandelt wird. Foto: Sebastian Buck

Der Zweckverband Interkommunaler Industrie- und Gewerbepark Zollernalb lädt am Freitagnachmittag zur Führung auf das ehemalige Kasernengelände. Das löst einen Ansturm aus.

Autos soweit das Auge reicht. Beide Parkstreifen kurz nach dem Tor zur ehemaligen Zollernalb-Kaserne in Meßstetten sind bestens gefüllt. Mehr als 100 Interessierte tummeln sich hier an diesem sonnigen, aber doch kalten Freitagnachmittag. Der Zweckverband IIGP hatte zu einer öffentlichen Führung eingeladen. Verbandsgeschäftsführerin Heike Bartenbach begrüßte die Führungsteilnehmer und war selbst baff: „Ich bin überrascht, wie viele gekommen sind.“ Bartenbach erläuterte zunächst grob die Historie des Geländes – gebaut in den 1960er-Jahren beherbergte die Bundeswehr hier die Luftaufklärung für den süddeutschen Raum.

 

Von 2014 bis 2017 waren die Gebäude dann in Teilen für die Landeserstaufnahmestelle (LEA) für die Region in Benutzung. Während der Corona-Zeit war das Kreisimpfzentrum hier untergebracht, 112.000 Impfungen hat man in dieser Zeit abgewickelt.

Bebauungsplan im Dezember beschlossen

Doch jetzt sind Soldaten, Flüchtlinge und Impfärzte längst ausgezogen. Erst im vergangenen Jahr, kurz vor Weihnachten, hatte der Zweckverband den Bebauungsplan final beschlossen. Jetzt kann man also in die Vermarktung der bis zu 30 Industriebauplätze starten, je nach Zuschnitt der Parzellen und Baufenster versteht sich.

Eines stellte Bartenbach gleich klar: Die Befürchtungen, wie sie sie neulich von einem Schüler mitbekommen hatte, sind unbegründet: „Wir machen nicht alles platt.“ Einiges dann aber doch – was genau weg und vor allem wohin kommt, das zu erfahren, dafür war die Führung da.

Der letzte Soldat am Standort

In zwei Gruppen ging es los. Dieter Ludolph war der letzte Soldat am Standort bis zur endgültigen Schließung. Er stand als Ansprechpartner für vergangene Tage parat, während Judith Berg vom IIGP-Verband selbst den Blick in die Zukunft richtete. Ludolph stellte erfreut fest, dass tatsächlich auch viele ehemalige Soldaten gekommen waren, wollten diese doch wissen, was mit „ihrer“ Kaserne in Zukunft passieren soll. Start war an der ehemaligen Sporthalle, die einst aus einer Mehrzweckhalle entstanden war. Das Sportgelände Geißbühl direkt daneben gehört der Stadt Meßstetten und wird erhalten, die Halle indes kommt weg. „Es kommen ohnehin nur Gebäude weg, die in der Bausubstanz nicht mehr gut sind“, erklärte Berg. Hier gehört auch die Sporthalle dazu.

Auch eine alte Lagerhalle und die Fahrzeugrampen müssen dran glauben, die im hinteren Teil des gut 50 Hektar großen Geländes sind. Auffällig ist die große Lagerung von Sturmholz auf dem Gelände. Damit wird die Heizzentrale befeuert, die einst mit Öl und Gas betrieben wurde, heute aber mit Holzhackschnitzeln gefüttert wird. „Damit werden die Gebäude grundversorgt mit Wärme, damit die Heizungen nicht einfrieren“, erklärt Dieter Ludolph der Zuhörerschar.

Herausforderung beim Abbruch

Weiter geht es, vorbei an alten Antennenmasten. Die, so sagt es Judith Berg, würden wegen der tiefen Betonfundamente noch eine echte Herausforderung beim Abbruch darstellen. Was bleibt, jedenfalls im Moment, ist der Zaun der alten LEA. So spart man sich künftig die Baustellenumzäunung und bewahrt das Gelände vor Vandalismus.

Der Beton und anderes Material, das beim Rückbau anfällt, sollen künftig weiterverwendet und direkt auf dem Gelände aufgearbeitet werden. In der Mitte wird ein großer Kreisverkehr entstehen, der zudem zur zweiten Zufahrt führt. Entlang dieser seien die „Filetstücke“ des IIGP vorhanden, verweist Berg auf die hier relativ ebene Topografie.

Einige Bauten werden abgerissen

Innerhalb des LEA-Geländes wird auch die Abrissbirne geschwungen, einige Bauten könne man schlicht nicht mehr ertüchtigen, so Ludolph. Interessant wird es dann im ehemaligen Unteroffiziersheim. Hier wurden einst die ganzen Haustiere der angekommenen Ukrainer untergebracht, betreut von den Pfotenengeln Zollernalb.

Noch heute zeugen Aushänge auf Ukrainisch von diesem früheren Kapitel, auch eine uralte Palme – Ludolph mutmaßt, dass selbige seit 15 Jahren nicht mehr gegossen wurde – steht noch einigermaßen gut da. Lose Kabel baumeln von der Decke, alte Gemälde hängen staubig an der Wand. Auch dafür, erklärt Dieter Ludolph, lässt man den LEA-Zaun noch stehen – um ungebetene Touristen, die auf der Suche nach Lost Places sind, von den Gebäuden fernzuhalten.

Produktion eines Tages 24/7 möglich

In Summe stehen rund 52 Gebäude auf dem Gelände der Zollernalb-Kaserne, auf jeden Fall zwölf größere kommen weg. Die Produktion für Industriebetriebe ist hier eines Tages 24/7 möglich, erklärt Berg. Interessenten gibt es bereits jetzt, sogar aus den verschiedensten Branchen, wie später Heike Bartenbach aus dem Nähkästchen plaudert. Viele Anfragen aus der Energiewirtschaft gebe es, sogar aus der Logistikbranche werde Interesse bekundet. Wer sich am Ende wirklich in Meßstetten ansiedeln wird? Das zeigt die Zukunft.