Die Tour du Mont Blanc gilt als eines der härtesten Eintagesrennen Europas: An nur einem Tag müssen 338 Kilometer und 8500 Höhenmeter überwunden werden. Matthias Haberer aus Dietingen stellte sich dieser Herausforderung zum zweiten Mal.
Dietingen - Das intensive Radfahren begann der heute 38-jährige Dietinger vor zehn Jahren. Ein Arbeitskollege habe ihn motiviert an einem ersten Rennen teilzunehmen. Haberer war sofort infiziert. Das war seine Welt: Radrennluft, Zuschauer, im Feld auch Profifahrer und Natur pur. Haberer selbst fährt die Touren als "Jedermann", also ohne Lizenz, nur aus Freude am Radsport.
Herausforderung in den Alpen
Den größten Teil seiner Freizeit verbringe er auf dem Rad, um sich auf die nationalen und internationalen Rennen vorzubereiten. Im Winter halte er sich mit dem Ergometer fit. 50 Rennen und Radmarathons absolvierte Haberer in den vergangenen vier Jahren. Die Herausforderung suche er vor allem in den Alpen.
Zu Anfang habe er sich nur an kurze Strecken gewagt, sich aber laufend gesteigert. Er habe Biss und Ehrgeiz. Nicht, um erster zu werden. Das sei angesichts der Profis, die an den Rennen teilnehmen, undenkbar. Aber um durchzuhalten, über sich selbst hinauszuwachsen und das selbst gesteckte Ziel zu erreichen.
Auch bergab keine Abkühlung bei Affenhitze
Vor vier Jahren war das Ziel erstmals die Tour du Mont Blanc. Es war heftig. Dennoch stellte er sich in diesem Jahr, am 16. Juli, seinem Geburtstag, erneut der Herausforderung. Mit weiteren 300 Höhenmeter oben drauf und bei einer Affenhitze. Nicht mal die Abfahrten hätten für Abkühlung gesorgt.
Da spürte auch Haberer seine Grenzen. Aufgeben kam dennoch nie in Frage. Egal was die Tour von ihm abverlangte: sein Wille war stärker. Das Rennen habe er sich gut einteilen können. Das bringe die Erfahrung mit sich.
"Ergreifend schöne Blicke" ins Rhonetal
Um fünf Uhr wurde die Tour, die durch drei Länder führt, in Les Saisies gestartet. Diejenigen, die zu schnell losschossen, kamen am Ende nicht an, sagt Haberer. Nach 110 Kilometern überquerten die Fahrer die Grenze in die Schweiz.
Das Rhonetal erlaubte "ergreifend, schöne Blicke", wie schon zuvor der von den ersten Sonnenstrahlen erleuchtete Eispanzer des Mont Blancs, schwärmt Haberer.
Extreme Bedingungen
Es folgte der erste "richtige Anstieg" auf den Großen St. Bernhard. Auf einer Streckenlänge von 30 Kilometern ging es kontinuierlich bergauf. Haberer musste beißen. Bei extremer Hitze, zu der sich auf dem Kleinen St. Bernhard noch ein "extremer Gegenwind" gesellt habe.
Nur an den Verpflegungsstationen konnte man sich erholen. Auch die serpentinreichen Abfahrten durch den fließenden Straßenverkehr und mit Rollsplit belegte Teilabschnitte hätten ihm hohe Konzentration abverlangt.
Mount Everest an einem Tag
Zudem erforderten die letzten quälenden Kilometer hoch auf den Cormet de Roselend und der Schlussanstieg zurück nach Les Saisies nochmals alle Kraft und Willen. Die Zieldurchfahrt entlohnte jedoch für alle Anstrengungen.
Er sei einfach nur glücklich, dass er es nach 14 Stunden und 45 Minuten gepackt habe, sagt Haberer. Ein Geschenk, das er sich zu seinem Geburtstag selbst machen konnte, freut er sich.
Das nächste Ziel hat er schon vor Augen: Am kommenden Wochenende geht es zu einem Everesting-Event im Wallis in der Schweiz: Ziel ist es, die Höhenmeter des Mount Everest (8848 Höhenmeter) an einem Tag zu absolvieren.