War es ein Wolf? In Wörnersberg wurde ein Schaf gerissen. (Symbolbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Nach einem toten Schaf in Seewald gibt es den nächsten Fall in Wörnersberg. Ob in beiden Fällen ein Wolf dafür verantwortlich ist, wird untersucht. Das sagt der Wildtierbeauftragte.

Nach einem weiteren toten Schaf – diesmal in Wörnersberg – gibt es erneut einen Wolfsverdacht im Landkreis Freudenstadt. Ob tatsächlich ein Wolf für den Riss und die Verletzung eines weiteren Tieres verantwortlich ist, bleibt allerdings offen. „Ein Wolf kann weder bestätigt noch ausgeschlossen werden“, sagt der Wildtierbeauftragte des Landkreises, Peter Daiker, im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Der aktuelle Vorfall ereignete sich nicht mitten im Ort. „Das war keine Lage direkt neben der Kirche, sondern eher Ortsrand“, stellt Daiker klar. Grundsätzlich sei es nichts Ungewöhnliches, dass Wildtiere in solche Bereiche vordringen. „Jedes andere Wildtier kann dort genauso hinkommen.“

Zahlreiche genetische Abstrichproben

Um Klarheit zu schaffen, hat Daiker vor Ort zahlreiche genetische Abstrichproben genommen. Die Proben werden derzeit ausgewertet. Sicher sei derzeit nichts. „Theoretisch kann es auch ein Hund gewesen sein.“

Daiker ist aktuell viel im Gelände unterwegs. Der Schnee habe das Lesen von Spuren erleichtert. „Ich war erst am Wochenende draußen, wir haben eine Fährte verfolgt. Vom Bild her hat alles gepasst.“ Doch die erste Einschätzung relativierte sich später. „Weiter hinten kamen menschliche Spuren und Spuren von zwei Hunde dazu. Später bestätigte sich: „Das sind Hunde, etwa so groß wie ein Wolf.“

Auch wenn die Spurensuche Zeit kostet: „Mir sind diese Spuren trotzdem lieber als ein Schafriss.“ Gleichzeitig mehren sich derzeit Hinweise. „Vor etwa 14 Tagen gab es möglicherweise in Seewald ein vom Wolf getötetes Schaf.“ Hinweise auf den Wolf gab es auch in Egenhausen.

Herdenschutz wichtig

Ist der Wolf aktuell besonders aktiv oder hungrig? Daiker verneint: „Beute finden ist jahresunabhängig. Hoher Schnee macht es für alle schwieriger – für den Wolf, aber auch für die Beutetiere, die entkommen wollen.“

Große Bedeutung misst Daiker dem Herdenschutz bei. „Gerade bei neuen Wölfen wäre es optimal, wenn sie gleich zweimal an einen Elektrozaun kommen.“ Dennoch gebe es keine absolute Sicherheit. „Herdenschutz ist kein 100-prozentiger Schutz.“ Auffällig sei aber: „Ein Wolf lässt sehr schnell von der Beute ab, wenn es irgendwo ein Geräusch gibt.“

Um welchen Wolf könnte es sich handeln?

Die Untersuchungsergebnisse zu den Fällen in Seewald und Wörnersberg liegen noch nicht vor. Sollte es tatsächlich ein Wolf gewesen sein, kommen zwei Tiere infrage: der seit Jahren bekannte Wolf aus dem Nationalpark oder der sogenannte „Wolf vom Waldachtal“. „Der alte Wolf war früher schon in Seewald und, ich glaube, sogar einmal in Pfalzgrafenweiler“, sagt Daiker. Allerdings habe er sich zuletzt eher nach Norden orientiert.

Es sei durchaus möglich, dass die Wölfe aufeinandertreffen, sagt Daiker. „Es sind aber beides Rüden. Die markieren ihre Reviere und sind nicht besonders freundlich zueinander.“ Mit einer schnellen Ansiedlung weiblicher Tiere rechnet er derzeit nicht. „Es wandern vor allem Rüden.“