War es ein Wolf? Das steht längst noch nicht fest. (Symbolbild) Foto: Thorsten Spoerlein - stock.adobe.com

In Sulz am Eck ist am Mittwochmorgen ein deutlich angenagter und zerrissener Rehkadaver gefunden worden. Es wurden Genproben entnommen. Ob es ein Wolf war, ist noch nicht ganz klar – denn das Bissmuster soll eher zu einem Fuchs passen.

Auf dem Feld bei Sulz am Eck wird ein Reh gefunden. Es ist getötet, der Brustkorb liegt abgenagt und blutig offen, Vorder- und Hinterteil sind halb auseinandergerissen.

 

Der Verdacht liegt mittlerweile nahe: Ein Wolf hat nun in Sulz am Eck Beute gemacht und das Rotwild gerissen. Vor einigen Tagen berichtete ein Mann, nur wenige hundert Meter davon entfernt, bei den Schuppen, einen Wolf gesehen zu haben.

Am Mittwochmorgen wurde dann das gerissenes Reh gefunden, wahrscheinlich war es noch nicht lange tot. Pansenrückstände und Bissspuren am Hals deuten darauf hin,dass ein Raubtier das Reh gejagt und erbeutet hat. Der Todeskampf sei dem toten Tier anzusehen, berichtet der zuständige Jagdpächter.

Wolf, Goldschakal oder Fuchs

Ob es ein Wolf war, steht derweil noch nicht fest. Denkbar wäre auch ein Goldschakal – diese breiten sich mittlerweile auch im Schwarzwald aus.

Einen kräftigen Fuchs würden die Wolfsbeauftragten vom Landratsamt ebenfalls für denkbar halten. Ortsvorsteher Rolf Dittus, selbst Jäger, berichtet, dass das Bissmuster der Fangzähne am Reh für ein kleineres Tier als einen Wolf spräche. Der zuständige Jagdpächter hält einen Fuchs jedoch für eher unwahrscheinlich. Er habe noch nie erlebt, dass ein Fuchs ein Reh gerissen bekomme.

Auch ein Fuchs könnte es gewesen sein. Foto: dpa/Patrick Pleul

Grundsätzlich sei es selten, dass Rehe gerissen werden. Aber er habe in der vergangenen Zeit schon bemerkt: „Zur Zeit stimmt irgendetwas nicht“, sagt er. Die Rehe würden sich auffällig zurückziehen, nicht im offenen Feld äsen, wie sie es sonst in seinem Revier täten. Am Jahreszeitenwechsel könne das nicht liegen.

Der Kadaver wurde nun abtransportiert. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg entscheidet dann, ob das Genmaterial untersucht wird, um festzustellen, ob und wenn welcher Wolf das Reh gerissen hat.

Bereits 2021 berichtete eine Spaziergängerin, einen Wolf zwischen Sulz und Jettingen gesehen zu haben. 2023 riss bestätigt ein Wolf ein Schaf in Neubulach. Seit 2017 ist der Wolfsrüde „GW852m“ im Kreis Calw nachgewiesen. Besonders aufsehenerregend war ein Schafsriss 2018, als in Bad Wildbad eine Schafherde angegriffen und 30 Tiere getötet wurden und der dem Rüden zugeschrieben wurde.

GW852m wird häufiger hinter Rissen in der Region vermutet etwa von vier Schafen in Baiersbronn im Jahr 2023 oder 2020 in Bad Wildbad. Wegen der Angriffe auf Nutztiere wird über die Freigabe zum Abschuss von Wölfen, vor allem sogenannten „Problemwölfen“ teils heftig debattiert. In Deutschland sind Wölfe streng geschützt. Auch über diesen Schutzstatus wird immer wieder diskutiert.

2023 gab es Wolfsrudel im Schwarzwald

Nachdem Wölfe im Schwarzwald ausgerottet waren, sind sie mittlerweile wieder heimisch geworden. 2023 gründete ein Wolfspärchen sogar ein kleines Rudel. Allerdings wurde die trächtige Fähe, also das Weibchen, kurz darauf überfahren.