Gut drei Monate ist das fatale Feuer in einer Notaufnahme in Pforzheim her. Ein fixierter Patient starb.
Die Auswirkungen des Brandes am 2. Mai sind im Pforzheimer Helios-Klinikum noch deutlich sichtbar: Gleich am Empfang, wo früher der Wartebereich für die zentrale Notaufnahme war, sieht es aus wie auf einer Baustelle. Das Feuer hat Spuren hinterlassen. Auch bei den direkt Betroffenen.
An dem Dienstagabend vor gut drei Monaten ist in der Notaufnahme ein 58-jähriger Patient ums Leben gekommen. Der Mann war alkoholisiert und aggressiv. Die Mitarbeiter der Notaufnahme hatten ihn deshalb fixiert. Hinterher teilten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht nur mit, dass der Verdacht bestehe, dass diese Fixierung nicht rechtens war, sondern auch, dass der festgeschnallte Patient nicht ununterbrochen überwacht worden sein könnte. Zudem hatten die Ermittlungen ergeben, dass der Brand wohl in unmittelbarer Nähe des Verstorbenen ausgebrochen war, der Mann ihn womöglich selbst gelegt hat.
Neun Mitarbeiter sind weiterhin freigestellt
Daraufhin leitetet die Staatsanwaltschaft Karlsruhe – Zweigstelle Pforzheim – ein Verfahren gegen neun Klinik-Mitarbeiter ein, die am Brandabend mit dem Patienten befasst waren. Das Helios-Klinikum hatte die neun Mitarbeiter daraufhin bis auf Weiteres freigestellt. Dies ist noch immer der Fall.
Auch gut ein Vierteljahr nach dem Brand laufen die Ermittlungen noch, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Pforzheim auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilt: „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.“ Aus diesem Grund macht die Staatswaltschaft auch keine weiteren Angaben zu der Sache. Der Sprecher rechnet damit, dass es noch mindestens zwei Wochen dauern wird, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind.
Unterdessen laufen die Renovierungsarbeiten am Klinikum weiter. Der Rückbau der zentralen Notaufnahme ist nahezu abgeschlossen, berichtet Pressesprecherin Christina Schwara. „Der genaue Schadensumfang muss in Teilbereichen nach dem Rückbau begutachtet werden. Anschließend beginnen wir mit dem grundhaften Wiederaufbau der brandgeschädigten, ursprünglichen Räumlichkeiten.“
Die Notfallversorgung indes war trotz des Brands beinahe ohne Pause gewährleistet. Bereits am Morgen danach nahm die zentrale Notaufnahme in kurzfristig ausgestatteten Ersatzräumen die Arbeit auf. „Aktuell bauen wir diese provisorische Notaufnahme weiter zu einer Interimslösung aus, die in angrenzenden Räumlichkeiten verortet sein wird“, erklärt Schwara. Dort werde Patienten zum Beispiel ein größerer Wartebereich zur Verfügung stehen. „Die Liegendanfahrt soll dann über die Zufahrt der alten Notaufnahme rechts vom Klinikparkhaus erfolgen.“
Team der Notaufnahme noch immer „erschüttert“
Doch nicht nur deshalb sind die dramatischen Ereignisse Anfang Mai noch immer ein Thema. „Als eingespieltes Team der zentralen Notaufnahme kämpfen wir jeden Tag darum, Leben zu retten. Manchmal müssen wir dann auch den Tod akzeptieren, jedoch nicht so wie in der Brandnacht. Deshalb sind wir alle noch immer von dem tragischen Tod des Patienten erschüttert“, sagen laut Klinikum die Kollegen der Notaufnahme.
Die Helios-Mitarbeiter haben darum weiterhin die Möglichkeit, seelsorgerische und psychologische Unterstützungsangebote zu nutzen. Die Seelsorger, die Betriebsärztin und das Kriseninterventionsteam seien dazu rund um die Uhr erreichbar. Jeder Mitarbeiter erhalte dann eine persönliche Begleitung, um die Ereignisse individuell aufarbeiten zu können.